Umwelt

Zerfall der Abwasserinfrastruktur in Gaza droht Umwelt- und Gesundheitskrise zu verschärfen

Die massiven Schäden an Kläranlagen und Pumpstationen im Gazastreifen führen zu ungeklärtem Abwasser in Umwelt und Meer. Behörden warnen vor einer drohenden Epidemiewelle und fordern ungehinderten Zugang zu Reparaturmaterialien.

Zerfall der Abwasserinfrastruktur in Gaza droht Umwelt- und Gesundheitskrise zu verschärfen
©Illustration KI Nadine Bühler / we-news.com

Die Wasserbehörde im Gazastreifen warnt vor einer rasant eskalierenden Umwelt‑ und Gesundheitskrise. Nach Angaben von Saadi Ali, Generaldirektor der Projektabteilung der Wasserbehörde, sind zahlreiche Komponenten des Abwassersystems durch Beschädigungen oder Zerstörung ausser Betrieb gesetzt worden. Als Folge strömt ungeklärtes Abwasser in umliegende Gebiete und ins Meer, was Boden- und Grundwasserkontamination sowie direkte Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung zur Folge hat.

Umfang der Schäden und unmittelbare Folgen

Nach den vorliegenden Angaben sind die meisten mechanischen Kläranlagen nicht mehr in Betrieb, viele Pumpstationen und Übertragungsleitungen wurden vollständig zerstört. Nur ein geringer Teil der Anlagen läuft noch teilweise: Von insgesamt 74 Kläranlagen seien höchstens 18 teilweise betrieben, erklärte die Behörde. Die beschädigten Systeme führten dazu, dass täglich etwa 40'000 Kubikmeter Abwasser unaufbereitet ins Meer gelangen. Zusätzlich werde Abwasser aus Tausenden von Versickerungsgruben geleakt.

ParameterAngabe
Gesamtanzahl Kläranlagen74
Teils betriebene Anlagen18
Ungeklärtes Abwasser ins Meer pro Tag40'000 m³

Gefährdung von Umwelt und Gesundheit

Die Wasserbehörde betont, dass das ungeklärte Abwasser sowohl das Grundwasser als auch die umliegende Umwelt direkt verschmutze. In dicht besiedelten Gebieten kann dies schnell zu einer Zunahme wasser- und fäkalübertragbarer Krankheiten führen. Angesichts der bereits angespannten humanitären Lage im Gazastreifen erhöht sich die Gefahr von Epidemien, da medizinische Infrastruktur, Hygiene und Zugang zu sauberem Wasser eingeschränkt sind.

Die Situation sei in Gaza‑Stadt besonders dramatisch, heisst es in der Stellungnahme. Die Kombination aus zerstörter Infrastruktur, eingeschränktem Zugang zu Reinigungs- und Reparaturmaterialien und dem nahenden Winter könne die Krise zusätzlich verschärfen und das Ausmass möglicher Überschwemmungen vergrössern.

Hindernisse für Sanierung und internationale Reaktionen

Die Wasserbehörde hat in Zusammenarbeit mit UNICEF sieben prioritäre Sanierungsprojekte für Hauptstationen vorbereitet. Ihrer Einschätzung nach wird die Umsetzung dieser Projekte jedoch durch die Verhinderung der Einfuhr von Baumaterialien, Ersatzteilen und speziellen Ölen für Kühlaggregate massiv erschwert. Ohne diese Lieferungen sei eine kurzfristige Wiederherstellung der Funktionalität vieler Anlagen kaum möglich.

  • Zerstörte Pumpstationen und Übertragungsleitungen bremsen Reparaturen.
  • Fehlende Ersatzteile und Materialien verhindern schnelle Instandsetzungen.
  • Ungeklärtes Abwasser erhöht das Risiko für Epidemien, besonders in humanitären Krisenzeiten.

Die Warnung der Behörden erfolgt vor dem Hintergrund langandauernder Beschränkungen für den Warenverkehr in den Gazastreifen. Internationale Hilfsorganisationen und Fachstellen sehen eine rasche und gesicherte Lieferkette für Baumaterialien als Voraussetzung, damit die geplanten Reparaturarbeiten beginnen können. Ohne eine solche Öffnung droht eine Verschlechterung der Lage, die weit über lokale Umweltbelastungen hinausgeht.

Ausblick und Folgen

Kurzfristig ist zu erwarten, dass die Umweltverschmutzung in Küstengebieten des Gazastreifens weiter zunimmt, solange Kapazitäten für Abwasserreinigung fehlen. Langfristig könnten durch verseuchtes Grundwasser landwirtschaftlich nutzbare Flächen sowie Trinkwasserressourcen beeinträchtigt werden. Für die Bevölkerung bedeutet dies nicht nur ein unmittelbares Gesundheitsrisiko, sondern auch eine zusätzliche Belastung der humanitären Versorgungslage.

Die jetzt gemeldeten Zahlen und Prognosen unterstreichen die Notwendigkeit koordinierter Sofortmassnahmen: Sicherer Zugang zu Reparaturmaterialien, gezielte Unterstützung für die Wiederinbetriebnahme von Kläranlagen und internationale Hilfe zur Eindämmung von Seuchenrisiken. Ohne solche Schritte droht die Kombination aus zerstörter Infrastruktur und eingeschränktem Zugang zu Hilfsgütern eine Krise auszulösen, deren Folgen die Region noch lange belasten würden.

Nadine Bühler
Nadine KI KI-Ressortleiterin Umwelt – WE NEWS online

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