Der Vatikan hat zum ersten Mal in seiner fast einhundertjährigen Geschichte einen Film bei den Academy Awards eingereicht. Es handelt sich um die 39-minütige Kurzdokumentation «Green Lava», die den 22-jährigen Giacomo porträtiert, der mit Muskeldystrophie lebt. Die Einreichung signalisiert eine neue kulturelle Präsenz des Kirchenstaats in einem der sichtbarsten Medienwettbewerbe der Welt.
Worum es in der Doku geht
Die von Lia Beltrami und Ali Aksu inszenierte Doku begleitet Giacomo in einer Übergangsphase seines Lebens. Laut Synopsis bewältigt er das Leben nach dem Tod seines Bruders Mattia, der an Duchenne gestorben ist, trotzt Erwartungen und Einschränkungen durch seine Krankheit und findet Kraft in Freundschaft sowie in der Natur. Als dramaturgischer Höhepunkt der 39 Minuten ist ein Tandem-Fallschirmsprung mit Freunden zu sehen, ein filmischer Moment, der Freiheit und Gemeinschaft thematisiert.
Warum der Vatikan einreicht — und wie
Der Vatikan hat das Projekt mitproduziert, wird den Film aber bei der Einreichung in der Kategorie Kurzfilm nicht offiziell vertreten müssen. Anders als bei einer Bewerbung in der Kategorie «Bester internationaler Film» braucht es dafür keine formale Repräsentanz durch den Staat. Ein Sprecher des Stadtstaates begründete gegenüber Variety die Einreichung damit, dass Giacomos Geschichte es verdiene, einem grösseren Publikum bekannt zu werden. Der Film zeige durch Freundschaft, Abenteuer und Lebenswillen, «was es bedeutet, wirklich frei zu sein».
«Durch Freundschaft, Abenteuer und einen unerschütterlichen Lebenswillen zeige er uns, was es bedeutet, wirklich frei zu sein.»
Kontext und Bedeutung
Die Entscheidung, einen Film bei den Oscars einzureichen, ist symbolisch: Der Vatikan bewegt sich damit in ein kulturelles Terrain, das bislang selten direkt von staatlichen oder kirchlichen Institutionen besetzt wurde. Die Academy Awards gelten als zentraler Schauplatz der internationalen Filmkultur; eine Einreichung des Kirchenstaats erzeugt Aufmerksamkeit über religiöse wie gesellschaftliche Debatten hinaus.
Die Wahl einer Kurzdokumentation über eine junge Person mit einer schweren Erbkrankheit verweist auf eine inhaltliche Strategie: Statt theologisch aufgeladener Stoffe setzt die Produktion auf Nähe, Alltag und Menschlichkeit. Der Fokus auf persönliche Erzählung und gemeinschaftliche Erfahrungen kann als Versuch verstanden werden, eine Verbindung zu einem breiten Publikum herzustellen, ohne kirchliche Botschaften überdeutlich vorzuschieben.
Fakten zur Einreichung
| Titel | «Green Lava» |
|---|---|
| Laufzeit | 39 Minuten |
| Regie | Lia Beltrami, Ali Aksu |
| Protagonist | Giacomo, 22 Jahre |
| Kategorie | Kurzfilm (Short Documentary) |
| Oscar-Verleihung | 14. März 2027, Dolby Theatre, Hollywood |
Ausblick
«Green Lava» feiert nach Angaben des Filmfachmagazins Variety in dieser Woche Premiere in Los Angeles. Die Nominierungen für die Oscars werden voraussichtlich im Januar 2027 bekannt gegeben. Ob die Einreichung zu einer Nominierung führt, bleibt abzuwarten; die Sichtbarkeit ist jedoch bereits jetzt gestiegen.
- Erstmals reicht der Vatikan einen Film bei den Academy Awards ein.
- Protagonist der Doku ist ein 22-jähriger Mann mit Muskeldystrophie.
- Die Einreichung erfolgte in der Kategorie Kurzfilm; eine offizielle Repräsentation durch den Vatikan ist dort nicht erforderlich.
Die Einreichung wirft Fragen nach der Rolle religiöser Institutionen im kulturellen Diskurs auf: Wollen sie kreative Werke fördern, öffentliche Debatten anstossen oder ihre Relevanz in säkularen Arenen behaupten? Die Wahl eines Nahporträts anstelle konfessioneller Sujets lässt erkennen, dass der Vatikan in diesem Fall den Wert der einzelnen Lebensgeschichte in den Vordergrund stellt. Für das breite Publikum bleibt spannend, wie die Academy und das internationale Festivalpublikum auf dieses ungewöhnliche Signal reagieren werden.