Heimat auf den Gipfeln
Die Region um Murau ist weit mehr als Forstwirtschaft, Bierbrauerei und Wintersport. In den Gesprächen mit Einheimischen und Begleitern von Gästen wird deutlich: Die Berge sind hier Teil der Identität. Sie sind „Hausberge“, Vertraute und Schauplatz von Ritualen, die Generationen verbinden. In der Region bezeichnet man sie zu Recht als stille Riesen.
Gipfelkreuz als Gemeinschaftsereignis
Ein markantes Beispiel für diese Verbundenheit ist der Umgang mit dem Gipfelkreuz am Greim. Als das alte Kreuz im Vorjahr entfernt wurde, war für viele Bewohner rasch klar, dass ein neues her muss. Die Arbeit daran ist mehr als eine technische Aufgabe: Sie ist ein Ereignis von lokaler Bedeutung. Der Film, der die Aktion begleitet, dokumentiert, wie die Greimbauern eine lebensgroße Christusfigur hinauftragen und sie am Gipfel montieren – ein Vorgang, der hier offenbar nur alle etwa fünfzig Jahre stattfindet.
„Seitdem am Greim eines steht, hat es keine Hungersnot mehr gegeben.“
Solche Aussagen zeigen, wie eng Volksglaube, Tradition und Berggeschichte verwoben sind. Das Aufstellen eines Gipfelkreuzes hat in vielen Gemeinden symbolische und soziale Bedeutung: Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl und markiert den Berg als einen Ort, der Schutz und Vergangenheit zugleich repräsentiert.
Quellen, Geologie und Lebensraum
Die Grebenzen ist ein weiterer Berg in der Gegend, der nicht nur landschaftlich auffällt: Die Erhebung besteht aus Kalkstein, besitzt drei Höhen und kann kein Wasser speichern. Deshalb sickert Regen und Schmelzwasser rasch in das Gestein und tritt im Tal wieder zutage – in der Leutschacher Ursprungsquelle. Aus dieser Quelle sprudeln nach Angaben der Dokumentation mehr als 400.000 Liter pro Stunde. Für Einheimische ist ein solcher Ort ein Begriff von Naturreichtum und ein „paradiesischer Ort wie aus dem Märchenbuch“.
Hausberge, Hütten und persönliche Bindungen
Die Frauenalpe gilt als Hausberg der Murauerinnen und Murauer. Auf ihr betreiben Eddy und Elisabeth Frisch die Murauer Hütte, eine weithin bekannte Alpenvereinshütte in der Region. Die Familie hat vor acht Jahren hier ein neues Zuhause gefunden und verbindet seither Bewirtschaftung, Gastfreundschaft und alpine Tradition.
Auch individuelle Geschichten prägen das Bild. Die Bergwanderführerin Elisabeth Kogler etwa nennt den Gstoder als ihren Lieblingsberg. Sie berichtet, wie sie schon als kleines Kind mit den Eltern auf die Gipfel zog und die letzten Meter oft selbst laufen durfte. Solche persönlichen Erinnerungen verweisen darauf, dass die Berge in Murau nicht nur Kulisse, sondern gelebte Alltagskultur sind.
Rettung und Kompetenz am Berg
Wie lebenswichtig alpine Kompetenz ist, zeigt ein Blick auf die Bergrettung St. Lambrecht. Die Reportage begleitet die Mannschaft bei einer Übung und verdeutlicht den Idealismus und die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Für die Region sind gut ausgebildete Rettungskräfte ein Sicherheitsfaktor, der sowohl Einheimische als auch Gäste betrifft.
- Greim: traditionelles Gipfelkreuz, gemeinschaftliches Aufstellen einer Christusfigur
- Grebenzen: Kalkstein, drei Höhen, Quelle mit >400.000 Litern/Stunde
- Frauenalpe: Hausberg von Murau, Murauer Hütte (Eddy und Elisabeth Frisch)
- Bergrettung St. Lambrecht: Übungseinsatz, ehrenamtlicher Idealismus
| Berg / Ort | Besonderheit |
|---|---|
| Greim | Gipfelkreuz, wieder aufgestellt; traditionelles Brauchtum |
| Grebenzen | Kalkstein, Quelle: Leutschacher Ursprungsquelle (>400.000 l/h) |
| Frauenalpe | Hausberg der Murauer; Murauer Hütte |
Die Berichte machen deutlich, dass die Berge rund um Murau weit mehr sind als Freizeitgelände. Sie sind Ort gelebter Geschichte, Grundlage lokaler Identität und Gegenstand aktiver Pflege durch Bewohnerinnen und Bewohner, Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte sowie Rettungskräfte. Für die Region bedeutet das: Bewahren und Zugänglichmachen müssen in Balance gehalten werden, damit Traditionen weiterleben und zugleich Sicherheit und Naturschutz gewahrt bleiben. Besucherinnen und Besucher finden hier nicht nur Landschaft, sondern auch Verbundenheit – in den Geschichten, Ritualen und im Alltag der Menschen, die ihre „stillen Riesen“ zuhause haben.