Die SP Kanton St. Gallen zieht nach der Herbstsession eine gemischte Bilanz zum neu beschlossenen Paket zur frühen Förderung. Die Partei begrüsst, dass der Rat einen Schritt unternommen habe, kritisiert jedoch die deutliche Abschwächung der ursprünglich vorgeschlagenen Massnahmen, insbesondere die Fokussierung auf die Sprachabklärung statt auf eine umfassende Entwicklungserhebung.
Parteistellungnahme und Kernkritik
In ihrer Medienmitteilung vom 16. September bezeichnet die SP das Ergebnis als «Minimalkompromiss». Grundsätzlich zeige man sich erleichtert, dass ein Massnahmenpaket beschlossen worden sei, weil dies den Gemeinden Werkzeuge an die Hand gebe, um fehlende Kompetenzen bei Kindern beim Eintritt in die Volksschule gezielter anzugehen. Gleichzeitig bleibe das Resultat aber «deutlich unter unseren Erwartungen», schreibt die Partei.
«Schritt in die richtige Richtung»
Die SP betont, dass die nun verabschiedete Lösung zwar Entwicklungen anstossen könne, aber nicht den Anspruch einer möglichst frühen und umfassenden Unterstützung erfülle. Zentraler Kritikpunkt ist die Abkehr von der ursprünglichen Absicht, eine ganzheitliche frühkindliche Abklärung einzuführen. Stattdessen liegt der Schwerpunkt des Beschlusses nun auf der frühen Abklärung der Sprachkenntnisse.
Was die SP gefordert hat
Die Partei hatte sich für eine breitere Erhebung des Entwicklungsstands ausgesprochen. Teil dieser Konzeption wäre ein vorschulischer Erstkontakt mit einer Fachperson aus dem Bereich frühe Kindheit gewesen. Ein solcher Erstkontakt hätte nach Ansicht der SP helfen können, Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf frühzeitig zu erkennen und so den Übergang in die Volksschule zu erleichtern.
| Erwartung der SP | Beschluss des Kantons |
|---|---|
| Ganzheitliche Entwicklungsstandserhebung | Fokus auf Sprachabklärung |
| Vorschulischer Erstkontakt mit Fachperson | Kein verbindlicher Fachkontakt vorgesehen |
Folgen für Gemeinden und Schulsystem
Der Kanton übergibt den Gemeinden Instrumente, um bei Schuleintritt bestehende Kompetenzdefizite zu identifizieren und zu bearbeiten. Die SP sieht darin einen pragmatischen Nutzen, betont aber, dass eine engere, fachlich fundierte Früherkennung langfristig sowohl den betroffenen Kindern als auch dem Bildungssystem nutzen könnte. Früh erkannte Förderung könne nach Ansicht der Partei zudem dazu beitragen, das Volksschulsystem zu entlasten, weil Eingriffspunkte früher und gezielter gesetzt würden.
- Die Massnahmen geben Gemeinden konkrete Instrumente zur Sprachabklärung von Eintritten in die Volksschule.
- Eine umfassendere Entwicklungsabklärung wurde nicht umgesetzt.
- Ein vorschulischer Erstkontakt mit Fachpersonen ist nicht Bestandteil der beschlossenen Lösung.
Ausblick und offene Fragen
Die SP hofft, dass das verabschiedete Paket dennoch positive Entwicklungen in Gang setzen kann. Unklar bleibt, wie die Gemeinden die neuen Instrumente konkret finanzieren und organisatorisch umsetzen sollen und ob künftige Nachbesserungen möglich sind, um den ursprünglich angestrebten vorschulischen Fachkontakt doch noch zu realisieren. Die genaue Ausgestaltung der Umsetzung auf kommunaler Ebene und die Frage, weshalb der ursprünglich geplante Fachkontakt abgeschwächt wurde, hat die lokale Berichterstattung bereits vertieft behandelt.
Für die Praxis wird entscheidend sein, ob die eingeleiteten Massnahmen tatsächlich zu einer früheren Identifikation von Förderbedarf führen und ob sich daraus messbare Verbesserungen beim Eintritt in die Volksschule ergeben. Die SP wird die Entwicklung weiter beobachten und bleibt bei ihrer Forderung nach einer möglichst frühen und umfassenden Unterstützung für Kinder in der Vor- und frühen Schulzeit.