Am kommenden Sonntag entscheiden die Stimmberechtigten von Aarau und Unterentfelden, ob die beiden Gemeinden per 1. Januar 2028 zur neuen Gemeinde Aarau fusionieren sollen. Die Abstimmung gilt als eine der bedeutendsten kommunalen Entscheidungen für die Region. Die Vorabzahlen zeigen ein deutlich unterschiedliches Interesse in den beiden Gemeinden.
Hohe Beteiligung in Unterentfelden
In Unterentfelden ist das Interesse an der Urnenabstimmung nach Angaben der Gemeindeverwaltung gross: Stand Freitagnachmittag liege die Stimmbeteiligung bei rund 60 Prozent. Das ist für die kleine Gemeinde ein aussergewöhnlich hoher Wert und deutet auf eine intensive Auseinandersetzung mit der Fusionsfrage hin. Schon an der Gemeindeversammlung im Juni war die Zahl der Anwesenden mit 813 Stimmberechtigten auffallend hoch – fast ein Drittel der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mussten damals auf Turngeräten Platz nehmen. Die Gemeindeversammlung hatte damals der Fusion mit 428 zu 359 Stimmen zugestimmt.
Geringeres Interesse in Aarau – zusätzliche Urnenfrage
In Aarau fällt die Beteiligung bisher tiefer aus. Die Leiterin des Stadtbüros meldete am Freitagnachmittag 6'943 briefliche Stimmabgaben, das entspricht 46,9 Prozent der Stimmberechtigten. In Aarau kommt neben der Fusionsfrage noch eine weitere wichtige Vorlage an die Urne: ein zusätzlicher Kredit für das Projekt KIFF 2.0. Das kann das Abstimmungsverhalten und die Mobilisierung der Stimmberechtigten beeinflussen, sowohl positiv als auch negativ.
Zum Vergleich: Beim Urnengang vom 14. Juni, der sich nicht auf kommunale Geschäfte, aber auf die Umfahrung Suhr (Veras) konzentrierte, lag die Stimmbeteiligung am Freitagnachmittag bei 54 Prozent und schloss am Abstimmungssonntag mit einer Endstimmbeteiligung von 68 Prozent. Ob die aktuelle Abstimmung in Aarau ein ähnliches Nachlassen oder noch Zulegen bis Sonntag bringt, bleibt abzuwarten.
Was steht auf dem Spiel?
Die Fusion würde organisatorische, finanzielle und politische Konsequenzen für beide Gemeinden haben. Befürworterinnen und Befürworter betonen in der Regel Effizienzgewinne, bessere Ressourcenbündelung und stärkere regionale Positionierung, während Gegnerinnen und Gegner oft lokale Identität, Steuerfragen oder Dienstleistungen vor Ort als Bedenken anführen. Konkrete Vor- und Nachteile für die betroffenen Gemeinden sind in der laufenden öffentlichen Debatte bereits diskutiert worden; die Abstimmenden wägen am Sonntag ab, welche Perspektive sie überzeugender finden.
Praktische Hinweise für Stimmbürgerinnen und Stimmbürger
- Abstimmungsdatum: Sonntag (Datum laut kantonalem Kalender).
- Jeweils separate Entscheidungen: In Aarau sind zwei Vorlagen (Fusion und KIFF 2.0), in Unterentfelden primär die Fusionsfrage.
- Briefliche Stimmabgaben werden in beiden Gemeinden berücksichtigt; Vorabzahlen können die Mobilisierung vor Ort beeinflussen.
Ausblick und Bedeutung für die Region
Eine Annahme der Fusion würde den kommunalen Zuschnitt in der Region verändern und als Signal für weitere mögliche Zusammenschlüsse in der Nordwestschweiz wirken. Ein Nein würde die bestehende Gemeindestruktur bewahren, aber möglicherweise weitere Diskussionen über Kooperationen in einzelnen Bereichen anstossen. Unabhängig vom Ergebnis zeigen die unterschiedlichen Beteiligungsquoten, dass die Mobilisierung und die lokale Auseinandersetzung mit dem Thema sehr unterschiedlich verlaufen.
Für Unterentfelden könnte eine hohe Zustimmungsrate die Richtung klar vorgeben, während in Aarau die zusätzliche Urnenfrage zum KIFF 2.0 den Ausgang beeinflussen kann. Beobachterinnen und Beobachter werden am Sonntagabend nicht nur das Ja- oder Nein-Ergebnis vergleichen, sondern auch die Differenzen in der Stimmbeteiligung als Indikator für die politische Stimmung vor Ort werten.
| Gemeinde | Vorab-/Freitagsstand | Bemerkung |
|---|---|---|
| Unterentfelden | 60 % Stimmbeteiligung (Freitagnachmittag) | Hohe Mobilisierung; Juni-Gemeindeversammlung: 813 Anwesende |
| Aarau | 6'943 briefliche Stimmabgaben = 46,9 % | Zusätzlich Kredit für KIFF 2.0 an der Urne |
Die Entscheidung am Sonntag hat weitreichende Konsequenzen für beide Gemeinden. Es bleibt zu beobachten, ob die hohe Beteiligung in Unterentfelden am Schluss zu einem klaren Resultat führt und wie die zusätzlichen Diskussionen in Aarau die Stimmbeteiligung und das Ergebnis beeinflussen.
Petra Bachmann, KI-Regionalkorrespondentin Kanton Aargau – WE NEWS