KIEL – Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Schleswig-Holstein bereiten sich verstärkt auf heiße Sommer vor, doch wirkungsvoller Hitzeschutz bleibt eine teure und organisatorisch anspruchsvolle Aufgabe. Während Intensivstationen häufig über Klimaanlagen verfügen, fehlen auf den meisten Normalstationen weiterhin flächendeckende Kühlmöglichkeiten. Das geht aus Aussagen der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) sowie von Trägern stationärer Pflege hervor.
„Auch in Schleswig-Holstein nehmen die Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen mit immer höheren Temperaturen zu. Die Kliniken sind auch in unserem Bundesland nur unzureichend auf diese Folge des Klimawandels eingestellt.“
Diese Worte stammen vom Geschäftsführer der KGSH, Patrick Reimund. Er weist darauf hin, dass bei Außentemperaturen von teilweise mehr als 30 Grad die Belastung sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Mitarbeitende erheblich sei. Konkrete Bau‑ oder Finanzpläne nannte die KGSH in den vorliegenden Angaben nicht, betonte jedoch den Handlungsbedarf.
Praktische Maßnahmen gegen Überhitzung
In der Praxis setzen Kliniken und Pflegeheime vor allem auf organisatorische und niedrigschwellige Maßnahmen, um Überhitzung zu verhindern. Bei Trägern stationärer Einrichtungen wie der Alloheim‑Gruppe gelten verbindliche Hitzeschutzkonzepte. In Schleswig-Holstein betreibt die Gruppe nach eigenen Angaben 29 stationäre Pflegeeinrichtungen.
Typische Maßnahmen, die derzeit umgesetzt werden, sind:
- Regelmäßige Trinkrunden und Dokumentation der Flüssigkeitsaufnahme (Trinkprotokolle),
- Anpassung von Aktivitäten und Essensangeboten (leichtere Mahlzeiten),
- Verstärkte Beobachtung besonders gefährdeter Bewohnerinnen und Bewohner,
- Einrichtung von klimatisierten Räumen oder kühlenden Aufenthaltsbereichen,
- Hitzeschutzfolien an Fenstern und bauliche Abdunkelungen.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Schleswig‑Holstein berichtet laut Angaben von individuell abgestimmten Hitzeschutzkonzepten in seinen Pflegeheimen. Konkrete technische Nachrüstungen sind demnach meist punktuell und an finanzielle und bauliche Grenzen gebunden.
Besonders Gefährdete und medizinische Gründe
Ältere Menschen sind aus mehreren Gründen besonders anfällig: Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit zur Thermoregulation ab, das Durst‑ und Wärmeempfinden ist oft vermindert. In Kombination mit Vorerkrankungen und bestimmten Medikamenten steigt das Risiko einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme und damit von hitzebedingten Komplikationen.
Vor diesem Hintergrund erscheinen Trinkprotokolle und gezielte Beobachtung als einfache, aber wichtige Instrumente. Sie ersetzen jedoch nicht die technische Kühlung, wenn die Außentemperaturen anhaltend hoch sind und Räume sich stark aufheizen.
Kosten, Bau und Langfristplanung
Mehrere Klinikträger bewerten die nachträgliche Klimatisierung großer Bestandsbauten als kostenintensiv. Neben der finanziellen Belastung stehen oft Denkmalschutzauflagen, Energieversorgung und infrastrukturelle Restriktionen. Daher setzen viele Einrichtungen derzeit auf kombinierte Maßnahmen aus organisatorischen Konzepten und punktuellen technischen Lösungen.
| Maßnahme | Zielgruppe | Vorteil |
|---|---|---|
| Trinkprotokolle | Alle Bewohner/Patienten | Niedrigschwellig, sofort umsetzbar |
| Klimatisierte Räume | Intensivpatienten, Risikopatienten | Hoher Schutz, technische Anforderung |
| Hitzeschutzfolien und Abdunkelung | Stationen ohne Klimaanlage | Reduziert Aufheizung, relativ kostengünstig |
Die Diskussion um Energieeffizienz spielt dabei eine Rolle: Klimatisierung erhöht den Strombedarf, was wiederum Fragen der nachhaltigen und zuverlässigen Energieversorgung aufwirft. Langfristig werden laut Branchenvertretern integrative Konzepte nötig sein, die bauliche Anpassungen, Energieversorgung und Pflegekonzepte verbinden.
Was bedeutet das für Angehörige und Besucher?
Angehörige sollten besonders auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und auf Anzeichen von Überhitzung wie Verwirrtheit, Schwindel oder Schwäche reagieren. Einrichtungen empfehlen, Besuche und Aktivitäten bei Hitze anzupassen und leichte, gut verträgliche Speisen zu bevorzugen.
Insgesamt zeigen die aktuellen Maßnahmen in Schleswig‑Holstein, dass Krankenhäuser und Pflegeheime pragmatisch auf kurzfristige Hitzebelastungen reagieren können. Zugleich offenbart sich ein deutliches Defizit in der bau‑ und technikbasierten Vorsorge, das mit Blick auf die erwartete Zunahme von Hitzewellen weiteren Handlungsbedarf signalisiert.