In Europa sind seit Beginn der Saison 1ʼ086 lokal erworbene Infektionen mit dem West‑Nil‑Virus registriert worden. Das geht aus einer Mitteilung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervor. Betroffen sind mittlerweile 15 Länder und 144 Gebiete, wobei Italien und Griechenland die meisten Fälle melden.
Aktuelle Lage und regionale Verteilung
Gemäss den neuesten ECDC-Daten entfallen die grösste Zahl an Fällen auf:
- Italien: 516 Fälle
- Griechenland: 284 Fälle (davon 11 mit unklarer Herkunft)
- Spanien: 88 Fälle
- Deutschland: 2 Fälle (Stand 3. September)
Insgesamt sind 144 Gebiete in Europa betroffen; davon liegen 62 Gebiete in Italien. Das ECDC weist allerdings darauf hin, dass die Zahlen kein vollständiges Bild des Übertragungsgeschehens darstellen, da Melde- und Surveillance-Praktiken zwischen den Ländern variieren.
«Das Virus wird durch Mücken übertragen.»
Übertragung, Krankheitsverlauf und Risiko
Das West‑Nil‑Virus wird primär durch stechende Mücken übertragen, die das Virus zwischen wildlebenden Vögeln zirkulieren lassen und gelegentlich auf Menschen überspringen. Gemäss Angaben des Robert‑Koch‑Instituts (RKI) entwickelt etwa 20 Prozent der Infizierten eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Schwere Verläufe sind selten: Ungefähr 1 von 100 Infektionen führt zu schweren neurologischen Komplikationen.
Situation in der Schweiz
Auch in der Schweiz wurde bereits lokale Übertragung festgestellt: Im Jahr 2025 bestätigten Behörden den ersten inländisch durch Mücken übertragenen Fall von West‑Nil‑Fieber beim Menschen. Bereits 2022 waren das Virus bei einheimischen Mücken nachgewiesen worden. Die jüngste Zunahme der Fälle in Europa erhöht das Risiko für weitere lokale Einschleppungen und Übertragungen, weshalb die nationale Surveillance und kantonale Meldesysteme wichtig bleiben.
Folgen für Gesundheitswesen und Bevölkerung
Die aktuellen Entwicklungen haben mehrere Konsequenzen für Behörden, Gesundheitsfachleute und die Bevölkerung:
- Überwachung: Labors und Spitäler müssen bei kompatiblen Krankheitsbildern an West‑Nil‑Infektionen denken und Fälle melden, damit die epidemiologische Lage genauer beurteilt werden kann.
- Schutz vor Mückenstichen: Besonders zu beachten sind Schutzmassnahmen gegen Mücken, etwa Repellentien, geeignete Kleidung und das Vermeiden von Aufenthalten im Freien zu Spitzenzeiten der Mückenaktivität.
- Blut- und Transfusionssicherheit: Eine verstärkte Aufmerksamkeit bei der Blutspende und Screening-Massnahmen kann nötig sein, wenn lokale Übertragungen zunehmen.
Das ECDC betont, dass die Situation dynamisch ist: Die Zahl der gemeldeten Fälle stieg in den vergangenen Wochen deutlich an – Anfang August waren erst 241 Fälle in sieben Ländern bekannt. Seither hat sich das Ausbreitungsbild ausgeweitet, sowohl hinsichtlich der betroffenen Länder als auch der betroffenen Gebiete.
Was zu beachten ist
Für die breite Bevölkerung gilt: Ruhe bewahren, aber wachsam bleiben. Die Mehrheit der Infektionen verläuft mild oder asymptomatisch. Risikogruppen für schwere Verläufe sind ältere Personen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Kantone und das BAG werden die Lage weiter beobachten und gegebenenfalls Empfehlungen anpassen.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Gemeldete lokale Fälle in Europa | 1ʼ086 |
| Anzahl betroffener Länder | 15 |
| Prozentualer Anteil mit grippeähnlicher Erkrankung | 20% |
| Schwere Verläufe (ungefähr) | 1 von 100 |
Die Behörden raten, lokale Mitteilungen und Reisehinweise zu beachten. Bei Fieber, neu auftretenden Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder neurologischen Symptomen nach einem Mückenstich sollte medizinischer Rat eingeholt werden.