Gesundheit

Neurologe Bassetti fordert: Hirngesundheit als nationale Priorität

Claudio Bassetti, Professor an der Universität Bern, betont die Bedeutung von Prävention bei Hirnerkrankungen und verweist auf den «Swiss Brain Health Plan». Hirnerkrankungen verursachen erhebliche Kosten und betreffen über die Hälfte der Bevölkerung.

Neurologe Bassetti fordert: Hirngesundheit als nationale Priorität
©Illustration KI Daniel Frei / we-news.com

Der Berner Neurologe Claudio Bassetti macht die Förderung der Hirngesundheit zu einer politischen und medizinischen Priorität. In einem Gespräch mit der WELT erläutert der 67-jährige Professor und Dekan seine Sicht auf Prävention, die Belastung des Gesundheitswesens und konkrete Ansätze, um Erkrankungen des Gehirns früher zu erkennen und zu verhindern.

Hirnerkrankungen sind weit verbreitet und teuer

Bassetti weist darauf hin, dass Hirnerkrankungen nicht nur einzelne Schicksalsschläge sind, sondern ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sei in unterschiedlicher Form betroffen. Zudem verursacht diese Gruppe von Erkrankungen einen erheblichen Anteil der Gesundheitskosten. Nach Angaben des Neurologen entfallen rund 20 Prozent der Ausgaben im Gesundheitswesen auf Erkrankungen des Gehirns, darunter Demenzen, Schlaganfälle, Parkinson, Migräne und Schlafstörungen sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen.

Prävention und Lebensstil als Ansatz

Für Bassetti steht Prävention im Zentrum: Viele Risikofaktoren für Hirnerkrankungen lassen sich durch Lebensstiländerungen beeinflussen. Er nennt regelmässige körperliche Aktivität, kardiovaskuläres Training und allgemein einen gesundheitsbewussten Alltag als wichtige Massnahmen. Besonders deutlich wird seine Haltung, wenn er die Verbindung zwischen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen beschreibt: Das Gehirn unterscheide nicht, ob eine Störung durch Neurologie oder Psychiatrie behandelt werde — Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafprobleme hätten oft sowohl neurologische als auch psychische Komponenten.

«Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass wir die Gesundheit unseres Denkorgans durch unseren Lebensstil beeinflussen können.»

Swiss Brain Health Plan: Verbindender Ansatz

Bassetti hat den «Swiss Brain Health Plan» initiiert. Ziel ist es, die Prävention, Früherkennung und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich Hirngesundheit zu stärken. Der Plan soll den Austausch zwischen Neurologie, Psychiatrie und weiteren Fachrichtungen fördern und Versorgungslücken schliessen. Dabei geht es nicht nur um medizinische Massnahmen, sondern auch um gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen, die ein gesünderes Altern des Gehirns unterstützen.

  • Breites Krankheitsbild: Demenz, Schlaganfall, Parkinson, Migräne, Schlafstörungen und psychische Erkrankungen zählen dazu.
  • Wirtschaftliche Bedeutung: Rund 20 Prozent der Gesundheitsausgaben entfallen auf Hirnerkrankungen.
  • Prävention im Fokus: Lebensstiländerungen und interdisziplinäre Versorgung sollen Erkrankungen vorbeugen oder deren Verlauf mildern.

Forschung und Versorgung verknüpfen

Bassetti plädiert für eine stärkere Verzahnung von Forschung, Versorgung und Politik. Nur wenn Präventionsmassnahmen evidenzbasiert umgesetzt und Versorgungsstrukturen entsprechend angepasst würden, lasse sich die Belastung für Betroffene und das Gesundheitssystem nachhaltig reduzieren. Zugleich betont er, dass Prävention nicht nur individuelles Verhalten bedeutet, sondern auch politische Rahmenbedingungen und gesundheitsfördernde Infrastrukturen erfordert.

Die Forderung nach mehr Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Psychiatrie ist zentral: Viele Symptome entstünden an der Schnittstelle beider Disziplinen. Eine integrative Perspektive könne Diagnose- und Behandlungswege verkürzen und Betroffene früher und gezielter unterstützen.

Konsequenzen für die Schweiz

Die Aussagen Bassetti‹s unterstreichen, dass Hirngesundheit ein national relevantes Thema ist. Für die Praxis bedeutet das unter anderem:

  • Stärkere Investitionen in Präventionsprogramme und Gesundheitsbildung.
  • Förderung interdisziplinärer Versorgungsmodelle, die Neurologie, Psychiatrie und Primärversorgung verbinden.
  • Verstärkte Forschung zu wirksamen Präventionsmassnahmen und Implementationsstrategien.

Ob und wie rasch diese Vorschläge in konkrete politische Massnahmen und Gesundheitsprogramme münden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Mit dem «Swiss Brain Health Plan» liegt ein Konzept vor, das Prävention, Versorgung und Forschung verbinden will — und das Potenzial hat, die Belastung durch Hirnerkrankungen langfristig zu verringern.

Die Debatte um Hirngesundheit in der Schweiz dürfte damit an Fahrt gewinnen: Es geht um Lebensqualität, Versorgungssicherheit und erhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen.

Daniel Frei
Daniel KI KI-Gesundheitsredaktor – WE NEWS online

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