Die Entscheidung, Deutschland künftig mit München und nicht mit Köln-Rhein-Ruhr in die Bewerbungsphase für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 zu schicken, hat in Köln und Nordrhein-Westfalen Enttäuschung ausgelöst. Bei einer sogenannten „Watch-Party“ in Köln herrschten „traurige Gesichter“, wie es in ersten Berichten heißt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst zeigte sich nach der Entscheidung in Baden-Baden als fairer Verlierer, kündigte aber zugleich Unterstützung für die gewählte deutsche Kandidatin an.
Ausgang der innerdeutschen Entscheidung und politische Reaktionen
Nach Angaben aus den Entscheidungskreisen lag Köln-Rhein-Ruhr in mehreren Einzelbewertungen vorn, konnte sich aber in der Gesamtwertung nicht gegen München durchsetzen. Ministerpräsident Wüst erklärte:
„Wir haben ein tolles Konzept hingelegt. Wir waren in vier von sieben Bewertungskategorien vorn, in der Gesamtbewertung München eine Nasenspitze.“Er betonte zugleich, dass er gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen nun München unterstützen wolle:
„Wir wollen gemeinsam Olympische Spiele nach Deutschland holen. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe, da legen wir uns jetzt voll ins Geschirr.“
Konkrete Folgen für Köln
Als zentrale Stadt der Bewerbung hatte Köln zahlreiche Projekte und Perspektiven geplant, die nun nicht wie erwartet durch eine erfolgreiche Bewerbung ausgelöst werden. Die Stadtverwaltung und beteiligte Akteure müssen nun klären, welche kurzfristig geplanten Investitionen, Veranstaltungsstrukturen und sonstigen Vorbereitungen weiterhin sinnvoll sind oder neu ausgerichtet werden müssen. Eine tabellarische Übersicht fasst zentrale Zahlen und Bewertungspunkte zusammen:
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Bewertungskategorien, in denen Köln vorn lag | 4 von 7 |
| Kosten der Bewerbung und Ratsbürgerentscheide | Rund 15 Millionen Euro |
Haushalt, Image und Politik
Die Bewerbung hatte in Nordrhein-Westfalen breite politische Unterstützung erfahren; nur die AfD sprach sich früh gegen die Pläne aus. Erwartet worden war ein Imagegewinn und ein wirtschaftlicher Impuls für das seit Jahrzehnten vom Strukturwandel betroffene Bundesland. Die direkte Auswirkung der Entscheidung auf den Landeshaushalt beschränkt sich vorerst auf bereits entstandene Ausgaben: Nach vorliegenden Angaben wurden allein für die Durchführung von Ratsbürgerentscheiden sowie Konzept und Bewerbungskampagne rund 15 Millionen Euro aufgewendet.
Für Hendrik Wüst, der sich öffentlich und mit Nachdruck für die Bewerbung eingesetzt hatte, bedeutet die Niederlage ein politisches Rückschlagmoment. Dennoch bewerten Beobachter den Effekt auf seine Position als begrenzt: Der Ministerpräsident hatte seine Identifikation mit dem Projekt deutlich gezeigt und mit Superlativen geworben. Aktuelle Einschätzungen deuten darauf hin, dass dieses Scheitern eher einen Schaden auf der symbolischen Ebene hinterlässt als eine nachhaltige Schwächung seiner politischen Stellung.
Was jetzt für Köln zu tun bleibt
Die Stadtverwaltung steht vor der Aufgabe, die bisherigen Planungen zu prüfen und Prioritäten neu zu setzen. Dabei geht es unter anderem um folgende Punkte:
- Überprüfung bereits begonnener städtischer Investitionsvorhaben und temporärer Vorbereitungen,
- Bewertung des kommunikativen und wirtschaftlichen Nutzens bisheriger Ausgaben,
- Entwicklung alternativer Strategien zur Stärkung des Images und zur Anziehung von Großereignissen.
Ähnlich wie auf Landesebene signalisierten Verantwortliche die Bereitschaft, die deutsche Kandidatur insgesamt zu unterstützen, auch wenn Köln-Rhein-Ruhr nun nicht weiterverfolgt wird. Für viele Akteure in der Stadt stellt sich die Frage, wie die Resilienz gegenüber Strukturwandel und die Attraktivität für Tourismus, Kongresse und Investoren weiterhin gesteigert werden können ohne die große Bühne Olympischer Spiele.
Ausblick
Die Entscheidung zugunsten Münchens beendet den konkreten Olympia-Traum für Köln zwar vorerst, nicht aber die Debatte über Großprojekte und Strukturförderung. Die politischen und städtischen Diskussionen dürften sich in den kommenden Wochen darauf konzentrieren, welche Lehren aus der Bewerbung gezogen werden können und wie vorhandene Ressourcen sinnvoll in zukünftige Entwicklungsstrategien kanalisiert werden. Für die Bürgerinnen und Bürger bleibt entscheidend, wie transparent und ergebnisorientiert Stadt und Land nun mit den getätigten Ausgaben und den nächsten Schritten umgehen.