Das Hamburger Reeperbahn-Festival ist mit einem eindringlichen Appell an die Politik in seine 21. Ausgabe gestartet. Bei der Eröffnungsfeier im Schmidts Tivoli rückte besonders die Frage der künftigen Finanzierung in den Vordergrund: Bundesförderungen sollen nach Angaben der Veranstalter deutlich sinken, was die Existenz und die Wirkung des viertägigen Club- und Branchenfestivals in Frage stellen könnte.
Bundesförderung im Fokus
Als erster Redner sprach der Staatssekretär Björn Böhning (Bundesministerium der Finanzen) den „Elefanten im Raum“ an: die künftige Finanzierung des Festivals. Er versicherte, man habe die Sorgen wahrgenommen und nehme sie ernst, blieb aber in Zahlen vage.
„Aber wir tun unser Bestes für nächstes Jahr.“
Auch wenn Böhning Sympathie für das Festival ausdrückte und Unterstützung als Beitrag zur Stärkung der Demokratie bezeichnete, bestätigte er keine konkreten Beträge für kommende Jahre.
Welche Mittel sind bedroht?
Hintergrund sind geplante Änderungen in der Förderpolitik, wie sie dem Festival nach Darstellung der Geschäftsführung mitgeteilt worden seien. Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe dem Festival für das laufende Jahr Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro gestrichen. Für das Jahr 2027 sei vorgesehen, die Bundesförderung von bislang 6,2 Millionen Euro auf 3 Millionen Euro zu reduzieren, so Angaben des Festivalteams.
| Jahr | Förderung (Bund, laut Festival) |
|---|---|
| Dieses Jahr | -1,5 Mio. Euro (Streichung) |
| 2027 (geplant) | von 6,2 Mio. → 3 Mio. Euro |
Politische Reaktionen und Branchenbedeutung
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) kritisierte die Pläne als problematisch und verglich die Bedeutung des Reeperbahn-Festivals für die Musikbranche mit jener der Berlinale für die Filmbranche. Brosda forderte gemeinsames Handeln mit dem Bund und verwies darauf, dass die Stadt selbst ebenfalls von dem Festival profitiere.
Festivalgeschäftsführer Alexander Schulz und Festivaldirektor Detlef Schwarte standen bei der Eröffnung sichtbar unter dem Eindruck, bereits eingetretene Einsparungen kompensieren zu müssen. Das Festival umfasst in diesem Jahr nach Veranstalterangaben mehr als 400 Konzerte und ist ein bedeutender Treffpunkt für Branche und Publikum.
Mögliche Konsequenzen
Die angekündigten Einschnitte werfen mehrere Fragen auf, nicht nur für das Reeperbahn-Festival selbst, sondern für die gesamte Festivallandschaft und die Kulturförderungspolitik:
- Weniger Bundesmittel könnten zu Programmkürzungen und einem reduzierten Angebot führen.
- Die Finanzierungsstruktur könnte sich zugunsten größerer kommunaler oder privater Beiträge verschieben.
- Branchennetzwerke und Arbeitsmöglichkeiten für Musikerinnen, Techniker und Clubbetreiber wären unmittelbar betroffen.
Bei der Eröffnungsfeier hofften die Verantwortlichen, dass die kommenden vier Festivaltage demonstrieren, dass es sich um gut investiertes Geld handele. Unklar bleibt jedoch, wie Bund und Länder eine tragfähige Lösung finden sollen — zumal Hamburg bereits stärker finanziell einbezogen werden solle, weil die Stadt vom Festival profitiere.
Für die Szene hat die Debatte Signalwirkung: Ein Rückgang der Bundesmittel in der geplanten Größenordnung würde nicht nur das Reeperbahn-Festival, sondern die gesamte Clubkultur und die beruflichen Perspektiven zahlreicher Akteurinnen und Akteure in Frage stellen. Ob und in welcher Höhe der Bund seine Zusage erneuert, bleibt vorerst offen; die politischen Verhandlungen werden für die Kulturbranche von unmittelbarem Interesse sein.
Die Eröffnung am Schmidts Tivoli markierte nicht nur den offiziellen Start der 21. Ausgabe, sondern zugleich den Beginn einer öffentlichen Debatte darüber, wie Festivalkultur in Deutschland künftig finanziert werden soll.