Der Vorschlag von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), Behandlungen von Gastpatientinnen und Gastpatienten direkt zwischen den Bundesländern abzurechnen, stößt in Salzburg auf Zustimmung. Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi (ÖVP) bezeichnete die Idee im Ö1-„Morgenjournal“ als „guten Vorschlag“ und machte klar, dass damit eine Chance auf mehr Kostengerechtigkeit verbunden sein könne.
Gleichbehandlung der Preise als Kernforderung
Gutschi betonte gegenüber dem ORF, ein zentrales Kriterium müsse die finanzielle Gleichbehandlung sein: "Man müsse sich natürlich auch committen, dass überall für die gleiche Leistung der gleiche Preis zu zahlen ist." Ihrer Einschätzung nach lägen die Kosten in Wien in einigen Bereichen deutlich höher, was vor einer Umsetzung geklärt werden müsse.
„Ich finde, das ist ein guter Vorschlag. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.“
Die Landesrätin wies zudem darauf hin, dass derzeit die Abrechnung von Behandlungen ausländischer Patientinnen und Patienten oftmals einfacher sei als die Abrechnung von Patientinnen und Patienten aus anderen österreichischen Bundesländern. Vor diesem Hintergrund könnten Gespräche über eine neue Form der Finanzierung bereits im kommenden Herbst beginnen, so Gutschi.
Breitere Zustimmung aus anderen Bundesländern
Neben Salzburg hat auch Tirol Zustimmung signalisiert. Laut Ö1 schrieb Tirols Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP), der Vorschlag gehe in die richtige Richtung: Wer Leistungen für Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern erbringe, müsse dafür entsprechend bezahlt werden. Ebenfalls grundsätzlich positiv äußerte sich Niederösterreich; Landesrat Anton Kasser (ÖVP) bezeichnete eine leistungsbezogene Abrechnung als potenziell sinnvollen Weg, verwies aber auf die Notwendigkeit einer Neuverhandlung des Finanzausgleichs.
Wien selbst sieht in der Direktverrechnung eine rasche Lösung, nachdem ein breiteres Modell der Gesundheitsregionen derzeit in mehreren Ländern auf Ablehnung stößt. Ob und wie rasch konkrete Vereinbarungen zu treffen sind, bleibt offen.
Praktische Fragen offen: Preise, Daten, Verwaltung
Während politischer Konsens über das Prinzip entsteht, bleiben zahlreiche Detailfragen ungeklärt. Dazu zählen insbesondere:
- Standardisierung der Leistungsdefinitionen (welche Prozeduren wie abgerechnet werden),
- Festlegung einheitlicher Preise für identische Leistungen,
- administrative Abläufe und Datenaustausch zwischen Spitälern und Landesfinanzstellen.
Gutschi machte deutlich, dass gerade die Preisangleichung zwischen Bundesländern eine zentrale Voraussetzung sei. Ohne verbindliche Regelungen bestehe die Gefahr, dass Kostenverschiebungen zu Ungerechtigkeiten zwischen Regionen führen.
| Bundesland / Akteur | Haltung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Wien (Michael Ludwig) | Initiiert | Sieht Direktverrechnung als rasche Lösung |
| Salzburg (Daniela Gutschi) | Positiv, zustimmend | Fordert gleiche Preise und will Gespräche im Herbst |
| Tirol (Cornelia Hagele) | Positiv | Hält Bezahlung für Leistungen aus anderen Ländern für gerechtfertigt |
| Niederösterreich (Anton Kasser) | Grundsätzlich positiv | Sieht Neuverhandlung des Finanzausgleichs als Voraussetzung |
Welche Auswirkungen eine Direktverrechnung konkret für Salzburger Spitäler und Patientinnen hätte, hängt von der Ausgestaltung ab. Mögliche Effekte wären transparentere Kostenflüsse, aber auch ein Mehraufwand bei Abrechnungsprozessen, bis gemeinsame Standards etabliert sind.
Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?
Für Bewohnerinnen und Bewohner Salzburgs könnte eine funktionierende Direktverrechnung administrativen Aufwand reduzieren: Statt einzelner Rechnungen und komplizierter Rückforderungsverfahren zwischen Landesbehörden wären direkte Abrechnungen denkbar. Gleichzeitig bleibt zu klären, ob Patienten dadurch mit veränderten Selbstbehalten oder Kosten konfrontiert würden — dazu enthalten die bisherigen Stellungnahmen keine Angaben.
Die angekündigten Gespräche im Herbst werden daher wichtige Weichen stellen. Bis dahin ist zu erwarten, dass Vertreterinnen und Vertreter der betroffenen Spitäler, der Landesverwaltungen und der Gesundheitskassen in technischen Verhandlungen Details wie Leistungsdefinitionen, Preisrahmen und Abrechnungsmodalitäten diskutieren müssen.
Aus Salzburgs Sicht ist die Debatte ein Beispiel dafür, wie regionale Gesundheitssysteme künftig grenzüberschreitender koordiniert werden müssen, um Versorgungssicherheit und finanzielle Fairness zu verbinden.
Quelle: APA-Bericht vom 13. August 2026; Statements von Daniela Gutschi und schriftliche Stellungnahmen laut Ö1