Prävention müsse im Sport nicht als Zusatz, sondern als integraler Teil des Trainings verstanden werden, sagt Dr. med. Viviane Centmaier-Molnar. Die Orthopädin, die lange als Teamärztin im Fussball tätig war und heute in der Orthopädie Belair in Schaffhausen praktiziert, betont die Wirksamkeit strukturierter Warm-up- und neuromuskulärer Trainingsprogramme.
Prävention als Trainingsbestandteil
Centmaier-Molnar erklärt, viele Sportverletzungen liessen sich nicht vollständig vermeiden, das Risiko lasse sich jedoch deutlich senken. Entscheidend seien regelmässige, strukturierte Massnahmen, die Kraft, Gleichgewicht, Koordination sowie Sprung- und Landetechniken kombinieren. Solche Übungen müssten Teil des alltäglichen Trainings werden, nicht bloss punktuell erfolgen.
«Viele Sportverletzungen lassen sich zwar nicht vollständig verhindern, das Risiko kann aber deutlich reduziert werden.»
Als Beispiel nennt sie das Programm «FIFA 11+», das speziell für Fussballerinnen und Fussballer entwickelt wurde. Studien und Felderfahrungen zeigen demnach, dass konsequent durchgeführte Programme dieser Art die Häufigkeit von Verletzungen reduzieren können.
Erfahrungswerte aus dem Spitzensport
Aus ihrer langjährigen Tätigkeit im Leistungssport zieht Centmaier-Molnar klare Schlüsse: Während grössere, akute Verletzungen insbesondere im Profisport vorkommen, sind Verschleisserscheinungen weit verbreitet. Sie schätzt, dass rund 80 Prozent der auf nationaler und internationaler Ebene spielenden Fussballenden frühzeitig an Gelenkproblemen leiden.
Centmaier-Molnar arbeitete während mehr als einem Jahrzehnt als Teamärztin, unter anderem beim Grasshopper Club Zürich und mit der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft. Die gesammelte Erfahrung aus dem Spitzenbereich fliessen heute in die Patientenbetreuung in der Praxis ein.
Von der Teammedizin in die Praxis: Orthopädie Belair
- Die Orthopädie Belair wurde im September 2021 gegründet.
- Centmaier-Molnar arbeitet dort zusammen mit Dr. med. Alexa Schmied-Steinbach, mit der sie über zwölf Jahre in der Kadermedizin tätig war.
- Vorherige Stationen schlossen Tätigkeiten am Kantonspital Winterthur ein.
Die Praxis richtet sich nicht nur an Spitzensportlerinnen und -sportler, sondern auch an Breitenathletinnen und -athleten. Centmaier-Molnar betont, dass die Prävention desselben Prinzips folge: Regelmässige, einfache Übungen und eine enge Arzt-Patienten-Beziehung verbessern die Aussichten auf langfristige Gesundheit der Gelenke.
Konsequenzen für Breiten- und Spitzensport
Die Empfehlungen lassen sich konkret umsetzen:
- Integration strukturierter Aufwärm- und neuromuskulärer Einheiten in das tägliche Training;
- Spezifische Programme wie «FIFA 11+» konsequent anwenden;
- Frühe Abklärung bei ersten Symptomen von Verschleiss oder Schmerzen, um degenerative Entwicklungen zu verlangsamen.
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Warm-up | Strukturiert, mit Kraft und Koordination |
| Neuromuskuläres Training | Regelmässig, in Trainingsplan integriert |
| Verschleiss | Frühe Abklärung, langfristige Betreuung |
Centmaier-Molnar warnt davor, Prävention als lästige Zusatzaufgabe zu sehen. Vielmehr handle es sich um Investitionen in das «Körper-Kapital» jedes Sporttreibenden, die sich insbesondere im langfristigen Erhalt der Leistungsfähigkeit auszahlen. In der Praxis zeige sich zudem, dass ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Ärztin und Patient oftmals den Unterschied mache, wenn es um das Einhalten von Präventionsmassnahmen und um die Begleitung bei wiederholten Beschwerden geht.
Für die nationale Gesundheitsdiskussion ist die Botschaft klar: Prävention im Sport ist wirksam, praktikabel und sollte sowohl im Breiten- als auch im Spitzensport fest verankert werden. Medizinisches Personal, Trainerinnen und Trainer sowie Vereine sind gefordert, entsprechende Programme routinemässig umzusetzen und zu begleiten.