Die Folgen der anhaltenden Trockenheit schlagen in Salzburg bereits deutlich zu Buche: Nach ersten Schätzungen belaufen sich die Dürreschäden im Bundesland auf 50 Millionen Euro. Angesichts der Lage fordert die Landwirtschaftskammer des Landes kurzfristige Erleichterungen bei Neupflanzungen und eine Ausnahmeregelung für ÖPUL-Maßnahmen, damit Landwirte schnell auf hitze- und trockenheitsverträgliche Mischungen umstellen können.
Was die Kammer verlangt
Die Forderung richtet sich primär an die Landesregierung; zudem seien bereits Anfragen an das Landwirtschaftsministerium und die EU gestellt worden. Ziel ist eine befristete Aufhebung von Pflanzbeschränkungen, damit witterungsresistente Klee- und Grasarten als Neuanlage zugelassen werden können, ohne dass Betriebe Prämien verlieren.
„In Extremfällen wie diesem Jahr könnten Neuanlagen mit rasch wachsenden Kleearten oder Weidelgräser die Ernteausfälle zumindest teilweise abfedern. Diese Saat könnte noch in den nächsten Wochen ausgebracht werden“,
so Matthias Greisberger, Grünlandreferent der Landwirtschaftskammer. Die Saatvorschläge zielen darauf ab, bei kommendem Niederschlag rasch wieder Produktionsmasse zu erzeugen und so Futterlücken zu reduzieren.
Regionale Betroffenheit und Praxis
Die Landwirtschaftskammer verweist darauf, dass allein im Flachgau zwei Drittel aller Betriebe von den Folgen betroffen seien. Dort, wie in weiteren landwirtschaftlich genutzten Regionen, würden bereits verstärkt Erfahrungen mit trockenheitsresistenten Mischungen vorliegen; diese hätten bei betroffenen Betrieben zu Ernten geführt, die andernfalls ausgefallen wären.
Wichtig ist laut Kammer, rechtzeitig zu handeln: Für bereits abgestorbene Pflanzen komme selbst ergiebiger Regen zu spät. Entscheidend sei jetzt, die Böden zu bearbeiten und neue Saaten auszubringen, um vorbereitet zu sein, falls Niederschlag eintritt.
- Schaden: Erste Schätzung 50 Millionen Euro im Land Salzburg.
- Maßnahme: Befristete Aufhebung von Anbaubeschränkungen für Neuanlagen.
- Region: Im Flachgau sind zwei Drittel der Betriebe betroffen.
Flächenbewirtschaftung und ÖPUL
Besonders heikel ist die Situation für Betriebe, die an der ÖPUL-Maßnahme „Humuserhalt und Bodenschutz auf umbruchsfähigem Grünland (HBG)“ teilnehmen. Die Kammer fordert, dass diese Betriebe die vorgeschlagenen Neuanlagen durchführen dürfen, ohne dadurch Prämien zu verlieren. Dadurch sollen Naturschutzflächen kurzfristig für die Futtergewinnung genutzt werden können.
Quehenberger von der Landwirtschaftskammer betont, dass bereits freiwillige Verpflichtungen zur späten Mahd vielerorten bestanden. Heuer solle das Land jene Flächen sofort zur Bewirtschaftung freigeben, damit in den kommenden Wochen noch Futter eingefahren und Wiesen beweidet werden könnten, ohne Reserven anzapfen zu müssen.
Welche Saaten sind gemeint?
Die Kammer nennt als Beispiele rasch wachsende Kleearten und Weidelgräser sowie hitzeresistente Kleemischungen. Sie räumt ein, dass nicht in allen Teilen Salzburgs solche Mischungen gleich effizient sein werden; dort, wo es möglich ist, könnten die Anpassungen jedoch „massiv helfen“.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Erste Schadensschätzung | 50 Millionen Euro |
| Betroffene Betriebe (Flachgau) | 2/3 der Betriebe |
Praktische Auswirkungen für Landwirte
Konkrete Erleichterungen würden Landwirten ermöglichen, kurzfristig Anbauentscheidungen zu treffen und Saatgut zu bestellen. Ohne solche Ausnahmen drohen finanzielle Einbußen durch fehlende Ernte und gleichzeitig Prämienverlust, falls ÖPUL-Regeln verletzt werden. Die Kammer sieht in einer befristeten Regelanpassung einen pragmatischen Weg, die Versorgungssicherheit und die ökonomische Basis kleiner und mittlerer Betriebe zu stabilisieren.
Wie rasch das Land Salzburg bzw. das zuständige Ministerium auf die Forderungen reagieren, ist noch offen. Auch die EU-Anfragen zielen darauf ab, auf europäischer Ebene kurzfristige Ausnahmeregeln zu ermöglichen oder zu bestätigen.
Sollte kurzfristig Niederschlag eintreten, wären die vorgeschlagenen Neuanlagen vorbereitet und könnten Futter und Ernteerträge zumindest teilweise sichern. Bleibt der Regen aus, bleibt die Lage angespannt – und die wirtschaftlichen Folgekosten dürften steigen.
Korrespondent: Salzburg