Regelmäßiges Treppensteigen im Alltag steht laut einer neuen Übersichtsarbeit aus Großbritannien in Zusammenhang mit einem signifikant geringeren Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzversagen. Die Forscher werteten neun Studien mit insgesamt mehr als 480.000 Teilnehmenden aus, die im Mittel über rund 14 Jahre beobachtet wurden. Die Altersgruppe reichte von 35 bis 84 Jahren, knapp über die Hälfte war weiblich.
Was die Auswertung aussagt
Das Forschungsteam des Norfolk and Norwich University Hospital und der No rwich Medical School am University of East Anglia fasste vorhandene Studien zusammen und berichtet, dass selbst kurze, regelmäßige Anstrengungen wie Treppensteigen positive Effekte für die Herz-Kreislauf-Gesundheit haben können. Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit erschienen im Fachjournal American Journal of Cardiovascular Drugs.
„Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Todesursache weltweit – zwischen 1990 und 2019 haben sich die Fälle verdoppelt.“
Die Studie unterstreicht, dass körperliche Aktivität Teil eines umfassenden Lebensstils sein sollte, zu dem auch eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Zigaretten, ein gesundes Körpergewicht und die Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin und Diabetes gehören. Für viele Menschen sei jedoch der Alltag die größere Herausforderung als geplantes Training im Fitnessstudio.
Praktische Bedeutung und Einschränkungen
Die Kernaussage – dass bereits kleine Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen die Herzgesundheit fördern können – hat unmittelbare praktische Relevanz: Treppen sind vielerorts verfügbar, die Zeitinvestition ist gering, und die Maßnahme verursacht keine zusätzlichen Kosten. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen, dass es sich um eine Übersichtsarbeit handelt, die bestehende Beobachtungsstudien zusammenführt. Beobachtungsdaten können Assoziationen aufzeigen, aber nicht zwingend eine ursächliche Wirkung beweisen. Weitere randomisierte Studien wären nötig, um die Kausalität zu klären.
- Nutzen: Niederschwellige Möglichkeit, alltägliche Bewegung zu erhöhen.
- Breite Basis: Datenbasis aus neun Studien mit >480.000 Personen.
- Vorsicht: Aus Beobachtungsdaten lassen sich keine endgültigen Ursache-Wirkungs-Schlüsse ziehen.
Für die klinische Praxis und die Präventionsarbeit ist die Botschaft dennoch hilfreich: Gesundheitsfördernde Maßnahmen müssen nicht immer aufwändig oder zeitintensiv sein. Für Menschen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eingeschränkter Mobilität sind Treppensteigen allerdings nicht zwingend geeignet; individuelle Beratung durch Ärztinnen und Ärzte bleibt entscheidend.
Daten im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Anzahl ausgewerteter Studien | 9 |
| Teilnehmende | > 480.000 |
| Altersbereich | 35–84 Jahre |
| Durchschnittliche Beobachtungsdauer | ~14 Jahre |
| Anteil Frauen | knapp über 50 % |
Die Forscher weisen darauf hin, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit an Bedeutung gewinnen: Die Fallzahlen hätten sich zwischen 1990 und 2019 verdoppelt, so einer der Studienautoren. Vor diesem Hintergrund sind einfache, breit umsetzbare Präventionsmaßnahmen wie das bewusste Nutzen von Treppen für die öffentliche Gesundheit relevant.
Zusammengefasst: Die Übersichtsarbeit stützt die Empfehlung, körperliche Aktivität in den Alltag zu integrieren — und macht deutlich, dass schon kleine Verhaltensänderungen potenziell große Effekte auf die Herzgesundheit haben können. Ob Treppensteigen allein ausreicht, um das individuelle Risiko maßgeblich zu senken, lässt sich anhand der vorliegenden Beobachtungsdaten nicht eindeutig beantworten; dennoch ist die Maßnahme ein pragmatischer Baustein in der Prävention.