Flughafen Graz steht vor Veränderungen
Der Flughafen Graz erlebt heuer einen deutlichen Einschnitt: Ende Oktober 2026 wird die AUA-Verbindung nach Wien eingestellt, gleichzeitig zieht Eurowings ihr in Graz stationiertes Flugzeug ab. Das kündigte Flughafenchef Wolfgang Grimus in einem Gespräch an und bezeichnete das frühere Aus der Wien-Flüge als überraschend.
Grimus betont, dass die Einstellung der Flüge ursprünglich mit der Eröffnung des Semmering-Basistunnels geplant gewesen sei – demnach erst ab Dezember 2029. Dass die Wien-Verbindung die Kosten nicht decke, sei allerdings bereits länger bekannt.
„Dass die Wien Flüge die Kosten nicht decken ist aber schon lange bekannt. Ja, es ist schade für den Flughafen Graz und es hat mich schon traurig gestimmt.“
Der Flughafenchef erläuterte außerdem, dass ein Großteil der Passagiere keine Endkunden für die Strecke Graz–Wien gewesen sei, sondern Umsteiger zum internationalen Drehkreuz Flughafen Wien. Mehr als 95 Prozent der Fluggäste seien in dieser Rolle unterwegs gewesen. Konkret nannte Grimus Zahlen: Im vergangenen Jahr seien über 60.000 Passagiere von Graz nach Wien geflogen; in guten Jahren seien oftmals mehr als 120.000 Passagiere registriert worden.
Welche Folgen hat das für Reisende und Anschlussverbindungen?
Für viele Passagiere entfällt damit die direkte Umsteigemöglichkeit in Wien. Grimus verweist auf alternative Anschlüsse innerhalb der Lufthansa-Group: Graz sei gut an die Hubs in München, Frankfurt und Zürich angebunden. Diese Ziele sollen nun mit mehr Flügen bedient werden, so die Aussage des Flughafenchefs. Ob und in welchem Ausmaß die Passagiere auf diese Alternativen ausweichen, bleibt offen.
- Wegfall der AUA-Verbindung Graz–Wien: Ende Oktober 2026
- Abzug eines in Graz stationierten Eurowings-Flugzeugs
- Alternative Hubs: München, Frankfurt, Zürich – Ausbau angekündigt
Politische Reaktionen und weitere Schritte
Auf die Frage, ob Land Steiermark und Stadt Graz nochmals das Gespräch mit der AUA suchen würden, sagte Grimus, ihm sei bis dato nichts darüber bekannt. Er würde sich freuen, wenn es solche Gespräche gäbe, zeigt sich jedoch wenig zuversichtlich: „Es geht ja immer um das liebe ...“ – die Aussage blieb im Original unvollendet. Damit deutet sich an, dass wirtschaftliche Interessen und Kostenüberlegungen den Ausschlag für die Flug-Einstellung gegeben haben dürften.
| Periode | Passagiere Graz–Wien |
|---|---|
| Letztes Jahr | ~60.000 |
| Gute Jahre | >120.000 |
Konkrete Angaben zu Jobverlusten, finanziellen Auswirkungen für den Flughafen oder zu genauen Flugplänen der ausgebauten Hubs nannte Grimus nicht. Ebenso offen blieb, wie rasch zusätzliche Frequenzen zu München, Frankfurt und Zürich tatsächlich angeboten werden können und ob diese Verbindungen die weggefallenen Umsteigeverbindungen nach Wien gesamthaft kompensieren.
Standortperspektiven und lokale Bedeutung
Die Entwicklung hat unmittelbare Bedeutung für die Grazer Wirtschaft, für Geschäftsreisende sowie für den regionalen Tourismus: Eine direkte Verbindung zur Bundeshauptstadt und damit zu vielen internationalen Verbindungen war für Passagiere und Luftverkehrspartner lange ein Vorteil. Der Wegfall der Wien-Verbindung stellt den Flughafen und die Region nun vor die Aufgabe, Anschlusslösungen zu schaffen und Vertrauen bei Flugpassagieren und Partnern zu halten.
Grimus sieht trotz der Enttäuschung weiterhin Chancen für den Standort und betont die Bedeutung, alternative Angebote zu forcieren. Ob dies ausreicht, um die Marktanteile zurückzugewinnen oder neue Zielgruppen zu erschließen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Bis dahin müssen sich Reisende aus Graz auf veränderte Verbindungen einstellen und die angebotenen Hubs verstärkt nutzen.
Weitere Gespräche zwischen Flughafen, Fluglinien und Landes- sowie Stadtvertretern wären aus Sicht des Flughafens wünschenswert – ob und in welchem Umfang solche Verhandlungen stattfinden, bleibt abzuwarten.
Hinweis: Aussagen stammen aus dem Gespräch zwischen dem Flughafenchef Wolfgang Grimus und dem Gastautor Franz Zussner; Zahlen zu Passagieren wurden im Interview genannt.