Verkehr Meyrin Genf (GE)

Masterplan für das Flughafenareal: Meyrin im Zentrum der «Urban Airport»-Strategie

Ein Masterplan von KCAP sieht das Flughafenareal zwischen Meyrin, Vernier und Genf als integralen Stadtteil vor. Der Entwurf für 180 Hektaren betont Vielfalt, Mobilität und neue Quartiere statt Tabula rasa.

Masterplan für das Flughafenareal: Meyrin im Zentrum der «Urban Airport»-Strategie
©Illustration KI Nicolas Chappuis / we-news.com

Flughafen als Stadtteil: neue Perspektive für Meyrin

Die Gegend zwischen Genf, Meyrin und Vernier könnte sich künftig deutlich verändern. Das Zürcher Büro KCAP hat im Auftrag des Etat de Genève einen Masterplan für das Flughafenareal ausgearbeitet, der den bestehenden Flughafen nicht mehr als Grenze, sondern als integralen Bestandteil der Stadt versteht. Die Studie für das rund 180 Hektaren grosse Vorzonen-Areal (Projektstatus: Design, 2012–2014) schlägt ein neues Stadtmodell vor: den sogenannten „Urban Airport“.

Statt eines radikalen Neubeginns – einer Tabula rasa – betont KCAP die vorhandene Vielfalt vor Ort und versteht sie als Ausgangspunkt für die Entwicklung zusammenhängender Quartiere. Aus der heutigen Fragmentierung soll ein kohärentes Geflecht entstehen, in dem Landschaft, Städtebau und Mobilität als Triebfedern wirken.

„Die Idee des ‚Urban Airport‘ verschiebt die Stadtentwicklung hin zu einem Modell, in dem der Flughafen als Bestandteil der Stadt verstanden wird.“

Konzepte und Partner

Der Masterplan definiert Richtung, Standortwahl und Eingriffstypen. KCAP fungierte als Stadtplaner und Supervisor; beteiligt waren das Landschaftsarchitekturbüro Studio Vulkan sowie das Ingenieurbüro Ernst Basler + Partner für Mobilität. Als Bauherr tritt der Etat de Genève auf.

  • Flächenausdehnung: 180 Hektaren Vorzone
  • Zeithorizont / Status: Design-Phase, 2012–2014
  • Kernthemen: Städtebau, Landschaft, Mobilität, Quartierdiversität

Was bedeutet der Plan für Meyrin?

Für Meyrin bietet das Konzept Chancen und Herausforderungen zugleich. Als Nachbargemeinde liegt Meyrin an der Nahtstelle zwischen Flughafeninfrastruktur und städtischem Wohn‑ und Wirtschaftsraum. Das Konzept, den Flughafen als Entwicklungsachse zu begreifen, könnte die lokale Identität und die Siedlungsdynamik verändern: Mehr Durchmischung von Funktionen, neue Quartiere mit verschiedenen Charakteren und eine stärkere Vernetzung mittels öffentlicher und individueller Mobilität.

Der Masterplan setzt auf eine Differenzierung der Quartiere – nicht einheitliche Monostrukturen. Das heisst konkret: Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen und Erschliessung sollen in wechselnden Dichten und Typologien auftreten. Visuelle Elemente der Studie (u. a. Avenue Casai, Station, Park / Garden) zeigen, wie verschiedene Räume verknüpft werden könnten und wo Permeabilität für Fussgänger, Velo und ÖV entstehen muss.

Mobilität als Schlüssel

Mobilität ist im Masterplan ein zentrales Steuerungsinstrument. Neben städtebaulichen Eingriffen postuliert die Studie, dass die Art und Qualität der Verkehrserschliessung die künftige Gestalt der Quartiere bestimmt. Stationen und Achsen – als räumliche und funktionale Knoten – sollen das Gebiet mit dem Stadtgebiet von Meyrin und dem Genfer Zentrum verbinden. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Kanton, Gemeinden und Verkehrsplanern notwendig, damit Perrons, Buslinien, Velowege und Autoerschliessung im Sinn einer nachhaltigen Stadtentwicklung aufeinander abgestimmt werden.

AspektIm Masterplan
Fläche180 Hektaren
BauherrenEtat de Genève
PlanerKCAP (Supervisor), Studio Vulkan, Ernst Basler + Partner

Ausblick und lokale Konsequenzen

Der Vorschlag von KCAP liefert eine konzeptionelle Grundlage, die für Meyrin weitreichend sein kann: Wenn die Vision des «Urban Airport» umgesetzt wird, könnten neue Arbeitsplätze, Wohnformen und Erholungsräume entstehen, die Meyrins Stellung in der Agglomeration stärken. Gleichzeitig verlangt das Konzept klare politische Entscheidungen hinsichtlich Zonenplanung, Verkehrsinfrastruktur und Lärmschutz, damit die Interessen der Anwohnenden gewahrt bleiben.

Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Meyrin gilt es, diesen Entwurf aufmerksam zu verfolgen und in die Diskussion einzubringen. Die Umsetzung eines so grossen und komplexen Projekts berührt Themen wie Lebensqualität, Erreichbarkeit mit Velo und ÖV, sowie die räumliche Ausdehnung der Stadt. Entscheidend wird sein, wie die kantonalen und kommunalen Akteure die vorgeschlagene Vielfalt in konkrete, praktikable Etappen überführen.

Der Masterplan ist eine Einladung, das Verhältnis zwischen Flughafen und Stadt neu zu denken – für Meyrin eine Chance, Teil eines kohärenten, urbanen Entwicklungsfeldes zu werden statt lediglich an seiner Peripherie zu liegen.

Nicolas Chappuis
Nicolas KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Genf – WE NEWS online

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