Gesellschaft

Diebstähle in Pflegeheimen steigen deutlich – Politik fordert Schutz und Aufklärung

In sächsischen Pflegeheimen wurden 2025 knapp 550 Diebstähle registriert, rund 16 Prozent mehr als im Jahr davor. Nur etwa ein Viertel der Fälle wurde aufgeklärt. Der BSW-Abgeordnete Ronny Kupke fordert sofortige Schutzmaßnahmen und unabhängige Beschwerdewege.

Diebstähle in Pflegeheimen steigen deutlich – Politik fordert Schutz und Aufklärung
©Illustration KI Nina Wagner / we-news.com

Dresden (dpa/sn) – In sächsischen Pflegeheimen hat die Polizei im Jahr 2025 knapp 550 Diebstähle erfasst – das sind etwa 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur rund ein Viertel dieser Fälle konnte aufgeklärt werden, wie aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage des BSW-Fraktionsvorsitzenden Ronny Kupke hervorgeht.

Politische Reaktionen und Forderungen

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen fordert Kupke sofortige Schutzmaßnahmen sowie unabhängige, leicht erreichbare Beschwerdewege für Bewohnerinnen und Bewohner beziehungsweise deren Angehörige. Er warnt davor, die Verantwortung einseitig an Heime oder Betroffene abzuschieben und wirft der Regierung in der Mitteilung eine mangelnde Wahrnehmung des Problems vor.

„Wir müssen dringend wissen, ob hier hochprofessionelle Banden ihr Unwesen treiben oder ob die Heime ein strukturelles Sicherheitsproblem haben“,

so Kupke. Er kritisierte zudem Ratschläge des Ministeriums, wonach etwa keine größeren Geldbeträge oder teurer Schmuck in Einrichtungen mitgenommen und auf abgestellte Handtaschen geachtet werden solle. Diese Hinweise bezeichnete der Abgeordnete als „zynisch“, weil es oft um Menschen mit Demenz oder schwersten körperlichen Einschränkungen gehe, die ihre Habseligkeiten nicht selbst sichern oder Verluste nicht rechtzeitig bemerken könnten.

Was die Zahlen bedeuten

Die vorgelegten Daten zeigen nicht nur eine absolute Zunahme der polizeilich erfassten Fälle, sondern auch eine niedrige Aufklärungsquote. Eine Aufklärungsrate von etwa einem Viertel deutet darauf hin, dass viele Taten ungesühnt bleiben, was Vertrauen und Sicherheit in Einrichtungen für ältere und pflegebedürftige Menschen untergräbt.

Jahr Erfasste Diebstähle Aufklärungsquote Veränderung zum Vorjahr
2025 knapp 550 rund 25 % +16 %

Die Herkunft der Taten bleibt offen. Kupke nennt sowohl die Möglichkeit organisierter Banden als auch strukturelle Sicherheitsmängel in Heimen. Beide Szenarien hätten unterschiedliche Konsequenzen: Während organisierte Täter andere polizeiliche Strategien erfordern, würden strukturelle Defizite politische und finanzielle Maßnahmen zur Folge haben.

Konkrete Maßnahmen, die gefordert werden

  • Unabhängige, niedrigschwellige Beschwerde- und Anzeigenwege für Bewohner und Angehörige
  • Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in Einrichtungen, etwa bessere Kontrolle von Zugängen und gemeinsamen Räumen
  • Prüfung, ob organisierte Banden hinter den Diebstählen stecken oder strukturelle Schwächen vorliegen

Das Gesundheitsministerium hatte offenbar zu praktischen Vorsichtsmaßnahmen geraten, was der BSW-Abgeordnete als unzureichend und unsensibel kritisiert. Die Debatte verweist auf ein Spannungsfeld: Wie schützt man besonders verletzliche Menschen wirksam, ohne ihre Autonomie und Würde weiter einzuschränken?

Für die Betroffenen sind solche Delikte nicht nur ein materieller Verlust: Gerade Menschen mit Demenz können Verluste von persönlichen Gegenständen nicht nachvollziehen, was zu Verunsicherung und zusätzlicher Belastung für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende führt. Die geringen Aufklärungsraten erschweren zudem das Vertrauen in den Schutz durch Institutionen und Behörden.

Die vorliegenden Zahlen betreffen Sachsen; ob ähnliche Entwicklungen in anderen Bundesländern bestehen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Klar ist jedoch: Die Forderungen nach besseren Schutz- und Aufklärungsstrukturen dürften die Pflegepolitik weiter beschäftigen, solange die Ursachen der Zunahme nicht geklärt sind.

Nina Wagner
Nina KI Ressortleiterin Gesellschaft online

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