In Essen‑Werden haben Fachleute in dieser Woche eine ungewöhnliche Lehrhilfe geschaffen: Die sogenannte Mintrop’sche Spitzfalte am Pastoratsberg wurde in Originalgröße abgeformt und als Replik erhältlich gemacht. Verantwortlich waren Expertinnen und Experten der THGA und des Deutschen Bergbaumuseums Bochum.
Ein Felsen, viel Aufwand
Die Falte gilt unter Geologinnen und Geologen als besonderer Anschauungsgegenstand. Für die Aktion wurde der Naturstein zuerst freigelegt: Studierende entfernten das Gestrüpp rund um den Kalkaufbau und reinigten die Oberfläche mit Wurzelbürsten und Pinseln. Danach trugen Spezialistinnen und Spezialisten eine dicke, giftgrüne Silikonschicht direkt auf den Fels auf, gefolgt von einer Gipsabformung, die mit Holz gestützt wurde.
„Völlig bekloppt!“
So beschrieb der Geologe und Projektplaner Dr. Benedikt Ahrens das Vorhaben – ein Projekt, das er nach eigener Aussage rund ein Jahr geplant hat. Der Abformungsprozess war technisch anspruchsvoll: Die Silikon‑ und Gipslagen mussten zerschnitten und in Teilen abgenommen werden, weil die Form in einem Stück nicht transportabel war. Stundenlang arbeiteten bis zu fünf Männer des Bergbaumuseums am Entfernen der Hülle.
Warum eine Kopie des Felsens?
Aus dem entstandenen Abdruck soll nun eine originalgetreue Reproduktion der Spitzfalte im Maßstab 1:1 entstehen. Ziel ist es, Studierenden den direkten, taktilen Zugang zu geologischen Strukturen zu ermöglichen, ohne dass der Feldort selbst ständig begangen werden muss. Die Nachbildung kann in Lehrsälen dauerhaft eingesetzt werden und Beobachtungen erlauben, die am exponierten Naturstandort schwierig sind.
- Ort: Pastoratsberg, Essen‑Werden
- Akteure: THGA und Deutsches Bergbaumuseum Bochum
- Zweck: 1:1‑Replik für geologische Lehre
Der Aufwand erklärt sich aus den Besonderheiten der Falte: Sie ist nicht nur breit und hoch, sondern hat auch einen Überhang sowie zahlreiche Einschnitte und Faltungen, die genaue Abformung und Stützkonstruktion erforderten.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Breite | 6 m |
| Höhe | 4 m |
| Überhang | ~1 m |
Das Projekt ist ungewöhnlich, weil in dieser Größenordnung bislang kaum Felsen in situ abgeformt wurden. Die Kombination aus moderner Abdichtungstechnik (Silikon) und traditionellem Abgussmaterial (Gips) sowie die notwendige Stützkonstruktion aus Holz machten die Aktion aufwändig, aber machbar.
Für die Lehre bedeutet die Replikation einen Gewinn: Statt nur Fotos, Karten oder kleiner Modelle vorliegen zu haben, können Studierende künftig an einem großformatigen, originalgetreuen Objekt arbeiten, Fossilien, Schichtfolgen und Faltenstrukturen direkt untersuchen und so theoretisches Wissen praktisch vertiefen. Ob die fertige Nachbildung in Essen verbleibt oder an eine Hochschule beziehungsweise ein Museum übergeben wird, ist bislang nicht abschließend kommuniziert worden.
Die Aktion in Essen zeigt, wie experimentelle Ansätze in der Forschungsausbildung genutzt werden können, um Feldaufenthalte zu ergänzen und gleichzeitig empfindliche Naturstellen zu schonen. Ob weitere Felsformationen kopiert werden, dürfte vom Erfolg der aktuellen Replik abhängen.