Der aktuelle Planetary Health Check des Potsdam‑Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt: sieben von neun untersuchten planetaren Belastungsgrenzen befinden sich mittlerweile außerhalb des als sicher definierten Spielraums. Das berichten die Forschenden in einer Mitteilung zum Jahresbericht und warnen vor einem wachsenden Risiko großräumiger und potenziell unumkehrbarer Veränderungen des Erdsystems.
Welche Grenzen sind betroffen?
Das PIK bewertet neun miteinander verbundene Erdsystem‑Prozesse, deren Stabilität und Widerstandsfähigkeit für das Funktionieren der Erde als Ganzes zentral sind. Nach den Angaben des Instituts liegen folgende Indikatoren bereits außerhalb der sicheren Grenzen:
- Klimawandel
- Integrität der Biosphäre (Biodiversität)
- Veränderung der Landnutzung
- Veränderung des Süßwasserkreislaufs
- Veränderung biogeochemischer Kreisläufe
- Eintrag menschengemachter Substanzen
- Ozeanversauerung
Zwei der neun Indikatoren haben sich laut PIK verbessert: die Situation der Ozonschicht und die globale Aerosolbelastung der Atmosphäre.
| Indikator | Status |
|---|---|
| Klimawandel | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Integrität der Biosphäre | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Landnutzungsänderung | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Süßwasserkreislauf | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Biogeochemische Kreisläufe | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Menschengemachte Substanzen | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Ozeanversauerung | Außerhalb sicherer Grenzen |
| Ozonschicht | Verbessert |
| Globale Aerosolbelastung | Verbessert |
Risiken und politische Folgen
Das PIK warnt, dass die Überschreitungen das Risiko für großräumige, langfristige und potenziell unumkehrbare Veränderungen erhöhen. In der Mitteilung hebt das Institut hervor, dass der verbleibende Handlungsspielraum zur wirksamen Gegensteuerung kleiner wird. Für nationale Umweltpolitik bedeutet das: schnellere Reduktionen bei Treibhausgasen, stärkere Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität und eine integrierte Betrachtung von Land‑ und Wasserressourcen.
„Gleichzeitig wird unser Spielraum, diesen Problemen wirksam zu begegnen, immer kleiner“,
so Boris Sakschewski, PIK‑Forscher und Leitautor des Berichts. PIK‑Direktor Johan Rockström ergänzt, dass es noch Möglichkeiten gebe, entgegenzusteuern:
„Wir wissen, was zu tun ist, und haben die Möglichkeiten und Lösungen, um gegenzusteuern.“
Die Aussagen unterstreichen einen doppelten Befund: Der Zustand vieler Erdsystem‑Parameter ist kritisch, zugleich existieren technische, politische und gesellschaftliche Lösungsoptionen. Entscheidend sei das Tempo der Umsetzung.
Konsequenzen für Österreich
Für Österreich ergeben sich daraus mehrere Implikationen: Klimaanpassung und Klimaschutz müssen weiter an Bedeutung gewinnen, Schutzgebiete und Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen sind zu stärken, und die Politik muss Emissionen sowie Einträge chemischer Substanzen konsequent reduzieren. Auch die Sicherstellung nachhaltiger Wassernutzung gewinnt an Dringlichkeit, angesichts der Einschätzung zur Veränderung des Süßwasserkreislaufs.
Der Bericht des PIK liefert eine wissenschaftliche Grundlage, die in nationale und EU‑weit abgestimmte Strategien einfließen sollte. Bei Umsetzungstempo und Ausrichtung politischer Maßnahmen stehen Behörden und Parlamente vor klaren Entscheidungen: verzögern sie, wächst das Risiko für irreversible Folgen; handeln sie zügig, bleiben Anpassungs‑ und Transformationsräume erhalten.
Weitere Details und die vollständige Analyse des Planetary Health Check stellt das Potsdam‑Institut zur Verfügung; der Bericht enthält zudem Empfehlungen, welche Maßnahmen Priorität haben sollten.