Der Kanton Waadt hat eine neue, freiwillige Sicherheitsausbildung für Hobby-Jäger lanciert und stellt dafür jährlich CHF 2’500 zur Verfügung. Die erste Kursdurchführung fand im Nordwaadtland statt und zog rund 130 Hobby-Jäger an, laut Medienberichten eine Premiere in der Romandie. Der Regierungsrat prüft zudem, ob eine Pflichtausbildung künftig nötig wird.
Hintergrund: Ein tödlicher Vorfall als Auslöser
Die Initiative ist ausgelöst worden durch einen schwerwiegenden Unfall vom 24. November 2024 in Oulens-sous-Échallens. Bei einer Wildschweinjagd gab ein damals rund 80-jähriger Hobby-Jäger von einer Anhöhe aus sogenannte Scheuchschüsse ab, um Wildschweine aus dem Dickicht zu treiben. Eine Kugel traf einen 64-jährigen Jagdkollegen aus dem Kanton Freiburg, der weiter unten postiert war, tödlich am Kopf.
RTS zitierte den Vorfall teils mit dem Ausdruck, es habe sich um „einen seiner Mitschüler“ gehandelt.
Diese Formulierung erweckt den Eindruck eines Unfalls in Schulungs- oder Ausbildungskontexten. Tatsächlich handelte es sich jedoch um einen Zwischenfall unter routinierten Jagdkollegen und nicht um einen Unfall während einer offiziellen Ausbildung.
Rechtliche Folgen für den Schützen
Im Mai 2026 wurde der damals 80-Jährige wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Strafmass umfasste zehn Monate bedingt, eine Busse von CHF 2’000 sowie eine finanzielle Leistung an die Familie des Opfers von rund CHF 75’000. Zusätzlich verhängte das Gericht ein auf drei Jahre verkürztes Jagdverbot, das so ausgestaltet wurde, dass der Verurteilte weiterhin seinen Enkel bei der Hobby-Jagd begleiten darf.
| Massnahme | Umfang |
|---|---|
| Bedingte Freiheitsstrafe | 10 Monate |
| Busse | CHF 2’000 |
| Schadenersatz an Familie | ca. CHF 75’000 |
| Jagdverbot | 3 Jahre (eingeschränkt) |
Unfallzahlen und Einordnung
In den Berichten wird auch auf Unfallstatistiken verwiesen: Gemäss ChasseSuisse werden «300 gemeldete Jagdunfälle pro Jahr» genannt, daneben taucht die Zahl von 23 Todesfällen in zehn Jahren auf. Diese Zahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und wurden in der Berichterstattung nebeneinandergestellt, ohne die verschiedenen Datengrundlagen zu erklären. Die Angabe von 300 Fällen bezieht sich auf die UVG-Unfallversicherungsstatistik und erfasst dementsprechend nur meldepflichtige Fälle innerhalb dieses Systems.
Was der neue Kurs bietet — und was offen bleibt
Der kantonale Kurs ist freiwillig und richtet sich an Hobby-Jäger, die ihre Kenntnisse in Sicherheitsverhalten auffrischen wollen. Konkrete Inhalte, Dauer und Prüfungsmodalitäten des Angebots hat der Kanton in den bisher verfügbaren Angaben nicht detailliert publiziert. Der Finanzbeitrag von CHF 2’500 pro Jahr soll die Durchführung unterstützen; ob diese Summe genügt, hängt von der Teilnehmerzahl und den organisatorischen Aufwendungen ab.
- Erste Durchführung: rund 130 Teilnehmende im Nordwaadtland.
- Finanzierung: kantonale Unterstützung von CHF 2’500 jährlich.
- Prüfung einer Pflichtausbildung: in Abklärung, keine definitive Entscheidung.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Das Angebot richtet sich an eine breite Zielgruppe: neben aktiven Hobby-Jägern sind auch Landbesitzerinnen, Forstleute und Gemeinden an sichereren Abläufen bei gemeinsamer Jagd und Abschussaktionen interessiert. Ob die Massnahme die Zahl von Unfällen nachhaltig senken kann, wird von mehreren Faktoren abhängen: Qualität der Ausbildung, Verbindlichkeit der Teilnahme und eine klare Kommunikation der Regeln bei gemeinschaftlichen Jagden.
Der Kanton prüft derzeit, ob eine Pflichtausbildung eingeführt werden soll. Eine solche gesetzliche Änderung würde weitreichendere Diskussionen auslösen — etwa über Vollzugsaufwand, Übergangsfristen und die Verantwortung von Jagdvereinen. Bis dahin bleibt das Angebot freiwillig; die ersten Rückmeldungen aus dem Nordwaadtland zeigen jedoch, dass ein Interesse an strukturierter Sicherheitsschulung vorhanden ist.
Langfristig wird entscheidend sein, wie der Kanton und die lokalen Jagdverbände die Ausbildung ausgestalten, wie Unfallstatistiken vergleichbar gemacht und wie präventive Massnahmen in die Praxis umgesetzt werden. Die jüngsten Ereignisse haben die Debatte über Sicherheit im Revier erneut befeuert und den Ruf nach klaren, abgestimmten Regeln verstärkt.