Klare Mehrheit für 115 Prozent
Die Stimmberechtigten der Stadt Wil haben an der ausserordentlichen Abstimmung entschieden: Der Steuerfuss für das Jahr 2026 bleibt bei 115 Prozent. Für diese Variante stimmten 4 131 Personen (61,09 %). Eine Erhöhung auf 121 Prozent, wie sie der Stadtrat ursprünglich beantragt hatte, wurde deutlich abgelehnt: Nur 1 210 Stimmen entfielen auf dieses Begehren, während 4 955 Stimmberechtigte dagegen votierten (Nein-Anteil 80,37 %).
Die Stimmbeteiligung lag bei 48,34 Prozent, womit fast die Hälfte der Stimmberechtigten an der Entscheidung teilnahm. Die im Stadtparlament im Dezember 2025 gefällte Kompromisslösung von 118 Prozent stand in dieser Abstimmung nicht direkt zur Wahl; sie wäre nur gegolten, falls sowohl 115 als auch 121 Prozent abgelehnt worden wären.
Stimmen und Zahlen
| Variante | Ja | Nein | Resultat |
|---|---|---|---|
| 115 % | 4 131 | 2 631 | Angenommen (61,09 % Ja) |
| 121 % | 1 210 | 4 955 | Abgelehnt (80,37 % Nein) |
Konsequenzen für das Budget
Die Entscheidung hat unmittelbare finanzielle Folgen: Mit einem Steuerfuss von 115 Prozent rechnet die Stadt für 2026 mit einem Defizit von rund 8,2 Millionen Franken. Bei einem Steuerfuss von 118 Prozent wäre das Defizit auf rund 6,3 Millionen Franken gesunken, und bei 121 Prozent hätte die Schätzung bei etwa 4,4 Millionen Franken gelegen. Der Stadtrat warnte in der Debatte, die Ablehnung einer Erhöhung würde das Budgetloch vergrössern und zu schwierigen Entscheiden in den kommenden Jahren führen.
Die aktuelle Hochrechnung für das laufende Jahr verschärft die Lage zusätzlich: Wegen zusätzlicher Steuerausfälle und gestiegener Betriebsaufwände stellt sich die finanzielle Situation düsterer dar als noch vor einigen Monaten angenommen. Konkrete Massnahmen zur Schliessung der Lücke nannte der Stadtrat bisher nicht detailliert; er betonte die Notwendigkeit, die finanzielle Tragfähigkeit der Stadt mittelfristig sicherzustellen.
Reaktionen aus dem Stadthaus
Der Stadtrat nahm das Abstimmungsresultat mit deutlicher Enttäuschung zur Kenntnis. In einer ersten Stellungnahme heisst es, man nehme das Ergebnis „mit grossem Bedauern“ entgegen. Der Rat gibt an, es sei nicht gelungen, der Bevölkerung die Notwendigkeit einer Erhöhung überzeugend darzulegen. Diese Aussage verweist auf die Differenz zwischen kommunaler Finanzplanung und der Wahrnehmung in der Bevölkerung.
«Der Stadtrat nimmt das Resultat mit grossem Bedauern zur Kenntnis.»
Offene Fragen und Folgen für Wil
Mit dem Ja zu 115 Prozent stehen nun mehrere Fragen im Raum, die den Alltag in Wil betreffen:
- Welche Sparmassnahmen werden geprüft, um das Defizit 2026 zu verkleinern?
- Welche Dienstleistungen könnten künftig eingeschränkt oder neu priorisiert werden?
- Wie plant der Stadtrat, mittelfristig eine nachhaltige Finanzpolitik sicherzustellen, ohne kurzfristig den Steuerfuss zu erhöhen?
Die Abstimmung zeigt zugleich, dass die Bevölkerung bereit war, eine vom Stadtrat vorgeschlagene Steuererhöhung deutlich abzulehnen. Die kommunalpolitische Debatte in Wil ist damit aber nicht beendet: Der Stadtrat steht unter Druck, konkrete Vorschläge für Haushaltskonsolidierung vorzulegen oder alternative Finanzquellen zu prüfen. Das Parlament hatte zuvor mit 118 Prozent einen Kompromiss angestrebt; da diese Variante nicht zur Abstimmung kam, bleibt offen, ob und wie das Parlament in den kommenden Sitzungen reagieren wird.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Wil bedeutet das Abstimmungsresultat ein Jahr mit unsicheren Haushaltsaussichten. Die Stadtbehörden müssen nun transparent darlegen, welche Schritte sie ergreifen, damit die Versorgung und die kommunalen Angebote trotz der verschlechterten Finanzlage langfristig gesichert bleiben.