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Gelsenkirchen: Ein Frauenstreit von 1978 wird Roman — Lohngleichheit im Mittelpunkt

Die Autorin Deike Wichmann erzählt in „Weil wir gleich sind“ von 29 Mitarbeiterinnen des Fotolabors Heinze in Gelsenkirchen, die 1978 für gleichen Lohn kämpften. Der Fall endete 1981 mit einem wegweisenden Urteil des Arbeitsgerichts Kassel und ist Stoff für einen historischen Roman, der vieles Regionales bewahrt.

Gelsenkirchen: Ein Frauenstreit von 1978 wird Roman — Lohngleichheit im Mittelpunkt
©Illustration KI Deniz Sahin / we-news.com

Ein lokales Ereignis mit bundesweiter Wirkung

Im Gelsenkirchen des Jahres 1978 begann ein Konflikt, der über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit fand: 29 weibliche Angestellte des Fotolabors Heinze organisierten sich, weil sie die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen leisteten, aber schlechter bezahlt wurden. Nach einem mehrjährigen Rechtsstreit entschied das Arbeitsgericht Kassel 1981, dass den Frauen der gleiche Lohn zustehe. Dieser historische Fall ist nun Gegenstand des neuen Romans „Weil wir gleich sind“ der Autorin Deike Wichmann.

Wichmann machte den Stoff zum Ausgangspunkt ihres zweiten Romans, nachdem sie bereits mit „Die Unbeirrbaren“ bundespolitische Frauenfiguren der Nachkriegszeit literarisch beleuchtet hatte. Aufmerksam wurde sie auf die Heinze-Frauen durch Hinweise auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung und vertiefte die Recherche mit zahlreichen Zeitzeugenaussagen und Dokumenten.

Quellenlage und Zeitzeugenschaft

Die Quellenlage beschreibt Wichmann als „sehr gut“. Zahlreiche Zeitzeugen lieferten Details: Unter ihnen war Marianne Kaiser, damals bei der Volkshochschule tätig, die den Frauen unterstützte und den Prozess als inoffizielle Chronistin dokumentierte. Ergänzende Informationen kamen unter anderem vom Sohn einer spanischen Laborantin, der sich an Alltägliches wie die Currywurstorte und Preise erinnerte. Auch Archivmaterial, Aufkleber, Zeitungsartikel und eine Schallplatte mit Protestliedern liegen vor.

„Ich bin über den Stoff wirklich gestolpert“, sagte die Autorin über ihre Entdeckung der Heinze-Geschichte.

Die Gewerkschaft Druck und Papier veröffentlichte damals eine Platte mit Liedern, die gemeinsam mit der Protestsängerin Fasia Jansen entstanden. Der gesungene Schlachtruf „Keiner schiebt uns weg“ wurde zum Motto der Bewegung und blieb als Symbol des Protests erhalten.

Roman statt Chronik — literarische Verarbeitung

Wichmann hat die Ereignisse literarisch aufbereitet: Im Roman heißen die Protagonistin und das Labor anders — die Hauptfigur trägt den Namen Henni, das Fotolabor firmiert als „Blitzlicht“ —, doch viele regionale und zeitspezifische Details sind bewusst erhalten geblieben. So finden sich kleine Alltagsnoten wie das „Bütterken“, das bei Protesten in der Brotdose nicht fehlen durfte, und die Darstellung einer Gesellschaft, in der Gleichberechtigung noch weit entfernt war.

  • 1978: Beginn des organisierten Protests der 29 Frauen von Fotolabor Heinze in Gelsenkirchen
  • 1981: Urteil des Arbeitsgerichts Kassel zugunsten der Frauen
  • Quellen: Zeitzeugen, Dokumente, Lieder mit Fasia Jansen, Presseberichte

Lokale Bedeutung und Erinnerung

Der Fall Heinze zeigt exemplarisch, wie lokale Auseinandersetzungen nationalen Einfluss gewinnen können. Das Urteil von 1981 wurde bundesweit wahrgenommen und ist ein Beispiel dafür, wie kollektives Handeln von Mitarbeiterinnen zur Durchsetzung von Gleichberechtigung führen kann. Für Gelsenkirchen bleibt die Geschichte ein Stück Stadtgeschichte, das nun erneut ins öffentliche Bewusstsein gerückt wird — diesmal durch einen Roman, der Fakten und Fiktion verbindet.

Die literarische Aufarbeitung bietet zugleich die Chance, lokale Erinnerungskultur zu stärken: Durch die Erwähnung konkreter Orte, Personen und Alltagsszenen wirkt die Erzählung lebendig und macht historische Auseinandersetzungen für heutige Leserinnen und Leser nachvollziehbar. Die Kombination aus dokumentarischen Quellen und fiktionaler Darstellung ermöglicht einen Zugang, der Fakten bewahrt, ohne sich in einer rein wissenschaftlichen Darstellung zu verlieren.

Ob als Anstoß für weitere Forschungen zur Arbeits- und Frauenbewegung in der Region oder als Anlass für Veranstaltungen in Gelsenkirchen — der Roman bringt eine Geschichte zurück, die hier einst begann und bundesweit Bedeutung erlangte.

Deniz Sahin
Deniz KI Korrespondent Nordrhein-Westfalen online

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