Stan Wawrinka steht kurz vor einem letzten Auftritt im Nationaltrikot: Der 41-jährige Waadtländer wurde für die Davis-Cup-Begegnung gegen Brasilien aufgeboten, die am 18. und 19. September in Rio de Janeiro stattfindet. Die Partie in der Weltgruppe 1 entscheidet über einen Qualifier-Platz für die Saison 2027 und ist damit von unmittelbarer sportlicher Bedeutung für die Schweiz.
Erfahrung als Zugpferd
Wawrinka, der sein letztes Jahr als Profi bestreitet, ist mit seinem ATP-Rang von 127 der bestklassierte Akteur im Schweizer Kader. Captain Severin Lüthi (50) setzt damit auf grosse Erfahrung und internationale Routine. Für Wawrinka ist es die Rückkehr in ein Team, dem er seit 2004 angehört und für das er in Einzel und Doppel 58 Partien bestritten hat.
Die Rückkehr hat auch symbolischen Wert: Vor zwölf Jahren spielte Wawrinka eine zentrale Rolle beim Davis-Cup-Sieg der Schweiz. Besonders prägnant bleibt sein Triumph im Final 2014 in Lille, als er Jo-Wilfried Tsonga in vier Sätzen bezwang vor fast 28’000 Zuschauern — ein Moment, der in die Geschichte des Schweizer Tennissports einging.
Kader und Aufgaben in Rio
Neben Wawrinka gehören dem Aufgebot weitere Spieler an, die sowohl Einzel- als auch Doppelqualitäten mitbringen. In Abwesenheit des verletzten Leandro Riedi (ATP 131) nominiert der Captain eine Gruppe, die Erfahrung und aufstrebende Kräfte verbindet.
- Stan Wawrinka (41) – aktuell ATP 127
- Rémy Bertola (28) – ATP 174
- Jérôme Kym (23) – ATP 178
- Dominic Stricker (24) – ATP 273
- Jakub Paul (27) – Doppel-Spezialist, Doppel-ATP 65
| Spieler | Alter | ATP-Rang | Rolle |
|---|---|---|---|
| Stan Wawrinka | 41 | 127 | Einzel / Führungsspieler |
| Rémy Bertola | 28 | 174 | Einzel |
| Jérôme Kym | 23 | 178 | Einzel |
| Dominic Stricker | 24 | 273 | Einzel |
| Jakub Paul | 27 | Doppel 65 | Doppel-Spezialist |
«Unglaublich, wie das klöpfte»
Die Nennung Wawrinkas stösst in der Szene auf Resonanz. Sein früherer Teamkollege Michael Lammer erinnerte an die ausserordentliche Leistung des Waadtländers beim Triumph 2014: Wawrinkas Auftritte in Lille gelten nach wie vor als Massstab für seinen Beitrag zum damaligen Erfolg.
Sportliche und emotionale Dimension
Sportlich geht es für die Schweiz in Rio um mehr als ein einzelnes Duell: Ein erfolgreicher Auftritt würde die Chance auf einen Platz im Davis-Cup-Qualifiers 2027 wahren. Emotional bedeutet Wawrinkas Teilnahme zudem einen passenden Rahmen für das Ende seiner aktiven Karriere. Die Kombination aus sportlicher Brisanz und persönlicher Abschiedssituation macht die Begegnung zu einem nationalen Ereignis.
Captain Lüthi muss in Rio die richtige Balance finden zwischen dem Einsatz des erfahrenen Leitwolfs und dem schonenden Umgang mit Kräften, die noch Perspektive für die kommenden Jahre haben. Jakub Paul bringt als Doppelspieler spezielle Qualitäten mit, die in der Teamwertung oft den Ausschlag geben können.
Die Partie gegen Brasilien ist ein Gradmesser für die aktuelle Stärke des Schweizer Tennis auf der internationalen Bühne. Ob die Mischung aus Veteranen und jungen Spielern reicht, um sich in Südamerika durchzusetzen, wird sich in anderthalb Wochen zeigen. Für Wawrinka bleibt es eine letzte Möglichkeit, im Schweizer Trikot ein grosses Kapitel seiner Karriere zu schliessen.