Wer Muskeln aufbauen möchte, braucht nicht zwingend einen hochkomplexen Trainingsplan oder spezielle Geräte im Studio. Das zeigt eine umfassende Auswertung der American College of Sports Medicine (ACSM), die 137 systematische Reviews mit den Daten von mehr als 30.000 Teilnehmenden zusammenfasste. Als zentrale, praxisnahe Empfehlung gilt: Alle grossen Muskelgruppen sollten mindestens zweimal pro Woche trainiert werden.
Was die Auswertung konkret empfiehlt
Die Autorinnen und Autoren der ACSM‑Zusammenfassung heben hervor, dass es weniger auf eine perfekte Übungswahl als auf Kontinuität und das Wochenvolumen ankommt. Als Orientierung für Hypertrophie — also Muskelwachstum — wird ein höheres wöchentliches Volumen von ungefähr zehn Sätzen pro Muskelgruppe genannt. Das ist nicht als starre Vorgabe zu verstehen, sondern als praktikabler Richtwert: Entscheidend sei, wie viel sinnvolle Arbeitsmenge über die Woche zusammenkomme.
„Deutlich wichtiger sei, regelmäßig dranzubleiben, als einem ‚perfekten‘ oder besonders komplexen Plan hinterherzulaufen.“
Stuart Phillips, einer der Studienautoren, fasst damit die Kernaussage zusammen: Für viele Menschen ist der grösste Schritt schlicht, überhaupt konstant mit dem Training zu beginnen.
Flexibilität bei den Methoden
Gute Nachrichten für Einsteigerinnen und Einsteiger: Die ACSM‑Auswertung zeigt, dass Muskelaufbau nicht an klassische Hantelgeräte gebunden ist. Auch:
- Bodyweight‑Übungen (etwa Liegestütze, Kniebeugen),
- Übungen mit elastischen Bändern,
- oder Heim‑Workouts
führen zu messbaren Verbesserungen von Kraft, Muskelmasse und Funktion. Hanteln oder ein Fitnessstudio sind demnach keine zwingende Voraussetzung.
Praxisorientierte Hinweise und Folgen für den Alltag
Aus gesundheitlicher Sicht hat das klare Konsequenzen: Regelmässiges Widerstandstraining verbessert nicht nur Muskelkraft und -masse, sondern kann die Alltagsfunktion, Sturzprophylaxe und die Stoffwechselgesundheit unterstützen. Für die Umsetzung empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Planen Sie Trainings für alle grossen Muskelgruppen mindestens zweimal pro Woche;
- Streben Sie kumulativ etwa zehn Sätze pro Muskelgruppe pro Woche an — verteilt auf mehrere Einheiten;
- Nutzen Sie verfügbare Mittel: Körpergewicht, Bänder oder freie Gewichte sind möglich;
- Bleiben Sie konstant: Regelmässigkeit ist wichtiger als das Finden des „perfekten“ Programms.
Für Personen mit Vorerkrankungen, akuten Beschwerden oder Unsicherheit über die Belastbarkeit empfiehlt sich vor Beginn eine ärztliche Abklärung oder Beratung durch eine qualifizierte Trainerin bzw. einen qualifizierten Trainer. Fortschritte sollten schrittweise aufgebaut und Belastung sowie Erholung sorgsam abgestimmt werden, um Überlastungen und Verletzungen zu vermeiden.
Einfach anfangen — mit gesundem Menschenverstand
Die ACSM‑Analyse entlastet von dem Druck, mit komplizierten Splits oder exotischen Methoden arbeiten zu müssen. Sie motiviert vielmehr zu einem pragmatischen Zugang: Wer regelmäßig an zwei Tagen pro Woche die Hauptmuskelgruppen bearbeitet und dabei ein sinnvolles Wochenvolumen erreicht, schafft die wissenschaftlich belegte Grundlage für Muskelzuwachs. Für die meisten Menschen dürfte das praktikabler und nachhaltiger sein als das Streben nach Perfektion.
| Empfehlung | Orientierungswert |
|---|---|
| Frequenz pro Muskelgruppe | Mindestens 2× pro Woche |
| Wöchentliches Volumen | Ca. 10 Sätze pro Muskelgruppe (als Richtwert) |
| Trainingsformen | Kraftgeräte, Freihanteln, Bodyweight, Bänder |
In der Zusammenschau bietet die Auswertung eine gut umsetzbare, evidenzbasierte Grundlage: Wer langfristig gesünder, kräftiger und funktionaler werden möchte, sollte konsequent bleiben — und darf dabei pragmatisch vorgehen.