Das Ministerium für Bildung und Ausbildung Vietnams hat ein Paket zentraler Aufgaben und Lösungsansätze für das Schuljahr 2026–2027 veröffentlicht. Im Zentrum stehen eine Umstrukturierung des Lehrplans, eine Überarbeitung der Lehrbücher und eine Neujustierung von Prüfungs- und Zugangssystemen zu Hochschulen. Ziel sei es, die Qualität der Vorschul- und Allgemeinbildung zu erhöhen, Disziplin und Sicherheit an Schulen zu stärken und das Bildungssystem praxisnäher zu gestalten.
Schwerpunkte der Reformen
Die angekündigten Massnahmen betreffen mehrere Bereiche des Unterrichts und der Schulorganisation. Konkret plant das Ministerium unter anderem:
- eine Straffung der Inhalte und eine Verbesserung der Qualität des regulären Unterrichts;
- die Umstellung auf zwei Sitzungen pro Tag, um den praktischen Gegebenheiten besser Rechnung zu tragen;
- die Stärkung von praktischen Aktivitäten, Erfahrungen, MINT‑Bildung, Fremdsprachen, digitalen Kompetenzen und dem gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz;
- mehr Gewicht für Kunst und Sport sowie die Förderung von Lebenskompetenzen, Gesundheit und sozialer Verantwortung;
- die Reduktion von unnötigen Wettbewerben, administrativem Aufwand und Besprechungen, damit Lehrpersonen sich auf ihre professionelle Weiterentwicklung konzentrieren können;
- eine umfassende Überarbeitung von Lehrplan und Lehrbüchern, um neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Bildung als Wertevermittlung und geordnete Schulumgebung
Das Ministerium betont, dass die Vermittlung nationaler Geschichte und Kultur sowie patriotischer Traditionen künftig stärker im Mittelpunkt stehen soll. Ebenso werden Ethik, Lebensstil und soziale Verantwortung als Bestandteil einer ganzheitlichen Bildung hervorgehoben. Ausserdem soll ein diszipliniertes, geordnetes und gesundes Schulklima geschaffen werden. In der Mitteilung findet sich dazu die prägnante Formulierung:
«Lehrer sich wie Lehrer und Schüler sich wie Schüler verhalten»
Diese Formulierung fasst die Absicht zusammen, klare Rollen und Verhaltensnormen an Schulen zu etablieren, um Lernprozesse zu erleichtern und ein geregeltes Umfeld zu gewährleisten.
Prüfungen und Hochschulzugang: Effizienz, Fairness, Transparenz
Ein weiterer Schwerpunkt sind Prüfungen, Tests und Bewertungsmethoden. Das Bildungsministerium kündigt an, bestehende Modelle zu prüfen und neu zu gestalten, «um einen substanzielleren Ansatz zu verfolgen und die Fähigkeiten und Fortschritte der Schülerinnen und Schüler präzise zu erfassen». Dabei sollen auch das Abiturmodell und die Hochschulzugangsprüfung optimiert werden. Vorgaben sind Effizienz, mehr Gerechtigkeit und höhere Transparenz. Gleichzeitig wolle man sozialen Druck und Kosten reduzieren. Die Behörden betonen zudem, dass bei allen Änderungen die Seriosität und Sicherheit der Prüfungen gewahrt sowie Betrug und unlautere Praktiken verhindert werden sollen.
Zusammenfassung der Kernpunkte
Die angekündigten Massnahmen zielen auf eine breit angelegte Modernisierung des schulischen Angebots und der Prüfungsarchitektur. Das Ministerium setzt dabei insbesondere auf die Bündelung von Inhalten und die Förderung praktischer sowie digitaler Kompetenzen. Wichtig ist auch die Entlastung der Lehrpersonen von administrativen Tätigkeiten, damit sie sich stärker ihrer pädagogischen Arbeit widmen können.
| Bereich | Geplante Massnahmen |
|---|---|
| Lehrplan/Lehrmittel | Umfassende Überarbeitung, Straffung der Inhalte |
| Unterrichtsorganisation | Umstellung auf zwei Sitzungen pro Tag, Ausbau praktischer Aktivitäten |
| Kompetenzen | MINT, Fremdsprachen, digitale Skills, gezielter KI‑Einsatz, Kunst & Sport |
| Prüfungen | Optimierung von Abitur und Hochschulzugang: fairer, effizienter, transparenter |
Die Ankündigung ist breit angelegt, liefert jedoch keine detaillierten Zeitpläne, konkrete finanzielle Angaben oder eine Aufschlüsselung nach Altersstufen. Entscheidend für die Umsetzung werden künftig Vorgaben zur Finanzierung, zur Ausbildung und Fortbildung von Lehrpersonen sowie zur Evaluation der Reformschritte sein. Ebenso wichtig bleibt, wie die angekündigten Änderungen in den einzelnen Provinzen und Schulen praktisch umgesetzt werden und wie die Qualitätssicherung ausgestaltet wird.
Die Mitteilung des Ministeriums markiert einen deutlichen politischen Schwerpunkt: Bildung soll nicht allein Wissensvermittlung sein, sondern stärker auf Kompetenzen, gesellschaftliche Verantwortung und auf ein geordnetes Lernumfeld ausgerichtet werden. Wie tiefgreifend die Reformen tatsächlich wirken werden, hängt von der Ausgestaltung der folgenden Umsetzungsphasen ab.