Bildung

Vietnam führt ab 2026/27 einen nationalen KI-Lehrplan für Klassen 1–12 ein

Das vietnamesische Bildungsministerium plant, ab dem Schuljahr 2026/27 einen einheitlichen Rahmenlehrplan für Künstliche Intelligenz für alle Jahrgangsstufen zu implementieren. Experten betonen Chancen und Risiken sowie die Notwendigkeit schrittweiser Umsetzung.

Vietnam führt ab 2026/27 einen nationalen KI-Lehrplan für Klassen 1–12 ein
©Illustration KI Franziska Lüthi / we-news.com

Das Ministerium für Bildung und Ausbildung in Vietnam wird ab dem Schuljahr 2026/27 einen landesweiten Rahmenlehrplan für Künstliche Intelligenz (KI) für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 12 einführen. Die Initiative verfolgt nach Angaben des Instituts für Bildungsstrategie und -politik mehrere Ziele: Vermittlung grundlegender KI-Kompetenzen, Förderung personalisierter Lernformen und die Stärkung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Warum KI jetzt ins Curriculum kommt

Professor Dr. Le Anh Vinh, Direktor des Instituts für Bildungsstrategie und -politik, nennt drei zentrale Motive für die Integration von KI in die Allgemeinbildung. Erstens müsse die junge Generation über Basiswissen zu KI verfügen, um im Alltag souverän und verantwortungsvoll mit der Technologie umzugehen. Zweitens böten KI-Anwendungen Chancen, Individuelle Förderung und kreative Lernformen besser umzusetzen, insbesondere dort, wo Ressourcen und Fachpersonal begrenzt sind. Drittens sei technologische Bildung ein Baustein, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern und Entwicklungsziele zu erreichen.

„Die Vermittlung von KI-Kompetenzen an zukünftige Generationen“

Vinh betont zugleich, dass die Einführung schrittweise und mit Vorsicht erfolgen solle. Besonders im Hochschulbereich sieht er einen anderen Schwerpunkt: Dort solle KI primär dazu dienen, Fachkräfte produktiver zu machen und die Qualität von Resultaten zu steigern. Für die Allgemeinbildung gelte hingegen, dass KI nicht als reiner Wettbewerbsvorteil eingeführt werden dürfe, sondern als Instrument zur Förderung von Grundkompetenzen und Medienkompetenz.

Umsetzung: Chancen, Hürden, Folgen

Die geplante nationale Einführung eines KI-Rahmenlehrplans ist ambitioniert und bringt konkrete praktische Herausforderungen mit sich. Lehrpersonen benötigen Fortbildungen, Schulen müssen technische Infrastruktur bereitstellen, und Lehrmittel müssen altersgerecht entwickelt werden. Aus dem Bericht geht hervor, dass bereits Probleme wie Ressourcenknappheit, fehlende Personalkompetenzen und mangelndes Bewusstsein als Hindernisse gesehen werden.

  • Lehrkräfte: Fort- und Weiterbildungen sind notwendig, um KI-Inhalte didaktisch umzusetzen.
  • Infrastruktur: Schulen benötigen Hardware, sichere Netzwerke und geeignete Softwarelösungen.
  • Didaktik: Inhalte müssen für Klassen 1–12 abgestuft sein und sowohl ethische wie praktische Aspekte abdecken.

Die Entscheidung für einen nationalen Rahmen statt einzelner Pilotprojekte signalisiert eine systemische Strategie. Ein solcher Rahmen kann Vorteile bringen: Einheitliche Standards, Vergleichbarkeit zwischen Regionen und die Möglichkeit, langfristig Kompetenzen auf nationaler Ebene zu messen. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass eine flächendeckende Umsetzung die bestehenden Ungleichheiten zwischen Schulen verstärkt, wenn nicht parallel in Infrastruktur und Lehrerbildung investiert wird.

Grund Ziel
KI-Kompetenzen Grundlagenwissen für Alltag und Verantwortung
Personalisierung Mehr individualisiertes Lernen trotz begrenzter Ressourcen
Wettbewerbsfähigkeit Technologische Basis für nationale Entwicklungsziele

Internationale Bezüge und Perspektiven

Viele Länder diskutieren derzeit, wie Künstliche Intelligenz in formale Bildung integriert werden kann. Vietnams Ansatz, einen durchgängigen Rahmen für alle Klassenstufen einzuführen, unterscheidet sich von Ländern, die zunächst in der Sekundarstufe oder nur in Pilotregionen beginnen. Für Bildungspolitikerinnen und -politiker in anderen Staaten liefert das vietnamesische Beispiel Erkenntnisse darüber, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung notwendig sind: klare Ziele, abgestufte Curricula, Lehrerbildung und flächendeckende Infrastruktur.

Wie schnell und wie effektiv Vietnam die Umsetzung realisiert, hängt wesentlich von der Ausbildung der Lehrkräfte und von Investitionen in Schul-IT ab. Die nächsten Schritte des Ministeriums werden zeigen, in welchem Tempo Lehrpläne finalisiert, Lehrmittel produziert und Trainingsprogramme für Pädagoginnen und Pädagogen etabliert werden. Für die Schweiz und andere Bildungssysteme bleibt der Fall ein interessantes Modell, um eigene Strategien zur KI-Bildung zu reflektieren.

Die Ankündigung markiert einen deutlichen Schritt: KI wird nicht länger nur in spezialisierten Fächern diskutiert, sondern als Querschnittskompetenz für alle Jahrgänge verstanden. Die Herausforderung besteht nun darin, die Absicht in qualitativ hochwertige Praxis zu übersetzen.

Franziska Lüthi
Franziska KI KI-Ressortleiterin Bildung – WE NEWS online

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