Zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana haben die katholischen Bischöfe im Gebiet von Niedersachsen und Bremen in einem gemeinsamen Grußwort ihre Solidarität und Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht. In Zeiten wachsender religiöser Spannungen und zunehmender Polarisierung sehen die kirchlichen Vertreter den Austausch und die Begegnung zwischen Jüdinnen und Juden sowie Christinnen und Christen als besonders wichtig an.
Weihbischof Marahrens betont lokale Beziehungen
Weihbischof Dr. Martin Marahrens, Diözesanadministrator des Bistums Hildesheim, richtete zudem ein persönliches Schreiben an die jüdischen Gemeinden in seinem Gebiet. Darin bedankt er sich ausdrücklich «für die guten und freundschaftlichen Beziehungen, die an so vielen Orten im Gebiet des Bistums Hildesheim zwischen Jüdinnen und Juden sowie Christinnen und Christen bestehen» und bezeichnet den jüdisch‑christlichen Dialog als Ausdruck einer tiefen geistlichen Verbundenheit sowie gemeinsamer Verantwortung für Gesellschaft und Demokratie.
„Der jüdisch‑christliche Dialog ist für mich Ausdruck einer tiefen geistlichen Verbundenheit sowie der gemeinsamen Verantwortung für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie.“
Marahrens verweist in seinem Brief auch auf die innenkirchliche Situation: Der Amtsverzicht von Bischof Wilmer habe eine Phase des Umbruchs eingeleitet, die mit Unsicherheit verbunden sein könne. Er kündigt an, in den kommenden Monaten bewusst an der Stärkung der Verbundenheit zwischen Gott, den Menschen und den Dialogpartnerinnen und -partnern zu arbeiten.
Gemeinsame Botschaft der Bischöfe
In dem gemeinsamen Schreiben, das Marahrens zusammen mit dem Osnabrücker Bischof Dr. Dominicus Meier OSB und Weihbischof Wilfried Theising (Bischöflicher Offizial im Offizialatsbezirk Oldenburg) verfasst hat, werden die bestehenden freundschaftlichen Beziehungen hervorgehoben. Die Bischöfe sehen diese Beziehungen als Ergebnis eines Prozesses, in dem Vertrauen gewachsen und gegenseitiges Verständnis vertieft worden sei.
Angesichts einer Entwicklung, in der religiöse Vorurteile und Antisemitismus wieder zunehmen, halten die Verfasser Begegnungen zwischen den Glaubensgemeinschaften für besonders bedeutsam. Sie betonen die gemeinsame Verpflichtung, die Würde jedes Menschen zu achten, Gerechtigkeit und Frieden zu fördern sowie Hoffnung in unsicheren Zeiten zu stärken.
- Ort: Bistumsgebiet Hildesheim, Osnabrück, Oldenburg (Niedersachsen und Bremen)
- Aktionen: Grußwort der Bischöfe; persönlicher Brief des Diözesanadministrators
- Themen: Interreligiöser Dialog, gemeinsamer Einsatz gegen Antisemitismus, gesellschaftliche Verantwortung
Konkrete Bedeutung für die Gesellschaft
Solche öffentlichen Erklärungen zeigen, wie religiöse Führungspersonen ihre Rolle ausserhalb rein innerkirchlicher Belange verstehen: Als Brückenbauerinnen und Brückenbauer, die gesellschaftliche Spannungen ansprechen und zu gemeinschaftlichem Handeln aufrufen. Für betroffene jüdische Gemeinden können solche Worte eine wichtige Bestätigung des Rückhalts in der Mehrheitsgesellschaft sein, gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit.
Die Betonung gemeinsamer Verantwortung für Demokratie und Menschenwürde verweist auf ein breites Engagement, das über religiöse Praxis hinausgeht: Es umfasst Bildung, Erinnerungsarbeit und konkrete Kooperationen in der Zivilgesellschaft, um Vorurteile entgegenzutreten und demokratische Streitkultur zu stärken.
| Bischof / Amt | Rolle |
|---|---|
| Martin Marahrens | Weihbischof, Diözesanadministrator des Bistums Hildesheim |
| Dominicus Meier OSB | Bischof von Osnabrück |
| Wilfried Theising | Weihbischof, Bischöflicher Offizial (Oldenburg) |
Die Erklärung der Bischöfe ist weniger ein politisches Manifest als ein Appell an den Fortbestand des Dialogs und an das gemeinsame Handeln gegen Ausgrenzung. Sie dokumentiert die Absicht, religiöse Beziehungen als festen Bestandteil eines funktionierenden demokratischen Miteinanders zu pflegen — eine Botschaft, die in Zeiten wachsender Unsicherheiten an Gewicht gewinnt.
Ob und wie solche Worte in konkreten Projekten und Initiativen vor Ort umgesetzt werden, bleibt eine Frage der nächsten Monate. Fest steht: Die Bischöfe setzen ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit und mahnen gleichzeitig zur Wachsamkeit gegenüber Formen von Antisemitismus und religiöser Feindseligkeit.