Saisonauftakt in Graz
Die Oper Graz hat die neue Spielzeit mit Hector Berlioz’ „La Damnation de Faust“ eröffnet. Die Inszenierung von Lorenzo Fioroni setzt auf eindrucksvolle, teils nahe am Publikum erleb- und spürbare Bilder sowie eine dichte, visuell intensive Erzählweise. Damit präsentiert das Haus eine Rarität: Das opernähnliche Werk von Berlioz wurde in Graz bisher erst zweimal gezeigt, zuletzt vor rund 60 Jahren.
Figuren, Musik und Inszenierung
Im Zentrum steht die klassische Faust-Erzählung — bei Berlioz jedoch nicht als reine Nacherzählung Goethes, sondern als dramatische Legende. Der Tenor Pavel Petrov singt die Titelpartie des Faust; Nikita Ivasechko ist als Mephistopheles zu erleben. Die Regie deutet Faust als romantischen Helden, geplagt von Weltschmerz und dem Unvermögen, echte Gefühle zu empfinden. In der Aufführung wandert der Protagonist durch surreale Halluzinationen, geführt von seinem „Partner in Crime“, Mephistopheles.
„Für mich ist Mephistopheles vor allem ein Verführer. Es ist besonders gefährlich, wenn er charmant und humorvoll ist, weil man dann gar nicht merkt, wie man unter seinen Einfluss gerät. Aber genau in dieser menschlichen Anziehungskraft liegt für mich das Dämonische“, so Sänger Nikita Ivasechko.
Musikalisch steht Berlioz’ Vision im Mittelpunkt; sein Werk wurde 1846 konzertant uraufgeführt, die erste szenische Umsetzung folgte 1893. Die Oper Graz setzt damit bewusst auf ein Stück, das nicht zum Standardrepertoire gehört, und bietet dem Publikum eine intensive Auseinandersetzung mit Klangfarben, Drama und theatralischer Bildkraft.
Publikumsnähe und dramatische Bilder
Die Inszenierung arbeitet mit stark bildhaften Szenen und einer intensiven Körper- und Bühnenarbeit, die das Publikum unmittelbar einbindet. Szenen von explosiver Intensität zeigen Faust als psychisch und körperlich gezeichnete Figur, deren Suche nach Sinn und Verbindung wiederholt ins Leere läuft. Regisseur Fioroni betont das Moment der Verführung und der subtilen Anziehungskraft Mephistos, die im Stück als besonders gefährlich dargestellt wird.
- Werk: „La Damnation de Faust“ von Hector Berlioz
- Regie: Lorenzo Fioroni
- Besetzung: Pavel Petrov (Faust), Nikita Ivasechko (Mephistopheles)
- Besonderheit: Seltene Aufführung; zuletzt vor rund 60 Jahren in Graz
Konsequenzen für das Grazer Kulturangebot
Mit dieser Programmwahl positioniert sich die Oper Graz klar als Spielort für mutige und visuell starke Opernprojekte, die über das übliche Repertoire hinausgehen. Für das städtische Kulturleben bedeutet dies eine Bereicherung: Besucherinnen und Besucher erhalten die Möglichkeit, eine selten gezeigte Werkgestalt in szenischer Form zu erleben, die musikalisch wie inszenatorisch anspruchsvoll ist. Damit stärkt die Oper Graz ihr Profil als Festival- und Opernbühne, die sowohl traditionelle als auch ungewöhnliche Werke anbietet.
| Aspekt | Bemerkung |
|---|---|
| Uraufführung (konzertant) | 1846 |
| Erste szenische Umsetzung | 1893 |
| Letzte szenische Aufführung in Graz | Vor rund 60 Jahren |
Die Produktion dürfte sowohl langjährige Opernliebhaberinnen als auch ein jüngeres Publikum ansprechen, das an dichter Bildsprache und zeitgenössischer Bühnenästhetik interessiert ist. Die Kombination aus Berlioz’ visionärer Musik und Fioronis bildstarker Inszenierung markiert einen klaren, thematischen Aufschlag der Oper Graz in dieser Spielzeit.
Die Aufführung ist ein Hinweis darauf, dass die Grazer Bühne bereit ist, musikalische Raritäten ernsthaft und groß gedacht zu zeigen — mit dem Anspruch, Publikum und Kritik zugleich anzusprechen.