Während der diesjährigen Hochjagd im Kanton Wallis sind deutlich mehr Gämsen und Rothirsche erlegt worden als im Vorjahr. Die kantonale Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere macht in ihrer Bilanz für die Hochjagdsaison 2026 auf diese Entwicklung aufmerksam. Gleichzeitig wurde das Abschussziel bei den Hirschen nicht erreicht; eine Nachjagd ist derzeit nicht angemeldet.
Steigende Abschusszahlen trotz schärferer Regeln
Die Zahl der erlegten Gämsen und Rothirsche ist laut Bilanz markant höher als in der Vorsaison. Konkrete Zahlen nennt die veröffentlichte Zusammenfassung nicht, wohl aber die klare Tendenz: Die Jagd auf diese Wildtierarten hat in diesem Jahr zugenommen. Dies geschieht vor dem Hintergrund verschärfter Regeln für Jäger, die der Kanton in den vergangenen Jahren erlassen hat, um Bestände und Lebensraum sensibler zu regeln.
Die Gründe für die Zunahme lassen sich nicht allein aus der Bilanz ablesen. Mögliche Erklärungen reichen von veränderten Bestandsentwicklungen über grössere Jagdaktivitäten bis zu besseren Meldepraktiken. Ebenfalls denkbar sind regionale Unterschiede innerhalb des Kantons, die in einer Gesamtbilanz kaum zu erkennen sind.
Abschussziel bei Hirschen verfehlt – keine Nachjagd
Beim Rothirsch jedoch fand sich eine gegensätzliche Entwicklung: Das vorgesehene Abschussziel wurde nicht erreicht. Die Dienststelle weist darauf hin, dass eine Nachjagd nicht stattfindet, weil sie «nicht angemeldet» sei. Das bedeutet, dass die noch verbleibende Regulation des Bestandes in dieser Saison nicht ergänzt wird.
Das Ausbleiben einer Nachjagd hat mehrere Konsequenzen: Einerseits kann ein zu hoher Hirschenbestand die Vegetation in Wald und Alp geschädigen und so Waldverjüngung und Schutzwaldfunktionen beeinträchtigen. Andererseits entlastet ein tieferer Abschuss kurzfristig die Jagdgemeinschaften. Welche längerfristigen Auswirkungen dieser Entscheid hat, bleibt zu beobachten.
- Gämsen und Rothirsche: Abschusszahlen gestiegen im Vergleich zum Vorjahr.
- Rothirsche: Vorgesehenes Abschussziel nicht erreicht; keine angemeldete Nachjagd.
- Behörde: Bilanz stammt von der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere des Kantons Wallis.
Was die Zahlen für Berglandwirtschaft und Wald bedeuten
Insbesondere in einem bergprägten Kanton wie dem Wallis beeinflussen Wildbestände die Weidewirtschaft, Alpwirtschaft und den Waldschutz. Hohe Rupf- und Verbissschäden durch Hirsche und Gämsen können Jungbäume schädigen und die Aufforstung erschweren. Für Bergbauern sind verstärkte Verbissschäden ein wirtschaftliches Problem, weil sie zu Jungviehverlusten auf der Alp und zu erhöhten Kosten für Schutzmassnahmen führen können.
Die Jagdbehörden stehen deshalb vor einem Balanceakt: Sie müssen den Schutzwald und die Landnutzung sichern, gleichzeitig die Erhaltung einer artenreichen Fauna im Blick behalten. Die Bilanz 2026 liefert den Ausgangspunkt für Diskussionen mit Jägern, Förstern und Landwirtschaftsvertretern über künftige Abschusspläne und Schutzmassnahmen.
Rolle der Dienststelle und Ausblick
Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere koordiniert das Monitoring und die Reglementierung. Ihre jährlichen Bilanzen dienen als Entscheidungsgrundlage für Abschusspläne, Schonzeiten und allfällige Interventionsmassnahmen. Die jetzt publizierte Bilanz wird in den kommenden Wochen sicherlich Gegenstand von Fachgesprächen sein.
Offen bleibt, ob die Trendaussagen in regional differenzierten Statistiken bestätigt werden können und ob in einzelnen Revieren Nachkorrekturen nötig werden. Die Behörde könnte, falls Schädigungen oder Konflikte zunehmen, Anpassungen in den Abschussplänen, stärkere Kontrollen oder gezielte Schutzmassnahmen für besonders betroffene Gebiete in Erwägung ziehen.
| Aspekt | Stand 2026 |
|---|---|
| Gämsen | Abschuss gestiegen |
| Rothirsche | Abschuss gestiegen; Abschussziel verfehlt |
| Nachjagd | Keine angemeldet |
Die Veröffentlichung der Hochjagd-Bilanz markiert den Beginn der saisonalen Auswertung. Voraussichtlich werden in den kommenden Monaten detailliertere Zahlen und regionale Aufschlüsselungen folgen. Betroffene Landwirte, Jagdvereine und Forststellen werden die Daten nutzen, um ihre Strategien für die kommende Saison zu justieren.
Für die Bevölkerung bleibt wichtig: Jagd und Wildtiermanagement sind eng verknüpft mit Schutzwald, Tourismus- und Freizeitnutzung in den Bergen. Transparente Zahlen und ein offener Dialog zwischen Behörden, Jägerschaft und Gemeinden sind notwendig, um Interessenkonflikte zu minimieren und die vielfältigen Funktionen des Alpenraums zu bewahren.