Nach dem Felssturz an der Zugspitze haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit systematischen Messungen begonnen, um die Ursachen des Ereignisses zu klären. Am Freitag starteten Teams der Technischen Universität München (TUM) wissenschaftliche Drohnenflüge; erhoben werden unter anderem Infrarotdaten zur Abschätzung der Oberflächentemperatur des Gesteins, wie die Sprecherin der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus mitteilte.
Vorfall und aktuelle Lage
Der Felssturz ereignete sich in unzugänglichem Gelände der 2.962 Meter hohen Zugspitze und setzte sich über den Tag hinweg fort. Die Abbrüche lösten eine weithin sichtbare Staubwolke aus; es wurden weder Gebäude noch Infrastruktur beschädigt, und Menschen kamen nicht zu Schaden. Neben dem größeren Abgang folgten in den Tagen darauf kleinere Abbrüche, die erneut Staubwolken aufwirbelten. Die Hauptabbruchstelle liegt nach Angaben der Forschenden in rund 2.800 Metern Höhe.
Untersuchungsansatz der Forschenden
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen mit einer Kombination aus Fernerkundung und Geländeanalysen feststellen, ob und in welchem Ausmaß wärmebedingte Prozesse wie Permafrostveränderungen den Felssturz beeinflusst haben. Zu den unmittelbar eingesetzten Methoden zählen:
- Drohnenflüge zur hochauflösenden Kartierung der Abbruchstelle
- Infrarotaufnahmen zur Messung der Oberflächentemperatur im Gestein
- Auswertung historischer Temperaturdaten zur Einordnung des Sommers
Mit den Infrarotdaten hoffen die Forschenden, Rückschlüsse auf das Vorkommen und die Stabilität von Permafrost in der betroffenen Zone ziehen zu können. In größeren Höhen wirkt gefrorener Boden als „Kleber“ im Gestein; schwindet dieser, können Felsmassen leichter auseinanderbrechen.
„Die Vermutung liegt nahe, dass die warmen Temperaturen in diesem Sommer im Zusammenhang mit dem Felssturz stehen können.“
Klimatischer Kontext
Der diesjährige Sommer zählt laut den Forschenden zu den außergewöhnlich warmen Perioden: Er war nach den bisher vorliegenden Aufzeichnungen der zweitwärmste seit 2003. Die Messreihen reichen inzwischen mehr als 100 Jahre zurück; bereits in heißen Sommern wie 2003 waren in den Alpen vermehrt Felsabbrüche dokumentiert worden, etwa am Matterhorn.
| Parameter | Angabe aus Quelle |
|---|---|
| Gipfelhöhe Zugspitze | 2.962 m |
| Abbruchhöhe | rund 2.800 m |
Folgen und Bedeutung für Alpenraum
Die Forschungen haben unmittelbare Bedeutung für die Abschätzung künftiger Gefährdungen im Hochgebirge. Schmelzender Permafrost beeinflusst die Stabilität von Felsflanken großflächig; das hat Auswirkungen auf Sicherheit im Bergtourismus und auf Infrastruktur in alpinen Regionen. Die beobachteten Staubwolken bei den Abbrüchen zeigen, dass solche Ereignisse auch über größere Entfernungen sichtbar und spürbar sind – betroffen sind sowohl deutsche als auch benachbarte österreichische Gemeinden wie Ehrwald, die in der Berichterstattung genannt wurden.
Die Daten der TUM-Drohnenflüge und der Infrarotmessungen müssen noch ausgewertet werden. Erst dann lassen sich belastbare Aussagen über die unmittelbaren Ursachen treffen und mögliche Trends in Häufigkeit oder Ausmaß ähnlicher Ereignisse belastbar beurteilen.
Die laufenden Untersuchungen sind Teil eines breiteren wissenschaftlichen Engagements, das das Verhalten von Permafrost und seine Bedeutung für die Gefährdungslage in den Alpen zu klären versucht. Ergebnisse sollen dazu beitragen, Risikoanalysen zu verfeinern und gegebenenfalls Vorsorgemaßnahmen für Wege, Schutzhütten und andere alpine Einrichtungen besser zu planen.