Breite Ablehnung städtischer Aufwertungspläne
Die Einwohnerinnen und Einwohner von Bellinzona haben das geplante Aufwertungsprojekt für die drei Burgen und die historische Stadtmauer abgelehnt. Bei einer Stimmbeteiligung von 47,5 Prozent stimmten 6'923 Wählerinnen und Wähler (53,9%) gegen die Vorlage; 5'913 Personen (46,1%) unterstützten sie, teilte die Stadt mit.
Was das Projekt vorsah
Der Stadtrat hatte für die vier Bauwerke — Castel Grande, Montebello, Sasso Corbaro und die historische Stadtmauer — ein zweistufiges Modernisierungs- und Ausbaprojekt vorgeschlagen. Ziel war es, die Anlagen zu vernetzen, das museale Angebot zu erweitern, die Zugänge und die Sicherheit zu verbessern sowie die Stätte stärker zu präsentieren. Zeitlicher Rahmen: bis 2030.
- Gesamtkosten: rund 19,1 Millionen Franken
- Städtischer Anteil: 4,5 Millionen Franken
- Restfinanzierung vorgesehen durch Bund und Kanton
- Geplante Umbenennung der Anlage in «Fortezza»
Kontroverse um Namen und Zugang
Ein zentraler Streitpunkt war die beabsichtigte Umbenennung des Ensembles in «Fortezza» («Festung»). Kritikerinnen und Kritiker — unter ihnen das Referendums-Komitee — monierten, diese Bezeichnung verwische den historischen Bezug zu den drei eigenständigen Burgen. Zudem löste die Absicht, den Innenhof des Castel Grande kostenpflichtig zu machen, Widerstand aus: Gegnerinnen und Gegner sahen darin eine Einschränkung des freien Zugangs zu einer zentralen städtischen Freifläche.
«Der Begriff ‹Festung› verwischt den historischen Bezug zu den drei einzelnen Burgen», hiess es vonseiten der Referendumsgegner.
Politische Akteure und Motive
Treibende Kraft hinter dem Referendum war der ehemalige Stadtpräsident Brenno Martignoni Polti, heute Oppositions-Gemeinderat und Mitglied der Bürgerbewegung «Il Noce». Er war einer der prominentesten Wortführer gegen das Vorhaben. Die städtische Führung hatte das Projekt als Chance bezeichnet, den Weltkulturerbe-Status stärker zu nutzen und damit langfristig mehr Besucherinnen und Besucher anzuziehen; die Stadt verzeichnete zuletzt rund 40'000 zahlende Gäste jährlich an der Stätte.
Finanzielle und touristische Folgen
Mit dem Nein bleibt die bestehende räumliche und finanzielle Situation erhalten. Die geplante Investition von 19,1 Millionen Franken wird nicht ausgelöst, und die vorgesehene Kooperation mit Kanton und Bund entfällt in dieser Form. Welche kleineren Instandhaltungsprojekte oder weniger umfassende Massnahmen die Stadt künftig anpackt, ist offen. Ebenso bleibt unklar, ob und wie ein alternativer Plan zur Sicherung und Aufwertung der Burgen auf den Weg gebracht wird.
| Ergebnis | Stimmen | Prozent |
|---|---|---|
| Nein | 6'923 | 53,9% |
| Ja | 5'913 | 46,1% |
| Stimmbeteiligung | 47,5% | |
Aussichten und Diskussion
Das Resultat sendet ein deutliches Signal über die Erwartungen der Bellinzoneser Stimmbevölkerung: Bewahrung des gewohnten Zugangs und Skepsis gegenüber grösseren, kostenintensiven Umbenennungen. Für die Stadtverwaltung entstehen nun taktische Fragen: Soll ein neuer, weniger umfangreicher Vorschlag erarbeitet werden? Oder investiert die Stadt vorerst nur in punktuelle Sicherungsarbeiten? Klar ist, dass die Debatte um Identität, Tourismus und Zugänglichkeit der Burgen in Bellinzona weitergehen wird.
Die Ablehnung zeigt zudem, dass kulturelle Projekte in Bellinzona nicht nur unter fachlichen, sondern auch unter identitätspolitischen Gesichtspunkten beurteilt werden. Für die kommenden Monate wird es darauf ankommen, dass Stadtführung und Oppositionsgruppen konstruktive Wege finden, um sowohl das Erbe zu schützen als auch die lokale Akzeptanz für künftige Vorhaben zu sichern.