Auf der Radrennbahn in Forst kam es am Sonntag zu einer ungewöhnlichen Entscheidung: Die Deutsche Steher-Meisterschaft wurde wegen anhaltenden Regens abgebrochen, damit blieben die Titelverteidiger Robin Rautzenberg und sein Schrittmacher Sven Lohse vom RSV Chemnitz formal im Besitz ihres Meistertitels, obwohl sie in diesem Jahr keinen Wettkampfkilometer absolvierten.
Wetter zwingt zur Absage
Die Rennleitung hatte die Bahnbeläge nach den Niederschlägen als zu unsicher bewertet. Lohse erklärte die Entscheidung mit klaren Worten:
„Durch den Regen wurde die Bahn nass, so konnte aus Sicherheitsgründen nicht gefahren werden.“Zwar legte der Regen zeitweise eine Pause ein, doch bald setzte er wieder ein; ein Fortsetzen der Rennen war damit nicht vertretbar.
Die Veranstalter hatten zwar versucht, zumindest Teilrennen durchzuführen: Bei den Damen etwa starteten unter anderem die Leipzigerin Olivia Schoppe sowie Eufemia Schmieder (RSC Sachsenblitz Burgstädt), deren Schrittmacher Holger Ehnert war. Doch nach lediglich sechs absolvierten Runden befanden die Kommissäre, dass auch dieser Wettbewerb abgebrochen werden müsse.
Folgen und Organisation
Weil die Finalläufe nicht mehr gefahren wurden, bleiben die Sachsen um Rautzenberg und Lohse vorläufig Titelträger. Die Jury und der nationale Dachverband müssen nun einen neuen Termin finden, um die Meisterschaften ordnungsgemäß abzuschließen. Dazu sagte Lohse gelassen:
„Damit muss man rechnen, wenn unter freiem Himmel gefahren wird.“
- Ort: Radrennbahn Forst
- Betroffene Wettbewerbe: Steher-Herren, Derny-Damen (teilweise gestartet)
- Vorläufiger Zustand: Titelverteidiger behalten bis zur Neuansetzung ihren Meistertitel
| Wettkampf | Status |
|---|---|
| Herren Steher | Abgesagt — keine Fahrten; Titelverteidiger bleiben |
| Damen Derny | 6 Runden gefahren, dann Abbruch |
| Weitere Entscheidungen | Neuer Termin durch nationalen Dachverband erforderlich |
Für den Radsport, die Athletinnen und Athleten wie auch die Veranstalter sind solche Witterungsabbrüche frustrierend: Aufwand, Anreise und Vorbereitungen bleiben bestehen, ein sportliches Ergebnis fehlt aber. Immerhin lagen am Vortag bereits Rennen statt—so holten am Samstag Fabrice Scheffler und Christian Uhlig (beide RSV Chemnitz) im Dernyrennen die Silberne Plakette.
Kuriosität mit Sportrechtlichen Folgen
Der Fall ist formal betrachtet kein Regelbruch, sondern eine Konsequenz der Sicherheitspriorität: Auf nasser Bahn sind bei hohen Geschwindigkeiten und im Windschatten der Schrittmacher-Motorräder Stürze mit erheblichen Verletzungsrisiken wahrscheinlich. Die Entscheidung der Kommissäre folgt damit der üblichen Praxis, Veranstaltungen bei unzureichender Bahnbeschaffenheit zu stoppen.
Für die Fahrerinnen und Fahrer bleibt nun die organisatorische Frage, wann und wie die fehlenden Titelkämpfe nachgeholt werden. Der nationale Dachverband muss einen neuen Termin finden; bis dahin bleiben die bisherigen Titelträger offiziell im Amt. Sportjuristisch könnte die Verschiebung Auswirkungen auf Startrechte, Qualifikationen oder die Rennplanung der kommenden Wochen haben, sofern Fristen für Meisterschaften oder Meldeprozesse betroffen sind.
Für das Publikum indes bleibt die Episode ein Stückchen Sportkuriosität: Ein Meistertitel, gewonnen in der Theorie, bestätigt durch Wetterkapriolen. Und für diejenigen, die Regen als unsportlich empfinden, ist es ein sachlicher, wenn auch etwas bitterer Beleg dafür, dass der Sport oft von den Kräften der Natur abhängt — und nicht selten von der Laune des Wetters.