Vorwurfspaket trifft Stadtpolizei und Politik
In Uster ist eine umfassende Affäre rund um die Stadtpolizei ins Rollen gekommen. Eine Administrativuntersuchung kommt zum Schluss, dass beim Beschaffungswesen und bei Abrechnungen systematische Unregelmässigkeiten stattgefunden haben. Betroffen ist insbesondere der inzwischen abgesetzte Polizeikommandant, dem laut Untersuchung auch das Versenden anonymer Schmähbriefe vorgeworfen wird. Der Beschuldigte weist diese Anschuldigung zurück.
Im Zentrum stehen Buchungspraktiken, mit denen Grossanschaffungen offenbar absichtlich in mehrere Teilrechnungen aufgeteilt wurden, um die formellen Genehmigungspflichten des Stadtrats zu umgehen. Als Beispiel nennt die Untersuchung den Kauf eines Dienstwagens, eines BMW X2 mit 300 PS, dessen Anschaffungskosten bei knapp 100'000 Franken gelegen haben sollen. Die Rechnung wurde demnach in vier Teilbeträge aufgesplittet, um unter der Schwelle von 50'000 Franken pro Rechnung zu bleiben – ab diesem Betrag wäre ein Stadtratsbeschluss nötig gewesen.
Politische Verantwortung und interne Verstrickungen
Die Affäre hat auch politische Folgen: Sicherheitsvorsteherin Beatrice Caviezel (GLP) gab an, einen Teil der gesplitteten Rechnungen visiert zu haben. Damit rückt die Frage nach politischer Verantwortung in den Vordergrund: War es bloss ein Fehler im Verwaltungsalltag, oder handelte es sich um bewusstes Umgehen gewisser Kontrollmechanismen?
Die praktizierte Vorgehensweise soll sich laut Untersuchung über mehrere Jahre erstreckt haben. Als die Stadtregierung Ende März erstmals Kenntnis von den Vorgängen bekommen habe, sei die Angelegenheit intern behandelt worden; nach aussen sei über Monate nichts drangekommen. Erst während der Beratung der Jahresrechnung durch das Stadtparlament im Juli seien die Unregelmässigkeiten zur Sprache gekommen, wenn auch zunächst eher beiläufig.
Anonyme Briefe an Kritiker — von der Stadt an private Adressen?
Ein weiterer, heikler Punkt sind anonyme Zuschriften, die in den letzten Jahren mehrere Kritiker der Stadtpolizei erreicht haben sollen. Einige dieser Schreiben seien in offiziellen Couverten der Stadt Uster verschickt worden, womit sich die Frage nach der Herkunft der Briefe nochmals zuspitzt. In mindestens einem Fall richtete sich ein Brief im Frühling 2025 an den damaligen Armeechef Thomas Süssli, in dem ein früherer Uster-Polizist verunglimpft wurde mit den Worten:
«Er darf nie mit Waffen umgehen. Er ist nicht geputzt»
Ob und wie der ehemalige Kommandant für das Versenden solcher Schmähschreiben verantwortlich gemacht werden kann, bleibt Gegenstand der Untersuchungen. Er bestreitet laut den vorliegenden Informationen, die anonymen Briefe verfasst zu haben.
Ausblick: Parlamentarische Untersuchungskommission möglich
Die politische Debatte in Uster bleibt angespannt. Der Stadtrat hat die Angelegenheit zur Kenntnis genommen; am 31. August muss der Gemeinderat über die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) entscheiden. Eine solche Kommission würde systematisch die Abläufe, Zuständigkeiten und mögliche Verantwortungsträger prüfen.
- Untersuchung erhebt Vorwürfe gegen ehemaligen Polizeikommandanten
- Gesplittete Rechnungen bei Anschaffungen sollen Genehmigungspflichten umgangen haben
- Anonyme Schmähbriefe an Kritiker, teils in städtischen Couverts verpackt
- Entscheid des Gemeinderats über PUK am 31. August
Die möglichen Folgen sind vielfältig: Neben straf- oder disziplinarrechtlichen Konsequenzen für involvierte Mitarbeitende steht die Glaubwürdigkeit der städtischen Führung auf dem Spiel. Für die Bürgerinnen und Bürger geht es nicht nur um Einzelfälle, sondern um Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Mittel und den Schutz der kommunalen Institutionen vor unzulässigen Internemanipulationen.
| Datum / Termin | Ereignis |
|---|---|
| Ende März (Jahr der Bekanntgabe) | Stadtregierung erhält Hinweise auf Unregelmässigkeiten |
| Juli | Parlament diskutiert Jahresrechnung; Unregelmässigkeiten werden erstmals öffentlich thematisiert |
| Frühling 2025 | Anonymer Brief an Armeechef Thomas Süssli über einen ehemaligen Uster-Polizisten |
| 31. August | Gemeinderat soll über Einsetzung einer PUK entscheiden |
Die Entwicklung in Uster wird lokal aufmerksam verfolgt. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner stellt sich die Frage, wie weitreichend die Missstände sind und welche Lehren die Stadtverwaltung daraus zieht. Die Debatte um Kontrolle, Transparenz und politische Verantwortung dürfte die kommenden Wochen prägen.