Am frühen Morgen, noch bevor die AIDAbella vollständig anlegte, hatten Zollbeamte am Ostseekai bereits Position bezogen. Für viele der rund 2.500 Passagiere endete an diesem Tag die Kreuzfahrt, für die eingesetzten Zöllner begann die Arbeit: Kofferöffnen, Fragen stellen, Gepäck durchleuchten.
Routinekontrolle mit überraschenden Funden
Die Bundeszollverwaltung führt an allen Kreuzfahrtschiffen mit Drittlandsbezug stichprobenartige Kontrollen durch. Ziel ist es, die Einhaltung von Abgaben- und Einfuhrbestimmungen zu prüfen. Bei den Einsätzen am Kieler Hafen reichen die Feststellungen von überschrittenen Freimengen für Tabak und Alkohol bis zu verbotenen Waren wie Walsalami.
Die Beamten sprechen einzelne Reisende direkt an und verweisen bei Bedarf auf den mobilen Röntgenscanner am Terminal. „Je nach Lage und Erkenntnissen können die Kontrollen aber auch deutlich umfangreicher ausfallen“, so Zollsprecherin Gabriele Oder.
„Wir haben es nicht gewusst, uns wurde gesagt, wir dürften mehr mitbringen.“
Solche Aussagen gehörten nach Angaben der Zöllner zu den häufigsten Erklärungen. Die Gründe für Überschreitungen seien unterschiedlich: Unwissenheit über Freimengen, falsche Angaben in Reiseforen oder bewusste Umgehung von Regeln.
Personal und Vorgehen
An dem beschriebenen Morgen waren acht Beamte im Einsatz. Jeder von ihnen sprach mindestens 20 Personen an. Die Kontrollen verliefen überwiegend ruhig; vereinzelt reagierten Reisende verärgert. Die Vorgehensweisen unterscheiden sich – jeder Zöllner hat seine eigene Taktik. Manche kontrollieren stärker personenbezogen, andere setzen häufiger Technik wie den Röntgenscanner ein.
- Fracht: Koffer und Einkaufstaschen werden stichprobenartig geprüft.
- Technik: Mobiler Röntgenscanner am Terminal hilft bei der Abschätzung von Verstößen.
- Rechtliche Grenzen: Freimengen gelten insbesondere für Tabak, Alkohol und Neuwaren.
Konkrete Maßnahmen reichen von der Nachverzollung bis zu weiteren Ermittlungen, wenn es Anhaltspunkte auf Schmuggel oder verbotene Waren gibt. Die Zöllner betonten, dass der Großteil der Reisenden kooperativ sei.
Hafenbetrieb und Zahlen
Die Intensität der Kontrollen hängt auch mit dem regen Kreuzfahrtverkehr in Kiel zusammen. Im Jahr 2025 liefen laut Zollangaben 187 Kreuzfahrtschiffe den Kieler Hafen an; dabei wurden insgesamt 1,11 Millionen Passagiere abgefertigt. Das macht Kiel zu einem bedeutenden Kreuzfahrtdrehkreuz in der Region.
| Jahr | Anlaufende Kreuzfahrtschiffe | Passagiere |
|---|---|---|
| 2025 | 187 | 1,11 Mio. |
Besonders betroffen von intensiven Kontrollen sind Schiffe mit Drittlandsbezug, also Routen, die Häfen außerhalb der Europäischen Union einschließen. Für Reisende bedeutet das, dass bei Rückkehr nach Deutschland und Einreise aus Nicht-EU-Staaten die bestehenden Freigrenzen genau einzuhalten sind.
Die Kontrollen haben auch praktische Folgen für den Ablauf am Terminal: Reisende sollten mit kurzen Verzögerungen rechnen, wenn ihr Gepäck kontrolliert wird. Gleichzeitig dienen die Maßnahmen dem Verbraucherschutz und der Sicherstellung von Rechtsvorschriften, etwa beim Verbot bestimmter Tierprodukte.
Vor dem Hintergrund des starken Passagieraufkommens am Kieler Hafen betonen die Zöllner die Bedeutung klarer Informationen: Wer sich vorab über erlaubte Freimengen und verbotene Waren informiert, vermeidet unnötige Auseinandersetzungen und mögliche Bußgelder.
Der beschriebene Einsatz am Ostseekai ist ein Beispiel für die tägliche Arbeit der Zollbeamten in Kiel: sichtbar für die Reisenden, aber weitgehend unbemerkt im Betriebsablauf des Hafens.