Das Kuratorium der Salzburger Festspiele hat am Mittwochnachmittag den belgischen Regisseur Peter de Caluwe als neuen Intendanten bestätigt. De Caluwe, Jahrgang 1963, wird die künstlerische Leitung der Festspiele ab 2027 allein übernehmen. Eine offizielle Vorstellung des Designierten ist für Freitagvormittag angekündigt.
Hintergrund und Personalentscheidungen
Der 1963 geborene De Caluwe leitete die Oper Monnaie in Brüssel von 2007 bis 2025. Bereits 2013 stand er in der engsten Auswahl für die Intendanz in Salzburg; damals fiel die Wahl auf Markus Hinterhäuser. Nun kehrt sein Name in neuer Funktion an die Salzach zurück.
Gleichzeitig bestätigte das Kuratorium die Vertragsverlängerung von Festspiel-Präsidentin Kristina Hammer. Die Festspiele werden jedoch nicht – wie zuletzt spekuliert – von einer Doppelspitze geführt: Verhandlungen mit der niederländischen Opernchefin Sophie de Lint und dem australischen Regisseur Barrie Kosky waren laut Berichten wegen Uneinigkeit über Vertragsgestaltung und Aufgabenverteilung gescheitert.
Die unmittelbare operative Verantwortung für die nächsten Ausgaben der Festspiele liegt weiter bei Karin Bergmann. Die Interimsintendantin plant und führt die Festspiele 2027 durch und bereitet bereits Planungen für 2028 vor. Bergmann hatte die Intendanz im Frühjahr 2026 von Markus Hinterhäuser übernommen.
Über die Umstände des vorzeitigen Abgangs von Markus Hinterhäuser ist weiterhin wenig bekannt: Hinterhäuser war trotz als künstlerisch und finanziell erfolgreich bewerteter Amtszeit im März freigestellt worden; eine ursprünglich akkordierte Vertragsverlängerung bis 2031 wurde nicht umgesetzt. Zu den Details des Auflösungsvertrags besteht Stillschweigen.
Konsequenzen für Programm und Profil
Die Wahl von De Caluwe signalisiert Kontinuität in der Verbindung Salzburgs zu internationalen Opern- und Theaterfiguren. De Caluwes langjährige Leitungserfahrung an einem großen nationalen Opernhaus dürfte für das Festival insbesondere in folgenden Bereichen relevant sein:
- Erfahrung in der Opern- und Musiktheaterproduktion auf hohem internationalen Niveau
- Netzwerke zu Ensembles, Regisseurinnen und Regisseuren sowie zu Förderern in Europa
- Erfahrung mit institutionellen Umbrüchen und Neuausrichtungen nach langen Direktionszeiten
Welche programmatischen Schwerpunkte De Caluwe in Salzburg setzen wird, bleibt offen; die offizielle Präsentation am Freitag und die anschließenden Interviews dürften erste Hinweise liefern. Ebenso zu beobachten sein wird, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Direktorium, dem Kuratorium und den städtischen sowie landesweiten Kulturverantwortlichen gestaltet.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2007–2025 | Peter de Caluwe Intendant der Oper Monnaie, Brüssel |
| 2013 | De Caluwe war bereits in enger Auswahl für Salzburger Intendanz |
| Frühjahr 2026 | Karin Bergmann übernimmt interimistisch die Festspielleitung von Markus Hinterhäuser |
| 2027 | De Caluwe tritt die Intendanz der Salzburger Festspiele an; Bergmann plant 2027/2028 |
Die nachrichtlichen Angaben stammen aus der Bestätigung des Kuratoriums und bisherigen Berichten über interne Verhandlungen. Zu Details der vertraglichen Vereinbarungen mit De Caluwe gab das Kuratorium mit der Mitteilung keine Auskunft.
Was jetzt zu erwarten ist
Für Salzburg als Festivalstandort sind nun mehrere Aspekte von Interesse: die künstlerische Ausrichtung für die kommenden Jahre, mögliche Wechsel im Leitungsteam, finanzielle Planungen sowie die Kommunikation gegenüber dem Publikum und Förderpartnern. Die Festspiele sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein kulturelles Aushängeschild des Landes, daher werden Entscheidungen auf Leitungsebene genau beobachtet.
Die offizielle Pressekonferenz am Freitag wird erste Klarheit bringen. Bis dahin bleiben die bestätigten Fakten: Peter de Caluwe als künftiger Intendant ab 2027, die Fortsetzung der Interimstätigkeit von Karin Bergmann für 2027 und 2028 und die Vertragsverlängerung von Kristina Hammer als Festspiel-Präsidentin.
Weitere Reaktionen aus Kulturpolitik, Ensembles und Förderkreisen dürften in den kommenden Tagen folgen und die Diskussion über die künftige Ausrichtung der Salzburger Festspiele weiter prägen.