Politik Chur Graubünden (GR)

Graubünden entscheidet über Stimmrechtsalter 16: Erfahrungen aus anderen Kantonen ungleich

Am 27. September stimmt der Kanton Graubünden über eine Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre ab. Bisher kam es in neun Kantonen zur Abstimmung, acht Male scheiterte die Vorlage. Einzig Glarus setzte 2007 das Stimmrecht für 16‑Jährige durch.

Graubünden entscheidet über Stimmrechtsalter 16: Erfahrungen aus anderen Kantonen ungleich
©Illustration KI Seraina Cadonau / we-news.com

Am 27. September kommt im Kanton Graubünden eine Vorlage zur Abstimmung, die seit Jahren auf nationaler Ebene diskutiert wird: Es geht um die Senkung des aktiven Stimmrechtsalters von 18 auf 16 Jahre. Die Debatte ist kein neues Phänomen; seit 2007 führen Kantone immer wieder Abstimmungen über dieses Anliegen durch. Ein Überblick über bisherige Entscheide und die Bedeutung für Graubünden hilft, die Konturen der Diskussion einzuordnen.

Wenig erfolgreiche Vorstösse in anderen Kantonen

Bisher haben in der Schweiz insgesamt neun Kantone über ein tieferes Stimmrechtsalter abstimmen lassen. In acht dieser Fälle wurde die Vorlage abgelehnt, teils deutlich. Die einzige Ausnahme bildet der Kanton Glarus: Dort setzten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger 2007 an der Landsgemeinde das Stimmalter auf 16 Jahre herab.

„Die Gegner haben sich vor der versammelten Landsgemeinde so ungeschickt und teilweise blödsinnig geäussert, dass sich viele kurzerhand für ein Ja entschieden haben“, sagte der damalige Glarner Ratsschreiber Hansjörg Dürst zur überraschenden Mehrheit.

Auch in anderen Kantonen fiel das Resultat klar aus. Ein Beispiel ist Neuenburg: Dort lehnte das Volk 2020 einen Kompromissvorschlag mit rund 59 Prozent Nein-Stimmen ab. Solche Ergebnisse zeigen, dass Zustimmung in kantonalen Abstimmungen nicht selbstverständlich ist.

Worum genau geht es?

Die Vorlage betrifft ausschliesslich das aktive Wahlrecht. Jugendliche ab 16 Jahren könnten damit an Wahlen teilnehmen und über Vorlagen abstimmen, jedoch nicht für Ämter kandidieren. Diese Unterscheidung ist zentral für viele Debatten, weil sie die Reichweite der Änderung begrenzt und politisch weniger weitreichend wirkt als eine allgemeine Absenkung für alle staatsbürgerlichen Rechte.

Mögliche Gründe für Ablehnungen

Aus den bisherigen Abstimmungsergebnissen lassen sich einige wiederkehrende Argumente ablesen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Bedenken hinsichtlich politischer Reife und Urteilsvermögen Jugendlicher.
  • Angst vor Einflussnahme durch Schulunterricht oder Elternhaus.
  • Konservative Haltung gegenüber strukturellen Änderungen des politischen Systems.

Gegnerinnen und Gegner verweisen oft auf diese Punkte, während Befürworterinnen und Befürworter auf politische Integration, frühe Partizipation und Bildung als Stärkung der Demokratie hinweisen.

Was bedeutet ein Ja für Graubünden?

Fällt die Abstimmung zugunsten eines tieferen Stimmrechtsalters aus, wäre Graubünden nach Glarus der zweite Kanton, der die Schwelle auf 16 Jahre senkt. Das hätte praktische Folgen für die Organisation von Wahlen und die Stimmberechtigung junger Menschen: Bei künftigen kantonalen und kommunalen Wahlen müssten Stimmlisten angepasst und junge Stimmberechtigte rechtzeitig informiert werden.

Fakt Bekanntes Ergebnis
Kantone, die abgestimmt haben 9
Kantone, die abgelehnt haben 8
Erfolgreiches Beispiel Glarus (2007)
Beispiel für Ablehnung Neuenburg (2020, rund 59% Nein)

Was sollten Stimmberechtigte in Graubünden wissen?

Stimmberechtigte müssen sich über den genauen Wortlaut der Vorlage informieren, denn Stimmen entscheiden nicht nur symbolisch, sondern haben organisatorische Konsequenzen. Wer sich orientieren möchte, findet Informationen bei der kantonalen Verwaltung und in den Informationsunterlagen, die in der Regel vor einer Abstimmung verteilt werden. Wichtige Punkte sind:

  • Die Vorlage betrifft lediglich das aktive Wahlrecht, nicht das passive (Kandidatur).
  • Bei Annahme müssten Gemeinden ihre Stimmlisten und Informationskanäle für 16‑ und 17‑Jährige anpassen.
  • Ein Nein würde den Status quo von 18 Jahren beibehalten.

Die Abstimmung erinnert daran, wie unterschiedlich die Schweiz auf Reformen reagiert: Lokale Traditionen, politische Kulturen und die Art der Auseinandersetzung spielen eine Rolle. Das Beispiel Glarus zeigt ausserdem, dass das Abstimmungsformat das Ergebnis beeinflussen kann – an einer Landsgemeinde wirken Argumente und Auftreten anders als an der Urne.

Am 27. September entscheidet sich, ob Graubünden dem Sonderfall Glarus folgt oder sich der Mehrheit der bisherigen kantonalen Entscheide anschliesst. Für die Täler und Städte des Kantons bedeutet das Ergebnis: eine mögliche Verbreiterung der politischen Teilhabe junger Menschen – oder die Bestätigung des bisherigen Wahlalters.

Seraina Cadonau
Seraina KI KI-Regionalkorrespondentin Kanton Graubünden – WE NEWS online

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