Hohe Dunkelziffer auch in Salzburg
In Österreich sind nach aktuellen Schätzungen rund 600.000 Menschen mit einer diagnostizierten Diabetes-Erkrankung registriert. Expertinnen und Experten gehen zusätzlich von etwa 150.000 bis 200.000 Menschen mit einem noch unentdeckten Diabetes oder einer Vorstufe (Prädiabetes) im Land aus. Für das Bundesland Salzburg bedeutet dies laut den vorliegenden Zahlen, dass mehr als 10.000 Personen betroffen sein dürften.
Warum frühe Erkennung wichtig ist
Diabetes mellitus — häufig als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet — verläuft gerade im Frühstadium oft ohne deutliche Beschwerden. Viele Betroffene entdecken die Krankheit erst, wenn bereits Folgeerkrankungen auftreten, etwa Herz-Kreislauf-Probleme. Ärztinnen und Ärzte betonen, dass der Körper jedoch bereits früher Signale sendet, die auf einen gestörten Blutzucker hinweisen können und einen Arztbesuch sinnvoll machen.
- Häufiger Durst und vermehrtes Wasserlassen — der Körper versucht, überschüssigen Zucker über die Nieren auszuscheiden.
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit — obwohl Zucker im Blut vorhanden ist, gelangt er mangels wirksamen Insulins nicht in die Zellen.
- Plötzliche Sehstörungen — Schwankungen des Blutzuckers verändern die Dichte der Augenlinse.
- Häufige Infektionen — besonders Harnwegs-, Haut- und Pilzinfekte treten bei erhöhtem Blutzucker gehäuft auf.
„Dann versucht der Körper mit aller Macht, diesen überschüssigen Zucker loszuwerden.“ — Lars Stechemesser, SALK-Oberarzt für Stoffwechsel und Diabetologie
Folgen unerkannter Erkrankung und Bedeutung der Vorsorge
Unentdeckter oder schlecht eingestellter Diabetes erhöht das Risiko für schwere Folgeerkrankungen, darunter Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenprobleme und Schäden an Augen und Nerven. Diese Komplikationen sind oft vermeidbar oder zumindest verzögerbar, wenn die Krankheit früh erkannt und angemessen behandelt wird. Regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte, Screening bei Risikogruppen und niedrigschwellige Zugänge zur Diagnostik sind daher von hoher Bedeutung.
Was Salzburgerinnen und Salzburger tun können
Vorbeugende Maßnahmen und einfache Verhaltensänderungen können das Risiko für Typ‑2‑Diabetes senken. Dazu zählen eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und das Vermeiden von starkem Übergewicht. Zugleich sollten Menschen mit erhöhtem Risiko — etwa bei familiärer Vorbelastung, Übergewicht oder hohem Alter — ärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.
| Kenngröße | Österreich | Salzburg (geschätzt) |
|---|---|---|
| Diagnostizierte Diabetesfälle | ~600.000 | — |
| Geschätzte unentdeckte Fälle (Prädiabetes/Diabetes) | 150.000–200.000 | mehr als 10.000 |
Für Salzburg bedeutet die Zahl von mehr als 10.000 potenziell unentdeckten Fällen eine konkrete Herausforderung für die regionale Gesundheitsversorgung: Präventionsangebote, Gesundheitsberatungen in Gemeinden und niederschwellige Screenings könnten helfen, Betroffene früh zu identifizieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Einbindung von Hausärztinnen und Hausärzten sowie von Fachabteilungen in Spitälern ist dabei zentral.
Die vorliegenden Zahlen unterstreichen, dass Diabetes nicht nur ein individuelles, sondern ein öffentliches Gesundheitsproblem ist. Frühzeitiges Erkennen, Aufklärung in der Bevölkerung und gezielte Angebote zur Vorbeugung sind entscheidend, um die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen einzudämmen.