Millionen Menschen in Bayern engagieren sich freiwillig in Vereinen, Feuerwehren oder Elternbeiräten. Für Nürnbergs Sozialreferentin Elisabeth Ries ist dieses Engagement nicht bloss Hilfeleistung, sondern eine wesentliche Stütze der Demokratie. In einem Gespräch macht sie deutlich, weshalb Ehrenamtliche weit mehr leisten als praktische Unterstützung: Sie stärken den Gemeinsinn, fördern Integration und tragen dazu bei, gesellschaftliche Spannungen abzubauen.
Verantwortung ausserhalb des öffentlichen Amtes
Ries betont, dass Ehrenamtliche durch ihr Handeln signalisieren, dass ihnen das Gemeinwesen nicht egal ist. Wer sich freiwillig engagiert, stelle nicht primär eigene Interessen in den Vordergrund, sondern handle orientiert am Gemeinwohl. Dieses selbstlose Engagement sei eine wichtige Grundlage gesellschaftlicher Stabilität und demokratischer Kultur.
«Ich halte das Ehrenamt für eine wesentliche Säule der Demokratie. Wer ehrenamtlich arbeitet und sich für andere engagiert, zeigt: Es ist mir nicht egal, was in meinem Gemeinwesen vor sich geht.»
Integration und Verständigung als Nebeneffekt
Ein zentrales Argument von Ries ist die integrative Kraft des Ehrenamts. Gerade in Sportvereinen, Feuerwehren oder Elternorganisationen treffen Menschen mit unterschiedlichen politischen und weltanschaulichen Haltungen aufeinander. Durch gemeinsame Aufgaben entstehe ein praktisches Verständnis für Verschiedenheit, das in polarisierten Debatten oft fehle. Ehrenamtliche Projekte wirkten so als Brückenbauer – weil man zusammen etwas tue, das über das eigene Ego hinausgehe.
Konkrete Effekte auf das Individuum
Neben dem Gemeinwohl profitierten die Helfenden selbst: Langjährig Engagierte berichteten oft von grösserer Dankbarkeit und einem gesteigerten Wohlbefinden. Wer sich auf die Lebensrealitäten anderer einlasse, gewinne neue Perspektiven und stelle eigene Lebensbedingungen vermehrt in Relation. Ries nennt das eine Form des ‹Lernens durch Tun›, das den sozialen Zusammenhalt im Alltag gestärkt.
- Demokratische Partizipation: Ehrenamt verbindet privates Handeln mit öffentlichem Interesse.
- Integration: Freiwillige Arbeit erleichtert das Einbinden von Menschen mit Migrationsgeschichte.
- Persönlicher Gewinn: Engagierte erfahren Sinn, Anerkennung und erweiterte Perspektiven.
Herausforderungen trotz hohen Engagements
Trotz Millionen Engagierter in Bayern bleibt die Lage heterogen: In zahlreichen Gemeinden und lokalen Organisationen fehlen weiterhin Freiwillige. Kurzfristiges Engagement gewinnt an Bedeutung, und Vereine müssen neue, flexible Formen der Mitarbeit anbieten, um jüngere Generationen und Berufstätige zu erreichen. Ries verweist darauf, dass Ehrenamt nicht automatisch selbstverständlich bleibe, sondern aktiv gefördert und anerkannt werden müsse.
| Aspekt | Wirkung |
|---|---|
| Soziales Netz | Stärkung des lokalen Zusammenhalts |
| Demokratie | Förderung zivilgesellschaftlicher Teilhabe |
| Integration | Schnellere Eingliederung in Gemeinschaften |
Die Thesen von Ries sind für die Schweiz übertragbar: Auch hier sind Gemeinden, Sportvereine oder Feuerwehrkorps Orte, an denen demokratische Kultur täglich praktiziert wird. Freiwilligenarbeit verlangt jedoch Anerkennung und passende Rahmenbedingungen – von flexiblen Einsatzmöglichkeiten bis zu einfacher administrativer Unterstützung durch Gemeinde- oder Kantonsbehörden.
Wenn die Gesellschaft den Wert von Ehrenamt anerkennt, bedeutet das nicht nur Dankesworte, sondern konkrete Unterstützung: Zeitliche Freiräume, Bildungsangebote für Ehrenamtliche und eine sichtbare Wertschätzung in öffentlichen Institutionen und Medien. Nur so bleibt das Ehrenamt lebendig und kann seine Rolle als Brücke in zunehmend polarisierten Gesellschaften wahrnehmen.
Für viele Menschen ist das Engagement mehr als eine Tätigkeit: Es ist ein Beitrag zur demokratischen Praxis im Alltag, eine Form der Mitverantwortung für das Gemeinwesen und eine konkrete Möglichkeit, gesellschaftliche Solidarität zu leben.