In einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Landschaftsgärtnerei Rottensteiner in Bozen stand vergangene Woche die Frage im Mittelpunkt, wie Erziehung im digitalen Zeitalter gelingen kann. Unter dem Thema
„Vision Erziehung“diskutierten Fachleute aus Bildung, Forschung und Zivilgesellschaft über die Chancen und Risiken des virtuellen Lebens für Kinder und Jugendliche.
Praktische Erfahrungen aus der Schulsozialarbeit
Im Zentrum der Diskussion stand die Pädagogin Petra Wallnöfer, die als Landesschulsozialpädagogin in Südtirol tätig ist. Wallnöfer begleitet nach eigenen Angaben täglich Kinder, Jugendliche sowie deren Eltern und Lehrpersonen und schilderte in ihrem Beitrag die konkreten Herausforderungen, die Eltern und Schulen derzeit begegnen. Seit 2025 wirkt sie an der Grund- und Mittelschule des Schulsprengels Schluderns; zuvor arbeitete sie sechs Jahre an der Oberschule WFO in Meran.
Podium und Diskussionslinien
Auf dem Podium ergänzten und kontrastierten weitere Stimmen die Darstellung der praktischen Alltagserfahrungen. Zu den Gästen gehörten der Familienforscher Norbert F. Schneider, der Digitaltrainer und Spiegel-Bestseller-Autor Daniel Wolff, das Testimonial der Väter-Kampagne Christof Fauster sowie Evi Hilpold. Gemeinsam loteten sie Fragen aus, die Schulen, Familien und Gemeinden auch in Österreich beschäftigen:
- Welche Formen von Mediennutzung sind entwicklungsförderlich, welche bergen Risiken?
- Wie können Eltern und Lehrpersonen Kinder bei der Entwicklung von Medienkompetenz unterstützen?
- Welche Rolle spielen schulische Sozialarbeit und präventive Angebote bei der frühen Erkennung belastender Entwicklungen?
Beobachtungen und mögliche Konsequenzen
Aus der Darstellung Wallnöfers ergeben sich mehrere handlungsrelevante Punkte: Erstens zeigt die Praxis, dass digitale Medien die Alltagswelt Jugendlicher stark prägen und dabei sowohl Lernchancen als auch neue Belastungsformen mit sich bringen. Zweitens scheinen sozialpädagogische Unterstützungsangebote an Schulen für die Prävention und Intervention essenziell. Drittens verweist die Diskussion auf die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und externen Fachstellen.
Vor diesem Hintergrund lassen sich mögliche Folgen ableiten, ohne dass die Veranstaltung selbst konkrete Politikmaßnahmen vorgab: Kommunen und Schulsprengel könnten die Ressourcen für Schulsozialarbeit prüfen und gegebenenfalls ausbauen; Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrpersonen zu Medienkompetenz und digitaler Prävention wären ein weiterer Schritt; schließlich kann die Stärkung von Elternberatung und niedrigschwelligen Angeboten Familien entlasten.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Überblick
| Person | Rolle |
|---|---|
| Petra Wallnöfer | Landesschulsozialpädagogin, tätig in Schluderns (seit 2025) |
| Daniel Wolff | Spiegel-Bestseller-Autor, Digitaltrainer |
| Norbert F. Schneider | Familienforscher |
| Christof Fauster | Testimonial der Väter-Kampagne |
| Evi Hilpold | Podiumsgast |
Die Veranstaltung in Bozen liefert keine politischen Beschlüsse, stellt aber einen wichtigen Resonanzraum dar: Sie macht kommunikative und praxisnahe Erfahrungen sichtbar, die für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger relevant sind. Gerade in Österreich, wo Debatten um Mediennutzung, Schulsozialarbeit und familienpolitische Unterstützung regelmäßig geführt werden, bieten solche Gespräche Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung bestehender Angebote.
Die Diskutantinnen und Diskutanten betonten abschließend, dass ein zentrales Anliegen die Stärkung der Alltagskompetenzen von Kindern und Jugendlichen sei. Dazu gehöre, neben technischen Kenntnissen, vor allem die Förderung sozialer und emotionaler Fähigkeiten — eine Aufgabe, die Familien, Schule und soziale Dienste gemeinsam tragen müssen.