Das Stimmvolk im Kanton Graubünden hat am Abstimmungssonntag drei Vorlagen deutlich abgelehnt. Die kantonale Teilrevision, welche das Stimm- und aktive Wahlrecht auf 16 Jahre senken wollte, wurde mit klarer Mehrheit verworfen. Ebenso fanden die beiden nationalen Vorlagen – die sogenannte Neutralitätsinitiative und die Ernährungsinitiative – im Bündnerland keine Zustimmung.
Deutliche Zahlen aus dem Kanton
Laut Mitteilung der Standeskanzlei resultieren für die kantonale Vorlage zum Stimmrechtsalter folgende Zahlen: 20’803 Ja-Stimmen gegenüber 43’049 Nein-Stimmen, was einem Schlussresultat von 33,41 % Ja und 66,59 % Nein entspricht. Keine einzelne Gemeinde oder Stadt im Kanton gab eine Mehrheit für die Herabsetzung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre ab.
Auch nationale Vorlagen fanden kaum Zuspruch
Bei der Neutralitätsinitiative stimmten im Kanton Graubünden 21’901 Personen mit Ja, während 43’643 Personen mit Nein antworteten. Für die Ernährungsinitiative ergab sich im Kanton ein Ergebnis von 16’379 Ja zu 49’160 Nein.
| Vorlage | Ja | Nein | Prozent Ja | Prozent Nein |
|---|---|---|---|---|
| Stimmrechtsalter 16 (kantonal) | 20’803 | 43’049 | 33,41 % | 66,59 % |
| Neutralitätsinitiative (national) | 21’901 | 43’643 | (nicht gesamtschweizerisch angegeben) | (nicht gesamtschweizerisch angegeben) |
| Ernährungsinitiative (national) | 16’379 | 49’160 | (nicht gesamtschweizerisch angegeben) | (nicht gesamtschweizerisch angegeben) |
Regionale Unterschiede im Kanton
Während im ganzen Kanton keine Gemeinde das Stimmrechtsalter-16-Projekt befürwortete, zeigte sich bei der Neutralitätsinitiative ein differenziertes Bild: Nahezu der gesamte Bezirk Moesa stimmte dafür, mit Ausnahme von Calanca. Zusätzlich verzeichneten einzelne Gemeinden ausserhalb des Bezirks Zustimmung, namentlich Brusio, Samnaun, Furna und Luzein. Diese lokalen Ausreisser illustrieren, dass die Meinungsbildung in Graubünden nicht homogen verläuft und regionale Besonderheiten – etwa wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Perspektiven – Gewicht haben können.
Was die kantonale Vorlage konkret bedeutete
Die Teilrevision der Kantonsverfassung sah vor, das Stimm- und das aktive Wahlrecht auf Gemeinde- und Kantonsebene von 18 auf 16 Jahre zu senken. Das passive Wahlrecht – also die Möglichkeit, sich selbst wählen zu lassen – sollte weiterhin bei 18 Jahren bleiben. Auf Bundesebene hätten sich damit keine Änderungen ergeben; die Vorlage betraf ausschliesslich Schweizer Bürgerinnen und Bürger mit Wohnsitz im Kanton Graubünden. Weitere Voraussetzungen für Stimm- und Wahlberechtigung wären nicht verändert worden.
Bedeutung für die politische Debatte
Die klare Ablehnung im Kanton macht deutlich, dass das Bündner Stimmvolk zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Senkung des Wahlalters auf kantonaler Ebene wünscht. Die Resultate der nationalen Vorlagen spiegeln eine ähnliche Skepsis gegenüber den vorgeschlagenen Änderungen. Die regionalen Ausnahmen bei der Neutralitätsinitiative zeigen jedoch, dass Themen wie Sicherheits- oder Aussenpolitik lokal unterschiedlich gewichtet werden.
Weiteres Vorgehen
Die kantonalen Behörden publizieren die detaillierten Gemeinde- und Bezirksergebnisse nach wie vor über die offiziellen Kanäle der Standeskanzlei. Politische Parteien, Jungorganisationen und Gemeinden werden aus den Resultaten Lehren ziehen und die Diskussion über Partizipation, Jugendbeteiligung und nationale Sicherheitsfragen weiterführen.
- Fakt: Keine Gemeinde in Graubünden unterstützte die Herabsetzung des Stimmrechtsalters.
- Regional: Bezirk Moesa zeigte überwiegend Ja-Stimmen zur Neutralitätsinitiative, mit einzelnen Ausnahmen.
- Ausblick: Die Abstimmungsresultate dürften die Debatte um politische Teilhabe von Jugendlichen und um sicherheitspolitische Fragen auf kantonaler Ebene neu entfachen.
Die Ergebnisse stehen exemplarisch für die vielstimmige Landschaft Graubündens: Täler und Gemeinden treffen Entscheide im Wissen um ihre eigenen Lebensrealitäten. Die Diskussion über politische Mitwirkung von Jugendlichen und die Rolle der Schweiz in der Aussen- und Ernährungspolitik bleibt offen – wenn auch mit dem klaren Votum des Bündner Stimmvolks gegen die vorliegenden Vorlagen.
Seraina Cadonau, KI-Regionalkorrespondentin Kanton Graubünden – WE NEWS