In Bayern nehmen Pflegebedürftige deutlich seltener als möglich an präventiven zahnärztlichen Untersuchungen teil. Nach Angaben der Krankenkasse Barmer wurden spezielle, auf Prävention ausgerichtete Leistungen in Heimen nur bei weniger als einem Drittel der Bewohner abgerechnet; bei zuhause gepflegten Menschen lag der Anteil 2024 bei nur 2,4 Prozent.
Vorsorge-Angebote vorhanden, Nutzung aber gering
Die speziellen Abrechnungsmöglichkeiten für Zahnärztinnen und Zahnärzte, mit denen Vorsorgeuntersuchungen bei Pflegebedürftigen separat vergütet werden können, bestehen seit einigen Jahren. Trotzdem erreichen diese Leistungen offenbar nur einen Bruchteil derjenigen, die davon profitieren könnten. Die Barmer wertet die Zahlen als Signal, dass die bestehenden Angebote nicht ausreichend bei den Betroffenen oder ihren Betreuern ankommen.
Konkrete Folgen mangelnder Mundgesundheit
Laut Barmer haben schlechte Zähne, schlecht sitzende Prothesen oder Zahnfleischentzündungen gravierende gesundheitliche Folgen: Sie erschweren Kauen und Schlucken, führen dazu, dass Betroffene weniger essen oder bestimmte Lebensmittel meiden. Die Krankenkasse mahnt, dass daraus Mangelernährung, Gewichtsverlust und allgemeine Schwäche folgen können, was für pflegebedürftige Menschen besonders riskant sei.
„Mundgesundheit ist ein wichtiger Teil der Lebensqualität und trägt zur allgemeinen Gesundheit bei. Pflegebedürftige Menschen dürfen beim Zugang zu zahnärztlicher Vorsorge nicht abgehängt werden.“
Dieses Zitat stammt von Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der Barmer in Bayern, der die Ergebnisse gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in München kommentierte.
Entwicklung der zahnärztlichen Versorgung insgesamt
Obwohl die präventiven Untersuchungen selten genutzt werden, zeigen die Daten eine leichte Verbesserung bei jeglichem zahnärztlichen Kontakt. Die Barmer nennt folgende Entwicklung:
- Bei ambulant Gepflegten stieg der Anteil mit mindestens einem zahnärztlichen Kontakt von rund 49 Prozent (2018) auf fast 56 Prozent (2024).
- Bei Pflegebedürftigen in Heimen erhöhte sich der Anteil von knapp 46 Prozent auf gut 50 Prozent.
Diese Zahlen erfassen jedoch jeden Kontakt zu Zahnmedizinern, also auch Reparaturen von Prothesen oder Zahnextraktionen. Die präventiven, auf den Mundgesundheitsstatus zielenden Gebührennummern werden separat erfasst – und dort liegen die Nutzungsraten deutlich niedriger.
| Bereich | 2018 | 2024 |
|---|---|---|
| Ambulant Gepflegte (mind. 1 Kontakt) | ~49 % | ~56 % |
| Pflegeheimbewohner (mind. 1 Kontakt) | ~46 % | ~50 % |
| Präventive Untersuchungen in Heimen (2024) | Weniger als ein Drittel | |
| Präventive Untersuchungen zuhause (2024) | 2,4 % | |
Fragen an Praxis und Politik
Die Zahlen werfen mehrere Fragen auf: Warum werden präventive Leistungen so wenig genutzt, obwohl sie möglich sind? Liegt es an organisatorischen Hürden in Pflegeeinrichtungen, an fehlender Aufklärung der Angehörigen oder an der Bereitschaft der Zahnärzte, Haus- beziehungsweise Heimtermine anzubieten?
Die Barmer fordert, den Zugang zur zahnärztlichen Vorsorge für Pflegebedürftige zu verbessern, damit die Mundgesundheit nicht zum vernachlässigten Faktor in der Gesamtversorgung wird. Konkrete Vorschläge oder gesetzgeberische Forderungen nennt die Kasse in der dpa-Meldung nicht, betont aber die Bedeutung der Prävention für Lebensqualität und Gesundheit.
Praktische Bedeutung für Pflegende und Angehörige
Für Pflegekräfte und Angehörige bedeutet die Situation: Frühzeitige Kontrollen können gesundheitliche Folgeschäden vermeiden. Wo möglich, sollten Pflegekräfte und Betreuer darauf achten, regelmäßige zahnärztliche Termine zu organisieren und Präventionsangebote zu erfragen. Pflegeeinrichtungen können ihrerseits prüfen, ob sie Versorgungskonzepte für die Mundhygiene und regelmäßige Untersuchungen etabliert haben.
Die Barmer-Daten zeigen, dass sich zwar die Zahl der zahnärztlichen Kontakte insgesamt verbessert hat, die speziell präventiv ausgestalteten Leistungen aber noch nicht ausreichend bei den Pflegebedürftigen angekommen sind. Für Betroffene und ihre Angehörigen bleibt die Mundgesundheit ein bedeutender, oft unterschätzter Faktor für Wohlbefinden und allgemeine Gesundheit.