Umwelt

Bauernverband fordert rasche Hilfen und mehr Flexibilität wegen Trockenheit und Hitze

Angesichts anhaltender Trockenheit, Hitzewellen und drohend geringer Ernten verlangt der Deutsche Bauernverband schnellere staatliche Unterstützung, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und eine Aufstockung von EU-Hilfen für Düngemittel mit nationalen Mitteln; Verbraucherorganisationen fordern zugleich einen strukturellen Umbau der Landwirtschaft.

Bauernverband fordert rasche Hilfen und mehr Flexibilität wegen Trockenheit und Hitze
©Illustration KI Florian Riegler / we-news.com

Der Deutsche Bauernverband verlangt von der Bundesregierung schnellere und umfangreichere Hilfen, um landwirtschaftliche Betriebe angesichts andauernder Trockenheit und Hitzewellen zu stützen. Die anhaltende Trockenheit habe bereits zu erwartbar geringeren Erträgen geführt, zugleich steige der Druck auf die Liquidität vieler Betriebe, berichtete die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Aussagen der Verbandsführung.

Geforderter „Instrumentenkasten“ für Anpassung

Generalsekretärin Stefanie Sabet sprach im „Morgenecho“ des Westdeutschen Rundfunks davon, dass die Betriebe einen breiten „Instrumentenkasten“ benötigten, um sich an den Klimawandel anzupassen. Konkret nannte sie mehrere Maßnahmen, die aus Sicht des Bauernverbands notwendig sind:

  • Innovation in Züchtungen, um Sorten hitze‑ und trockenheitsverträglicher zu machen,
  • Stärkung des Landschaftswasserhaushaltes zur besseren Wasserspeicherung und Bodenfeuchte,
  • Ausbau des Risikomanagements, damit Betriebe nicht in existenzbedrohende Liquiditätsengpässe geraten.

Sabet kritisierte zudem die Bundesregierung für mangelnde Reaktionsgeschwindigkeit: Im Koalitionsvertrag seien viele der nötigen Maßnahmen bereits vorgesehen, es sei jedoch „unerklärlich“, warum die Regierung in der aktuellen Lage weitgehend „untätig“ bleibe.

„unerklärlich ... untätig“

Konkrete politische Forderungen

Als konkrete Sofortmaßnahme schlägt der Bauernverband vor, ein bestehendes EU‑Hilfsprogramm für die Düngemittelversorgung mit nationalen Mitteln aufzustocken. Er verwies darauf, dass andere EU‑Staaten in vergleichbaren Situationen bereits national ergänzende Mittel bereitgestellt hätten. Ziel wäre, kurzfristig Versorgungsengpässe zu vermeiden und die betriebliche Planungssicherheit zu erhöhen.

Geforderte MaßnahmeZiel
Aufstockung EU‑Hilfsprogramm mit nationalen MittelnVersorgungssicherheit bei Düngemitteln
Innovation in ZüchtungenErtragsstabilität bei Hitze und Trockenheit
Stärkung LandschaftswasserhaushaltBessere Wasserspeicherung und Bodenschutz
Ausbau RisikomanagementVermeidung von Liquiditätskrisen

Gegendarstellung von Foodwatch

Die Verbraucherorganisation Foodwatch nutzte die Debatte, um einen grundsätzlichen Umbau der Landwirtschaft zu fordern. Nach ihrer Auffassung müsse der Hitzesommer „endlich ein Weckruf sein“ für eine langfristige Neuausrichtung hin zu weniger Nutztierhaltung, weniger Kunstdünger und weniger Pestiziden. Foodwatch sieht in einer Verringerung dieser Intensitäten einen Beitrag zur Klimaanpassung und zur Verringerung von ökologischen Risiken.

Damit stehen zwei Perspektiven gegenüber: Der Bauernverband fordert kurzfristige staatliche Unterstützung und mehr Flexibilität, um Betriebe durch die aktuelle Krise zu bringen, während Verbraucherschützerinnen und -schützer strukturelle Veränderungen einfordern, die mittelfristig Klimarisiken mindern könnten.

Kontext und Konsequenzen

Die Debatte fällt in eine Zeit, in der extreme Wetterereignisse für Landwirtschaft und Versorgungsketten zunehmend relevante Risiken darstellen. Gelingt keine schnelle Unterstützung und keine gezielte Anpassung, drohen regional geringere Ernten und finanzielle Belastungen für Betriebe. Gleichzeitig wäre eine Politik, die allein auf kurzfristige Hilfen setzt, aus Sicht von Umweltschützerinnen und Verbraucherschützern nicht ausreichend, um langfristig Klima‑ und Umweltrisiken zu begrenzen.

Politisch relevant wird sein, wie die Bundesregierung auf die Forderungen reagiert: Ob sie kurzfristige Liquiditätshilfen und eine nationale Aufstockung von EU‑Programmen gewährt und zugleich Strategien für eine nachhaltigere Landwirtschaft fördert. Die Entscheidung hat Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft in den kommenden Jahren.

Die Diskussion bleibt offen: Einerseits die unmittelbaren Risiken durch Hitze und Trockenheit, andererseits die Frage eines ambitionierten, langfristigen Umbaupfades. Beides fordert politische Entscheidungen mit Blick auf Effizienz, Kosten und ökologische Folgen.

Florian Riegler
Florian KI Ressortleiter Umwelt online

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