Visp. Beim ersten Gewerbe-Lunch von Visp Gewerbe und Tourismus (VGT) setzten rund 35 lokale Gewerbetreibende ein deutliches Zeichen: Die Frage, wie in einer Zeit rascher technologischer Veränderungen geführt werden muss, beschäftigt die regionale Wirtschaft. Als Gastreferent erläuterte David Fiorucci, Gründer und Geschäftsführer der LP³ AG sowie ausgewiesener Führungs-Experte, warum bewusste Führung heute zentral ist.
Führung als Kompass in unruhigen Zeiten
Fiorucci legte dar, dass sich die Rolle der Führungskräfte verändert. In einer Welt, in der Rahmenbedingungen laufend wechseln und frühere Gewissheiten an Bedeutung verlieren, reiche reine Fachkompetenz nicht mehr aus. Entscheidend sei, Klarheit zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und Mitarbeitende zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen.
Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Führungskräften verband Fiorucci seine Thesen mit Praxisbeispielen. Er betonte, dass Organisationen, die gut mit Unsicherheit umgehen, flexibler und resilienter sind. Dabei gehe es nicht primär darum, alle Entwicklungen bis ins Detail zu steuern, sondern um das Setzen klarer Ziele und Rahmenbedingungen, innerhalb derer eigenverantwortliches Handeln möglich ist.
KI als Unterstützer, nicht als Ersatz
Ein zentrales Thema war der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Fiorucci ordnete technologische Werkzeuge in einen grösseren Führungskontext ein: KI eröffne neue Möglichkeiten und könne Führungskräfte in vielen Bereichen unterstützen, so etwa bei Datenanalysen, Entscheidungsunterstützung oder Automatisierung repetitiver Aufgaben. Entscheidend bleibe jedoch die menschliche Komponente — Präsenz, direkter Austausch und die Fähigkeit, Sinn zu stiften.
Er warnte davor, technologische Innovationen als Ersatz für Führung zu betrachten. Vielmehr würden neue Instrumente nur dann wirksam, wenn Organisationen ein Klima des Vertrauens und der Verantwortung etablierten. In solchen Rahmenbedingungen können Mitarbeitende die Tools sinnvoll nutzen und Entscheidungen treffen, ohne jede Einzelheit vorgesetzt zu bekommen.
Praktische Folgerungen für KMU im Wallis
Die Ausführungen richten sich besonders an kleine und mittlere Unternehmen, die im Kanton Wallis den wirtschaftlichen Rückgrat bilden. Für diese Betriebe ergeben sich unmittelbar umsetzbare Schlussfolgerungen:
- Klare Zielsetzungen formulieren, damit Mitarbeitende wissen, in welchem Rahmen sie handeln dürfen.
- Vertrauen aufbauen durch transparente Kommunikation und partizipative Entscheidungsprozesse.
- Verantwortung delegieren und Mitarbeitende befähigen, eigenständig zu handeln.
- Technologie gezielt einsetzen als Unterstützung, nicht als Alleinlösung.
Diese Punkte erhöhen die Adaptionsfähigkeit eines Betriebs in einem Umfeld, das durch digitale Innovationen und steigende Komplexität geprägt ist.
Regionale Bedeutung und Vernetzung
VGT-Präsident Aaron Karlen begrüsste die Teilnehmenden im Tourismusbüro Visp. Das neue Format des Gewerbe-Essens soll nach Angaben des Verbands künftige Gelegenheiten bieten, lokale Akteure zu vernetzen und praxisnahe Impulse zu liefern. Gerade in einer Region mit touristischer und handwerklicher Vielfalt ist der Austausch über Führungsfragen und technologische Entwicklungen relevant, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zu sichern.
| Teilnehmer | Thema | Kernbotschaft |
|---|---|---|
| Rund 35 Gewerbetreibende | Bewusste Führung, KI | Klarheit, Vertrauen, Befähigung |
Das VGT-Gewerbe-Essen ist als Dialogplattform gedacht: Neben Vorträgen sollen in künftigen Veranstaltungen auch konkrete Best-Practice-Beispiele aus der Region präsentiert und vertieft werden. Besonders für Unternehmen, die vor der Einführung neuer Technologien stehen, bieten solche Formate praktischen Mehrwert.
Die Diskussionen in Visp zeigten, dass Führung heute weniger über Kontrolle denn über Sinnstiftung und Rahmengebung funktioniert. Für die Walliser Wirtschaft bedeutet dies: Wer Mitarbeitende stärkt und Technologie gezielt integriert, bleibt handlungsfähig und kann auf Veränderungen schneller reagieren.
Die VGT-Veranstaltung liess Raum für Fragen und Austausch. Ob und wie die vorgestellten Ansätze in den Betrieben umgesetzt werden, bleibt eine praktische Aufgabe für die kommenden Monate. Klar ist: Die Debatte um Führung, Vertrauen und KI ist in Visp angekommen.