Wandern bleibt eine der wichtigsten Freizeitaktivitäten im Tourismus — und entwickelt sich weiter. Laut der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) verbrachten ausländische Gäste, die 2025 in Deutschland wanderten, im Schnitt 8,2 Nächte im Land. Das sind im Mittel eine Nacht mehr als andere internationale Gäste. Diese längere Aufenthaltsdauer schlägt sich direkt in zusätzlicher Wertschöpfung für die Regionen nieder.
Mehr als gemütliche Spaziergänge: die Vielfalt des Wanderns
Die Szene differenziert sich zunehmend. Während manche Erholung in der Stille der Natur suchen oder pilgern, entdecken andere Städte beim Urban Hiking. Wieder andere suchen den sportlichen Reiz und melden sich für anspruchsvolle Wettbewerbe an. Beispiele aus Deutschland zeigen, wie unterschiedliche Formate Gäste anziehen und Regionen beleben:
- Der Wandermarathon im Frankenwald zieht Hunderte Teilnehmende aus dem In- und Ausland an und ist oft rasch ausverkauft.
- Im Harz werden regelmässig Wandermärsche angeboten.
- Der Fichtelbergmarsch führt von Chemnitz zum Fichtelberg an einem Tag — mehr als 60 Kilometer und rund 1'700 Höhenmeter.
Die Veranstalter reagieren somit auf eine Nachfrage nach intensiveren, sportlichen Erlebnissen. Solche Formate verlängern Aufenthalte, füllen Betten ausserhalb der klassischen Saison und schaffen zusätzliche Einnahmen für Gastgeber, Gastronomie und lokale Dienstleister.
Neue Angebote: Stoneman Miriquidi Hike + Trailrun
Ein aktuelles Beispiel für innovative Produktentwicklung ist der Stoneman Miriquidi Hike + Trailrun. Das Angebot richtet sich an Wandernde und Trailrunner und bietet zwei Streckenlängen:
| Variante | Distanz | Dauer |
|---|---|---|
| Hike | 62 km | an drei Tagen |
| Trailrun | 86 km | an zwei oder einem Tag |
Solche Formate erlauben flexible Teilnahmeformen und sprechen ein breites Publikum an — von Mehrtageswandernden bis zu leistungsorientierten Trailrunnern.
Regionale Strategien gegen Saisonschwankungen
Insbesondere Mittelgebirgsregionen nutzen Wandern, um die Saison zu verlängern. Wo im Winter weniger Schnee liegt, setzen Regionen verstärkt auf Mountainbiking und Wandern, um Hotels und Pensionen ganzjährig besser auszulasten. In grenznahen Gebieten, wie der als UNESCO‑Welterbe anerkannten Bergbauregion im Erzgebirge, profitieren Gastgeber von grenzüberschreitenden Wegen und gemeinsamen Angeboten.
«Es gibt ganz viele, die das Erzgebirge noch nicht kennen», sagt Natascha Heinrich, Hotelchefin in Oberwiesenthal, und zeigt so die Hoffnung der lokalen Betriebe, dass neue Angebote Wiederkehrer generieren.
Heinrich betont zudem, dass Wandern gut mit anderen Anlässen kombiniert werden könne, etwa mit Tagungen oder Kursen wie Yoga. Solche Kombinationen erhöhen die Attraktivität für unterschiedliche Zielgruppen und schaffen zusätzliche Erlösquellen.
Konsequenzen für Gastgeber und Gemeinden
Die Entwicklungen bedeuten für Touristiker und Gemeinden konkret:
- Investitionen in Infrastruktur und Vermarktung lohnen sich, weil längere Aufenthalte höhere Einnahmen bringen.
- Flexible Produktangebote (kurze bis mehrtägige Formate) erreichen verschiedene Zielgruppen.
- Kooperationen über Regionen und Grenzen hinweg sowie Event‑Termine (z. B. Eurorando, Deutscher Wandertag) erhöhen die Sichtbarkeit.
Für Freizeitende ist die Botschaft klar: Es lohnt sich, neue Formate auszuprobieren — vom anspruchsvollen Wandermarathon bis zur kombinierten Kurzreise mit Kultur oder Wellness. Gastgeber, die diese Vielfalt anbieten und gut kommunizieren, können Gäste häufiger und länger willkommen heissen.
Die Zahlen der DZT und die vorgestellten Veranstaltungsbeispiele zeigen, dass Wandern heute weit mehr ist als ein Spaziergang: Es ist ein Wirtschaftsmodell, das Regionen nachhaltig stärken kann.