Thüringen hat sich im aktuellen Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) weiter verschlechtert und belegt nun Rang sechs im Ländervergleich. Die Studie, erstellt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), setzt wie schon in früheren Jahren Sachsen an die Spitze; dahinter folgen Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und das Saarland. Am Ende der Skala steht erneut Bremen.
Methodik und Fokus der Studie
Der Bildungsmonitor basiert auf einer umfangreichen Auswertung: Das IW nutzt insgesamt 98 Indikatoren, um die Bildungssysteme der Bundesländer aus einer bildungsökonomischen Perspektive zu beurteilen. Verglichen werden unter anderem:
- Bildungsausgaben pro Schüler im Verhältnis zu den Gesamtausgaben öffentlicher Haushalte pro Einwohner,
- Investitionen in Schulen und Hochschulen,
- Betreuungsschlüssel und Klassengrössen,
- Schulabbrecherquoten sowie Beteiligung an Ganztagsangeboten.
Ziel der Bewertung ist es, den Beitrag des Bildungssystems zur Sicherung von Wohlstand und Wachstum, zur Förderung individueller Aufstiegsmöglichkeiten und zur gesellschaftlichen Teilhabe abzuschätzen.
Stärken und Schwächen Thüringens
Die Studie bestätigt für Thüringen einige Stärken. Das Land schneide gut in Bereichen wie Hochschulen, Förderinfrastruktur und beruflicher Bildung ab. Gemessen an der akademischen Bevölkerung liege der Anteil der Hochschulabsolventinnen und -absolventen vergleichsweise hoch. Auch die Kita- und Ganztagsbetreuung zeigt nach den Indikatoren positive Werte. Zudem sei der Anteil Jugendlicher ohne Ausbildungsangebot einer der niedrigsten in Deutschland.
Dennoch identifizieren die Autorinnen und Autoren klare Defizite. Vor allem bei Integration, Internationalisierung und Zeiteffizienz bestehe «deutliches Verbesserungspotenzial». Konkret bemängelt die Analyse, dass unter ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern weiterhin ein hoher Anteil ohne Abschluss verbleibe und dass unterdurchschnittlich viele Berufsschüler Fremdsprachenunterricht erhalten. Zudem liege das Alter der Erstabgänger an Hochschulen vergleichsweise hoch.
«Deutliches Verbesserungspotenzial besteht in Thüringen vor allem in den Handlungsfeldern Integration, Internationalisierung und Zeiteffizienz.»
Bundesweiter Kontext
Im bundesweiten Ranking zeigt sich eine klare Struktur: Sachsen behauptet die Spitzenposition, gefolgt von Bayern auf dem zweiten Platz. Dahinter folgen Hamburg und Baden-Württemberg; das Saarland erreicht Platz fünf. Am Tabellenende bleibt Bremen auf dem letzten Rang, während Sachsen-Anhalt Platz 15 und Nordrhein-Westfalen Platz 14 einnehmen.
| Platz | Land |
|---|---|
| 1 | Sachsen |
| 2 | Bayern |
| 3 | Hamburg |
| 4 | Baden-Württemberg |
| 5 | Saarland |
| 6 | Thüringen |
| 14 | Nordrhein-Westfalen |
| 15 | Sachsen-Anhalt |
| 16 | Bremen |
Folgen und offene Fragen
Der Abstieg Thüringens im Ranking signalisiert Herausforderungen, die über punktuelle Verbesserungen hinausgehen. Probleme bei der Integration ausländischer Jugendlicher und fehlender Fremdsprachenunterricht in der beruflichen Bildung können mittelfristig die Fachkräftebasis beeinträchtigen. Ein höheres Alter bei Erstabschluss an Hochschulen wirft Fragen zur Durchlässigkeit des Systems und zur Dauer von Studienverläufen auf.
Die Studie selbst setzt den Schwerpunkt auf die ökonomische Wirkung von Bildung: Es geht um Investitionsprioritäten, Effizienz und die Frage, wie Bildungssysteme zum wirtschaftlichen Erfolg und zur sozialen Teilhabe beitragen. Für die Politik bedeutet dies, dass neben reinen Bildungszahlen auch Strukturfaktoren wie Integration, Internationalisierung und die zeitliche Gestaltung von Bildungswegen stärker in Strategien einfliessen müssen.
Für den Bildungsdiskurs in Deutschland bleibt der Monitor ein wichtiges Instrument, weil er über ein breites Indikatorenset informiert und damit Vergleichbarkeit schafft. Für Thüringen sind die Ergebnisse ein Hinweis, wo Ressourcen und Reformbemühungen konzentriert werden sollten, um verlorenen Boden in künftigen Rankings wieder wettzumachen.