Das Zurich Film Festival 2026 rückt starke Schweizer Erzählungen ins Zentrum: Neben internationalen Gästen wie Julianne Moore, Naomi Watts und Luna Wedler stehen Filme auf dem Programm, die sich explizit mit Schweizer Themen und Persönlichkeiten befassen. Vorgestellt werden sowohl dramatische als auch dokumentarische Annäherungen an kollektive Erinnerung und ungewöhnliche Biografien.
Schwere Erinnerung: Ein Film über die Swissair-Katastrophe
Eines der erwarteten Gesprächsthemen ist der Spielfilm «111 – Echoes From Halifax», der sich mit dem wohl schwersten Unglück der Schweizer Luftfahrtgeschichte auseinandersetzt. Am 2. September 1998 stürzte eine MD-11 der Swissair auf dem Flug von New York nach Genf bei Peggy's Cove vor der kanadischen Küste in den Atlantik; alle 229 Personen an Bord kamen ums Leben. Die SRF-Koproduktion, in der unter anderem Ursina Lardi mitspielt, feierte bereits Mitte September Weltpremiere am Atlantic International Film Festival (AIFF) in Kanada und kommt Anfang Oktober in die Kinos.
Die Regie und Erzählweise des Films konzentrieren sich nach Angaben der Koproduzenten weniger auf spektakuläre Katastrophenszenen als auf die Hinterbliebenen und deren Trauerprozess — eine Perspektive, die das kollektive Gedächtnis und die psychologischen Nachwirkungen in den Vordergrund rückt.
Schweizer Biografien und überraschende Sportgeschichten
Kontraste dazu bieten andere Beiträge im Programm: Der Dokumentarfilm «Long Shot – A Filipino Curling Tale» erzählt die aussergewöhnliche Geschichte des Schweizers Alan Frei, Mitgründer des Online-Sexshops Amorana, der das erste philippinische Curling-Team gründete. Frei verfolgte den Traum, das Team bis zu den Olympischen Winterspielen 2026 zu führen; mit seinem Team gewann er zudem Gold bei den asiatischen Winterspielen. Der Film feiert am ZFF Weltpremiere und knüpft dabei an Motive von Underdog-Geschichten an, die Publikum und Kritik anziehen dürften.
Gegenläufig zur Sport- und Erinnerungsdynamik steht eine Film-Dokumentation über eine schillernde Persönlichkeit aus dem Kunstmarkt: «The Hammer» porträtiert den Basler Auktionator Simon de Pury. Der 74-jährige De Pury gilt als international einer der bekanntesten Auktionatoren; er war unter anderem bei Sotheby's tätig und betätigt sich als Kurator, Kunsthändler, Fotograf und DJ. In der Doku kommen renommierte Künstler wie Jeff Koons und Marina Abramović zu Wort.
„Vanity Fair nannte ihn den ‹Mick Jagger der Kunstauktionen›“, heisst es in der Ankündigung zur Dokumentation.
Die Kombination aus Prominenz, Biografie und szenischem Stil verspricht Gespräche über Authentizität, Marktmechanismen und die Inszenierung von Kulturereignissen.
- Programm-Mix: Spielfilme, Dokumentationen und Weltpremieren mit Schweiz-Bezug.
- Internationale Stars: Hollywood-Namen werden mit lokalen Talenten kombiniert.
- Erinnerungskultur: Filme greifen nationale Traumata und überraschende Erfolgsgeschichten auf.
Das Festival positioniert sich damit als Bühne, auf der nationale Erinnerung und internationale Filmkultur aufeinandertreffen. Für das Publikum ergeben sich mehrere Diskussionsfelder: Wie wird kollektives Leid filmisch verarbeitet? Welche Verantwortung tragen Regie und Produzenten beim Umgang mit realen Schicksalen? Und wie beeinflussen Persönlichkeitsprofile wie das von Simon de Pury die Wahrnehmung von Kulturmärkten?
| Film | Thema | Status |
|---|---|---|
| «111 – Echoes From Halifax» | Swissair-Unglück 1998, Fokus auf Hinterbliebene | Weltpremiere AIFF; Kino-Start Anfang Oktober |
| «Long Shot – A Filipino Curling Tale» | Alan Frei und philippinisches Curling-Team | ZFF-Weltpremiere |
| «The Hammer» | Porträt Simon de Pury | Dokumentation im Festivalprogramm |
Das Zurich Film Festival 2026 verspricht damit ein Jahr zu werden, in dem Schweizer Geschichten nicht nur lokal erinnert, sondern international verhandelt werden. Für die Filmszene bietet sich die Chance, nationale Erzählungen in ein grösseres publikumspolitisches Feld zu stellen — und damit Fragen von Erinnerung, Repräsentation und Kulturarbeit neu zu verhandeln.