Die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) könnte über den Schutz vor dem typischen Hautausschlag hinausgehen: Aktuelle Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass eine Immunisierung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und möglicherweise auch vor Demenz schützen kann. Damit rückt die Zoster-Impfung zunehmend in den Fokus der Prävention bei älteren Menschen.
Was ist bekannt über Gürtelrose und Impfschutz
Die Gürtelrose entsteht durch die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus (VZV), das nach einer Windpocken-Infektion im Körper verbleibt. Bei nachlassender zellulärer Immunabwehr – etwa im höheren Alter oder bei immunsuppressiver Therapie – kann das Virus wieder aktiviert werden. Typische Symptome sind ein schmerzhafter, bläschenbildender Hautausschlag in einem dermatomalen Muster sowie brennende, ziehende oder stechende Schmerzen; häufig berichten Betroffene auch über Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber.
Wer ist besonders betroffen
Studien zufolge erkranken im Laufe des Lebens etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen an Gürtelrose. Betroffen sind vor allem Personen ab dem 50. Lebensjahr, Frauen etwas häufiger als Männer. Die Erkrankung kann sehr schmerzhaft verlaufen und in manchen Fällen zu Komplikationen wie einer Postzoster-Neuralgie führen.
| Faktor | Angabe |
|---|---|
| Kumulative Erkrankungswahrscheinlichkeit | 20–30 % |
| Hauptbetroffenes Alter | ab etwa 50 Jahren |
Neue Forschung: Schutz über die Haut hinaus
Forschende untersuchen derzeit, wie eine Zoster-Impfung langfristig das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und neurodegenerative Erkrankungen beeinflussen kann. Erste Befunde legen nahe, dass Geimpfte ein geringeres Risiko für Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen. Ebenso wird die Möglichkeit diskutiert, dass durch Verhinderung von VZV-Reaktivierungen entzündliche Prozesse reduziert werden, die als Mitverursacher für eine Demenzentwicklung gelten.
„Da im Alter die Immunabwehr oft nicht mehr optimal funktioniert, sind vorwiegend Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer“,
erklärt Marisa Kälin, Oberärztin an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich. Ihre Einschätzung unterstreicht die Bedeutung der Impfung gerade für ältere Bevölkerungsgruppen.
Praktische Bedeutung und offene Fragen
Für die Praxis bedeutet das: Eine Zoster-Impfung kann doppelte Vorteile bringen – direkten Schutz vor einer schmerzhaften Hauterkrankung und möglicherweise indirekte Effekte auf Herz und Gehirn. Das würde die Nutzen-Risiko-Abwägung für Impfempfehlungen bei älteren Personen weiter stärken. Dennoch bleiben mehrere Fragen offen, etwa zu Dauer und Stärke des zusätzlichen Schutzes, zu altersabhängigen Effekten und zu möglichen Wirkmechanismen.
- Die Impfung verhindert primär die Reaktivierung des VZV und damit Gürtelrose.
- Beobachtungsdaten deuten auf ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Geimpften hin.
- Ob und wie stark eine Impfung vor Demenz schützt, wird derzeit in Studien geprüft.
Bis belastbare Langzeitdaten vorliegen, bleibt die Empfehlung, insbesondere Personen ab dem 50. Lebensjahr über die Impfmöglichkeiten zu informieren und individuelle Risiken mit dem Hausarzt oder der zuständigen Fachperson im Spital zu besprechen. Die Kommunikation sollte transparent die bekannten Vorteile, potenzielle Zusatznutzen und noch offene Forschungsfragen abwägen.
Die mögliche weitreichende Wirkung einer Zoster-Impfung zeigt, wie Vernetzung biologischer Prozesse – hier Virusreaktivierung, Entzündung und Gefäß- bzw. Hirnverletzungen – die Präventionsstrategie beeinflussen kann. Gesundheitspolitisch könnte dies Auswirkungen auf Impfprogramme und Priorisierungen bei älteren Menschen haben, sollte sich der beobachtete zusätzliche Schutz in robusten Studien bestätigen.