Das St. Galler Stadtparlament hat an seiner Sitzung vom Dienstagabend mehrere weitreichende Entscheide getroffen, die das Stadtbild, die Suchtpolitik und die Freizeitinfrastruktur betreffen. Im Zentrum standen die Bewilligung eines Pilotbetriebs mit integriertem Konsumraum, ein neuer Pumptrack sowie Mittel für die Umgestaltung des Grabenhalle‑Platzes. Zudem wurde der 2025 erprobte, günstigere U‑Sack als dauerhafte Abfalllösung bestätigt.
Pilotbetrieb mit Konsumraum: Ziel Risikoreduktion und Entlastung des öffentlichen Raums
Für den geplanten Pilotbetrieb einer Kontakt‑ und Anlaufstelle mit integriertem Konsumraum an der Lagerstrasse 2/4 bewilligte das Parlament einen Kredit von 4,17 Millionen Franken. Der Betrieb ist auf die Jahre 2027 bis 2029 ausgelegt. Zweck des Angebots ist laut Vorlage, gesundheitliche Risiken für suchtbetroffene Menschen zu reduzieren und zugleich den öffentlichen Raum zu entlasten.
Die Vorlage fand im Rat eine klare Mehrheit: Mit 51 Ja gegen 8 Nein bei einer Enthaltung wurde der Kredit gutgeheissen. Ein Antrag der SVP‑Fraktion, die Bewilligung von verbindlichen Finanzierungszusagen benachbarter Gemeinden und des Kantons abhängig zu machen, fand keine Mehrheit und wurde mit 51 gegen 9 Stimmen abgelehnt.
Neuer Pumptrack am Grütliweg
Für die Anlage eines neuen, asphaltierten Pumptracks am Grütliweg sprach sich das Parlament ebenfalls aus. Der Kredit beträgt 700'000 Franken. Die geplante Anlage soll öffentlich und kostenlos zugänglich sein und von Mountainbikern, BMX‑Fahrern, Kickboardern, Skateboardern sowie Rollschuhfahrern genutzt werden können.
Die Finanzierung wurde mit 37 Ja gegen 20 Nein bei drei Enthaltungen genehmigt. Zuvor war ein Rückweisungsantrag der Fraktionen GLP, SVP und Mitte/EVP knapp gescheitert: 30 Stimmen votierten für, 31 dagegen.
Weitere Abläufe: Grabenhalle‑Platz und U‑Sack
Das Parlament bewilligte ausserdem 550'000 Franken für die Neugestaltung des Grabenhalle‑Platzes. Konkrete Projektbestandteile sind in der Kurzmeldung nicht detailliert, die Summe wurde jedoch auf der Traktandenliste genannt und angenommen.
Zum Thema Abfallentsorgung entschied der Rat, den U‑Sack dauerhaft einzuführen. Das 2025 erprobte Modell, ein günstigerer Kehrichtsack, der ausschliesslich für Unterflurbehälter bestimmt ist, soll nun fest in das Abfallreglement aufgenommen werden. Diese Änderung wurde mit 51 Ja, keiner Gegenstimme und 10 Enthaltungen genehmigt.
Finanzielle Übersicht
| Vorhaben | Kredit (CHF) |
|---|---|
| Pilotbetrieb mit Konsumraum (2027–2029) | 4,170,000 |
| Pumptrack am Grütliweg | 700,000 |
| Neugestaltung Grabenhalle‑Platz | 550,000 |
Politische Debatten und Mehrheiten
Die Entscheide zeigen die Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament: Bei Gesundheits‑ und Sozialfragen setzte sich eine breite Koalition für den pilotierten Konsumraum ein, trotz Widerstand von Teilen des Parlaments. Die Ablehnung des SVP‑Antrags, die Bewilligung an externe Finanzzusagen zu binden, belegt, dass das Gremium die Verantwortung für die städtische Strategie in diesem Bereich primär bei sich sieht.
Beim Pumptrack dokumentierten die knappen Voten die unterschiedlichen Prioritäten: Befürworterinnen und Befürworter betonten den Freizeit‑ und Jugendnutzen sowie die Stärkung des Angebots an Aussenanlagen; Gegnerinnen und Gegner hinterfragten Kosten und Standortwahl. Der U‑Sack fand hingegen breite Zustimmung als pragmatische, kostensensible Lösung für die Unterflurentsorgung.
Ausblick und praktische Hinweise
- Der Pilotbetrieb mit Konsumraum soll 2027 starten und bis 2029 laufen; Details zur Umsetzung, zur Betreiberform oder zur Einbindung externer Partner stehen noch aus und werden in weiteren Beschlüssen konkretisiert werden müssen.
- Der Pumptrack wird als asphaltierte, öffentlich zugängliche Anlage geplant; Fertigstellungstermine und Betreiberverantwortung wurden in der Kurzmeldung nicht ausgewiesen.
- Die definitive Einführung des U‑Sacks verlangt eine Anpassung des Abfallreglements, die das Parlament bereits genehmigt hat; Haushalte sollten auf weitere Informationen der Stadtverwaltung zur Nutzung und Beschaffung des U‑Sacks achten.
Die Beschlüsse markieren eine Reihe städtischer Prioritäten: Gesundheitsprävention mit klarer Reduktion von Risiken, Ausbau von Freizeitangeboten für verschiedene Zielgruppen und eine pragmatische Fortführung erprobter Verwaltungsinstrumente. Die nächsten Schritte betreffen die Umsetzung der Projekte, die vertragliche Ausgestaltung und die Kommunikation gegenüber Bevölkerung und Nachbargemeinden.