Das Bistum Münster hat am Sonntag, 20. September 2026, zum zehnten Mal seinen Ehrenamtspreis vergeben. Die Auszeichnung, die mit insgesamt 10'000 Euro dotiert ist (entspricht etwa Fr. 10'500), wurde im Empfang der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus an drei Preisträger übergeben. In Vertretung von Bischof Heiner Wilmer, der dienstlich in Brüssel weilte, würdigte Generalvikar Klaus Winterkamp das Engagement der Geehrten.
Solidarität, Sichtbarkeit und Ermutigung
Winterkamp betonte die politische wie gesellschaftliche Dimension des Ehrenamts. In seinem Grußwort stellte er die Arbeit der Preisträger als Gegengewicht zu gesellschaftlicher Ausgrenzung und demokratiefeindlichen Tendenzen dar. Er hob die Rolle des Ehrenamts als praktischen Ausdruck von Solidarität hervor und verstand die Auszeichnung als Anerkennung, aber auch als Aufforderung, das Engagement fortzuführen.
«Sie praktizieren Solidarität mit Menschen, die oft übersehen werden, statt Angst vor Fremden zu propagieren; sie besuchen Menschen und sorgen so für Gemeinschaft, statt auszugrenzen; sie bilden Menschen für die Teilhabe und die Gestaltung von Gesellschaft und Demokratie, statt die Demokratie zu untergraben.»
Der Generalvikar machte deutlich, dass der Preis nicht nur Dank, sondern auch ‹Sichtbarmachung› und Ermutigung sein solle – gerade in Zeiten, in denen «Krach und Hetze» die öffentliche Debatte prägen.
Erster Preis geht an KAB-Aktion
Den ersten Preis, dotiert mit 5'000 Euro (etwa Fr. 5'250), erhielt die Aktion «Nikolaus im Fahrerhaus» der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster. Ehrenamtliche aus mehr als 40 Ortsgruppen besuchen demnach Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer an Rastplätzen und überreichen kleine Geschenktüten sowie Dankeskarten. Die Initiative zielt darauf ab, Menschen im Alltag der Arbeitswelt zu erreichen und zugleich auf prekäre Arbeitsverhältnisse aufmerksam zu machen.
Laudator Ulrich Vollmer, Co-Vorsitzender des Diözesankomitees, würdigte die Aktion als Beispiel dafür, wie Kirche sichtbar und nahe bei den Menschen sein kann. Zugleich zeige die Initiative auf, «wie und wo Menschen auch heute ausgebeutet werden», so Vollmer.
- Anlass: Zehnte Verleihung des Ehrenamtspreises des Bistums Münster.
- Datum und Ort: 20. September 2026, Franz-Hitze-Haus, Bistumsakademie Münster.
- Dotation: Insgesamt 10'000 Euro; erster Preis 5'000 Euro.
- Erster Preisträger: KAB-Aktion «Nikolaus im Fahrerhaus» (Ehrenamtliche aus mehr als 40 Ortsgruppen).
Kontext und Bedeutung
Der Preis setzt ein Zeichen für die Rolle von Ehrenamtlichen in der Gesellschaft. Er beleuchtet nicht nur wohlwollende Nachbarschaftshilfe, sondern auch das Engagement in Bereichen, die gesellschaftliche Missstände sichtbar machen – etwa prekäre Arbeitsbedingungen auf Rastplätzen. Indem die Jury solche Projekte auszeichnet, schiebt das Bistum Münster den Blick weg vom Altar hin zu den Lebenswelten der Menschen, die kirchliche Solidarität täglich praktisch umsetzen.
Die Auszeichnung dient damit gleichermassen als Anerkennung und als politisches Signal: Ehrenamtliches Handeln wird nicht nur als Dienst an Einzelnen, sondern als Beitrag zur Stärkung der Gemeinschaft und zur Verteidigung demokratischer Werte verstanden. Ob und wie die prämierten Projekte Impulse über die Region hinaus geben, bleibt eine Frage der weiteren Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeit der Initiativen.
Fotohinweis: Tobias Denne (pd).