Preisdruck und sinkende Einnahmen
In Zürich wächst die Sorge unter Taxifahrern: «Es bleibt fast nichts mehr zum Verdienen», sagt der 60‑jährige Fahrer Avdush Leka gegenüber Nau.ch. Treibstoffkosten steigen weiter, gleichzeitig sinkt die Zahl bezahlter Fahrten. Für viele Chauffeure, die Tageseinnahmen für Betrieb, Sozialabgaben und Lebensunterhalt aufbringen müssen, führt diese Kombination zu existenziellen Engpässen.
Worunter die Fahrer konkret leiden
Taxifahrer berichten, dass die Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die deutlich gestiegenen Dieselrechnungen und die obligatorischen Sozialabgaben zu decken. Reserven oder kurzfristige Preisanpassungen an Kundinnen und Kunden seien kaum möglich, weil der Markt durch Preiswettbewerb stark ausgedünnt sei. Zudem normalisieren sich bei vielen Chauffeuren betriebliche Verhaltensweisen: Der Tank müsse stets grosszügig gefüllt sein, damit spontane lange Fahrten möglich bleiben – ein finanzieller Zwang, der Liquidität bindet.
«Es bleibt fast nichts mehr zum Verdienen.»
Konkurrenz durch Apps verschärft Lage
Als weiteren Faktor nennen Fahrer die Konkurrenz durch Plattformen wie Uber und Bolt. Sie werfen den App‑Anbietern vor, lokale Taxitarife und damit die traditionelle Branche unter Druck zu setzen. Konkrete Belege für politischen Bevorzugung können die Betroffenen laut Aussagen nicht liefern, die Wahrnehmung über ungleichen Wettbewerb ist in der Szene jedoch verbreitet.
- Hohe Treibstoffkosten: direkte Belastung für jeden Arbeitstag.
- Weniger Aufträge: teilweise nur noch wenige Fahrten pro Tag.
- Konkurrenz durch Plattformen: zusätzlicher Preisdruck und Marktanteilsverlust.
Reaktionen aus der Branche
Der Branchenverband ASTAG wurde bereits angefragt; in früheren Stellungnahmen hat er auf die Schieflage hingewiesen und massvolle Lösungen gefordert. Eine von ASTAG vorgeschlagene Option ist die Wiedereinführung eines Gewerbediesels für die Branche, damit die Kosten zumindest teilweise abgefedert werden könnten. Ob und wie solche Vorschläge politisch aufgegriffen werden, ist derzeit offen.
| Problem | Konsequenz für Taxifahrer |
|---|---|
| Steigende Dieselpreise | Geringere Nettoeinnahmen, Liquiditätsengpässe |
| Sinkende Auftragszahlen | Weniger Touren pro Tag, Einkommensverluste |
| Wettbewerb durch Apps | Preiskampf, Margendruck |
Alltag und Sicherheitsaspekte
Für Chauffeure hat die Situation auch praktische Folgen: Ein voller Tank ist aus betrieblicher Sicht Pflicht, das schränkt die Flexibilität, reduziert aber kurzfristig die Bargeldreserven. Gleichzeitig bleibt das Mobilitätsangebot für Kundinnen und Kunden in der Stadt betroffen — weniger Taxis auf den Strassen könnten Wartezeiten verlängern, insbesondere abends oder in peripheren Quartieren.
Welche Optionen bleiben?
Taxifahrer sehen nur wenige kurzfristige Hebel. Preiserhöhungen müssten politisch oder vertraglich abgesichert werden, weil einzelne Anbieter sie nicht ohne Weiteres an Kundschaft weitergeben können. Auffanglösungen wie Subventionen, temporärer Gewerbediesel oder regulatorische Eingriffe gegen ungleichen Wettbewerb stehen im Raum, erfordern aber politische Entscheide auf Kantonaler oder Bundesebene.
Ausblick und Bedeutung für Zürich
Die Lage der Taxibranche ist ein Indikator für die Spannungen im urbanen Mobilitätsmarkt: Steigende Betriebskosten treffen auf digital getriebene Preissenkungen. Für die Stadt Zürich sind dabei zwei Aspekte wichtig: die Grundversorgung mit Mobilität auch ausserhalb von ÖV‑Spitzenzeiten und der Erhalt eines fairen Wettbewerbsumfelds. Ohne politische Reaktion droht ein Rückgang des traditionellen Taxiangebots, was besonders für ältere und mobilitätseingeschränkte Personen nachteilig wäre.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Verband, Stadt und Kanton auf die aktuelle Notlage reagieren oder ob sich die Branche weiter an die neue Realität anpassen muss. Für viele Chauffeure geht es kurzfristig um das tägliche Überleben.